BING BING

Adent-mosaik (c) mosaik

 

Bing Bing!
So schiebt dies blasse Mädchen
Sich klappernd durch die Welt.
Und schnell, sodass die stehende Luft
In ihrem Haar als Fahrtwind zählt.

Bing Bing!
Scheppert ihr treues Rad,
Trägt ächzend seine Pflicht.
Auch jedes Schlagloch nimmt es brav
Ist nur die Dame drauf erpicht.

Bing Bing!
Ich seh dir nach, du Rad,
Mit mitleidvollem Blick.
Mir ist ich wär der andere Draht
Den dieses Fräulein tritt.

Florian Lamprecht


Do, 5.12.: LITERATURLETSCHO

Literaturletscho

Am Donnerstag den 5. Dezember 2013 um 20 Uhr eröffnet das Bureau du Grand Mot feierlich die neue Lesereihe LiteraturLetscho in den Räumlichkeiten des Markussaals in der Gstättengasse 16, 5020 Salzburg. 

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Literaturbegeisterte vortreten – teilt eure Lieblingslektüren mit uns!

Bedient euch aus dem reichhaltigen Fundus jahrtausendealter Literaturgeschichte und präsentiert eure/n LieblingsautorIn, eure Lieblingsbücher und -themen anhand selbst ausgewählter und vorbereiteter Texte im Kreis gleichgesinnter Literaturbegeisterter – auf lesende, dialogische, szenische, musikalische Weise… oder anders, ja nach Gusto!

Im Anschluss wollen wir mit den Texten, ihren Themen und PräsentatorInnen ins Gespräch kommen und sehen, was die sonst nur im Privaten gelesenen Werke an Potential für Diskussionen bieten – und welche Fragen euch vielleicht schon lange unter den Nägeln brennen…

Wer Lust hat, sich selbst auf der Bühne zu erproben, mit den Anwesenden über Lieblings- (oder auch andere) Texte zu diskutieren oder diese einfach nur zu Gehör bringen möchte, wende sich bitte an uns – bei allem Weiteren greifen wir euch gerne unter die Arme!

Anmeldung, Fragen usw. bitte an Manuel unter: bureaudugrandmot@outlook.com

LITERATURLETSCHO - Eine Veranstaltung des Bureau du Grand Mot freundlicher Unterstützung von:

Kultur Stadt Salzburg

 

 

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Weihnacht

Adent-mosaik (c) mosaik
Macht auf
die Tür
und gleich das Tor dazu! Zuviel des Lichts,
wir konnten es nicht fassen. Der Fackel Schein
in jenem Stall dereinst
war hell genug.

Wolfgang Danzmayr


Die Pässe in der Schweiz

Adent-mosaik (c) mosaik

 

In Zeiten die wie Feuer Pech und Pneu
ein Sennenhund aus Bern und eine Kesse
wittern Brisantes neu
und unter weißer Pracht macht uns
die alte Schweizer Firnbank weise
sie decke treu
die vielen fremden Reise-
Pässe

Und unten alt und dicht an dicht
ruhen Kristalle fein sortiert
darüber weich das Ruhekissen abortiert

Große Kristalle sperren sich und rittern
lawinenschwer nach Blässe
und überhaupt
in tiefe täler schlittert
man doch nur
aus Sicht der Regenbogenpresse

Wolfgang Kauer


Die stille Zeit

Adent-mosaik (c) mosaik

Die stille Zeit, die leise
Die geraume und weise
Diese stille Zeit, sie ist endlich da

Drum macht die Tore hoch und die Stimmen breit
Lasst heiße Schokolade in eure Seelen fließen und Lebkuchen die Wunden stopfen
Wie süßverpacktkaramellisierte Weihnachtsmänner wird das aussehen

Erklimmt den Nonnberg und schaut in die Fenster der Glücklichen und Reichen
Schaut ihnen wonnevoll beim Streiten, Lieben und Schweigen zu, denn dazu sind sie gemacht
diese Salzburger Winterfreilichtbühnen

Und immer wieder dieses Licht! Warmer Schimmer, der aus den Häusern tröpfelt und direkt über die Haut zieht bis ins kalte Herz.
Maronis gibt’s doch am Hanuschplatz günstig zu erwerben.
Schraub sie ein wie eine neue Glühbirne.
Wohlan, leuchtet winterlich in die stille Zeit.

Andrea Weiss


Manuel Riemelmoser - Postmoderne u.v.m.

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postmoderne

ich mag die postmoderne.
das ist das problem: man muss sie einfach mögen.
man kann gar nicht anders.
ich mag das MAN. ich kann gar nicht anders.

fünf tage

gitternetzlinien von konsonanten gefestigt
das bächlein atem das nichts ungerades fasst
fasst M und T und C und L
zerstückelt und lässt schwimmen

vokative singen tenörisch
und obwohl ich sie nicht erhöre
schmuggeln sie unter mir phantastisch
wissen wovon sie sprechen
spüren aber nicht die sprache

piepsend weckt das ding endzeit auf mich
zeigt mein fleisch als zahlenkonstellation
wirft etwas kümmel auf die beine der last
und mit ei hält es rund den nachmittag an
wenn die wirklichkeit dann durstig wirkt
und tröpfelwasser aus dem waschlappen
zumindest die decke in vokalen auflöst
kommen leerstellen zum vorschein
an denen ich mich wieder einklinke

deine brüste lebten fünf tage lang
nur durch die bewegung deiner augen
wenn jetzt die welt staubt
braucht es eigentlich nur kalte feuchtigkeit
erstens atem zweitens eis

wald

ich gehe in den wald
ich nehme mit
ich entscheide mich
ich laufe
ich umarme
ich vergrabe
ich feiere
ich sehne zurück
aber
ich gehe in den wald
ich nehme an

Manuel Riemelmoser - warten auf das große wort

Stefan B. Findeisl - Zwölf Stunden

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ZWÖLF STUNDEN, die Hälfte eines Tages. Halb in Dunkelheit, Nacht, halb im Licht, Tag. Sie steht genau am Äquator. Lotrecht. Bescheint zu gleichen Teilen den Norden und den Süden. Macht keinen Unterschied zwischen denen da oben und denen da unten. Gleichberechtigung der Hälften. Für drei Monate war sie jetzt im Norden, wanderte bis zum Wendekreis. Schaute sich Europa an, Russland, die Vereinigten Staaten bis hinauf nach Kanada und Grönland. Einen Tag, einen längsten Tag, verweilte sie am Wendekreis. Zuwendung: uns. Jetzt ist sie wieder in der Mitte angekommen, kehrt sich zur anderen Seite. Verkürzt ihre Verweildauer in unseren Breiten. Gibt der Nacht mehr Raum. Es wird kühler werden. Wir kühlen aus. Stehen mit hochgeschlagenen Krägen unsere Mäntel in der Dunkelheit. Sehen unseren Atem vor uns in der Luft stehen. Wir sehen uns atmen. Sehen uns leben. Im frieren und atmen wird uns unser Leben bewusst. Hier im Dunkel, wo das Sonnenlicht nur als fahler Abklatsch am Himmel steht. Mond. Was im Sommer selbstverständlich schien, was leicht war, woran man nicht dachte, nicht erinnert wurde, kommt als Erkennen schwer zurück. Es ist Leben in uns. Dieses Leben muss gepflegt werden, muss umsorgt werden, muss geführt werden. Der Winter verlangt es. Der Winter zeigt mit dem Finger auf ES.

Auf das Leben.

Achte darauf.

Halte dich warm.

Atme.

Lebe.

Stefan B. Findeisl - warten auf das große wort

Pro Kunst und Kultur in Salzburg

mosaik finanziert sich über das freiwillige Engagement aller Beteiligten und die großzügige Unterstützung durch die Fakultätsvertretung der Gesellschaftswissenschaften an der Universität Salzburg.

Für unser Projekt X greifen wir gerne auf Unterstützung der Kulturabteilungen von Stadt und Land Salzburg zurück und sind froh, dass diese Zusammenarbeit bislang so gut funktioniert. Neben diesem Projekt werden auch weitere Projekte und Veranstaltungen des Bureau du Grand Mot (KulturKeule, So.What.Wörtlich, LiteraturLetscho) in ähnlicher Form unterstützt. Damit dem auch weiter so ist, unterstützen wir die Petition gegen Budgetkürzungen.

NEIN ZU BUDGETKÜRZUNGEN BEI KUNST UND KULTUR - JA ZUM KULTURLAND SALZBURG!

Salzburg ist  ein Land der Kultur! Eine starke urbane Kulturszene, intensiv gelebte Volkskultur, architektonische Schätze von Weltrang, eine pulsierende freie Szene, großartige Theater, Orchester, Literatureinrichtungen und Museen, engagierte regionale Initiativen und die Salzburger Festspiele ... Diese kulturelle Vielfalt bedeutet nicht nur Lebensqualität für die Salzburgerinnen und Salzburger, sie bringt auch jährlich viele Millionen Menschen ins Land.

doch: Salzburgs einmalige Kulturlandschaft ist in Gefahr!

Wir teilen diesen Aufruf und unterstützen die Forderungen gerne.


"Was ist Wahrnehmung?"

Rezension: Birgit Birnbacher - Mal lichterloh, mal wasserblau

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Birgit Birnbacher - Mal lichterloh mal wasserblau
 
Christian Morgenstern tat es. Theodor Storm tat es. Joachim Ringelnatz tat es. Ganz zu Schweigen von Erich Kästner, Mark Twain oder Oscar Wilde. Sie alle haben es getan, waren die Ausnahme. Zwei neue können in die Liste aufgenommen werden: Birgit Birnbacher und David, Janas Bruder.
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Werner Schlor - Das Märchen vom Wegetreter (Auszug)

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Camino: Bist du der Homunkel? (wartet) Ja sicher, das muss er sein. Heureka, ich hab den Homunkel gefunden! Den Homunkel! Den magischen Homunkel! Das wird mir der gute Minister gar fürstlich entlohnen! (kettet das Kind los. Das Kind rührt sich weiter nicht.) Jetzt bist du frei! Komm, wir wollen gehen! (wartet, versucht es hochzuziehen, das Kind rührt sich nicht, schaut ihn nur an) Hallo, liebes Kind, ich brauche deine Hülf. Ich brauch ein Herz und ich brauch ein Hirn. Nicht für mich natürlich, für unsren König, der ist nämlich krank. (wartet) Hm, recht gesprächig scheint mir das Kerlchen nicht zu sein. Ich bitt dich inständigst, ich brauch deine Hülf! (wartet) Also eins ist klar, wer eine Antwort möcht, der frag nicht den Homunkel. Was mach ich jetzt? Das gute Ding will sich nicht rühren. Lebt‘s denn überhaupt? Oder stell ich’s mir nur vor? (denkt nach) Also gut, dann tut’s mir leid. Ich tu’s für den König und sein Volk.

Camino zieht das goldene Schäuflein. Mit der spitzen Kante schneidet er dem Kind den Kopf auf und nimmt sein Hirn heraus. Es kostet ihn ein bisschen Mühe, weil das Schäuflein nicht so gut als wie ein Messer schneidet. Dann macht er den Kopf schön wieder zu. Danach schneidet er dem Kindlein noch die Brust auf, reißt ihm auch das Herz heraus und klebt ihm den Brustdeckel wieder zu. Herz und Hirn steckt er in die Tasche. Das Blut vom Schäufelchen wischt er schnell im Gras ein wenig ab.
Das Kind sitzt da als wie zuvor und schaut ihn nur traurig an.

Werner Schlor - warten auf das große wort