der mosaik-März

Im März beginnt's! Oder so ähnlich... Auf jeden Fall wird der mosaik-März intensiv. Lesungen, Konzerte, Diskussionen, Gespräche - in fünf Städten! 

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Samstag, 10. März | 19:30 | Salzburg: academy Bar

Lisa-Viktoria Niederberger & Two on Glue

Lesung & Konzert

Natur und im Speziellen die Mistel zieht sich wie ein roter Faden durch den gleichnamigen Band von Lisa-Viktoria Niederberger. Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Hochsprache mit österreichischer Umgangssprache bindet sie nicht nur unpretentiös Bilder und Vergleiche ein, sie behandelt gleichzeitig mit einer nie dagewesenen Leichtigkeit scheinbar unaussprechliches.

Die Musik von Two on Glue ist eine Mischung aus akustischen Punksongs und Mundart-Liedern mit Schlager- und Ska-Einflüssen. Die Songs bestechen durch persönliche Texte mit Tiefgang, abwechslungsreichen Sound und politisch nicht immer ganz korrekten Humor.

Und weils was zu feiern gibt: DJ-Line bis zur Sperrstunde!

>> zur Facebook-Veranstaltung <<

Lisa-Viktoria Niederberger: Misteln. Edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Eintritt frei!


 

Samstag,  17. März | 16:00 | Leipzig:  Buchmesse, Forum Literatur Halle 4

Andere Formate?

Redakteure diskutieren Literaturzeitschriften, die sich zu Plattformen erweitern.

Die gedruckte Litertaturzeitschrift, die einmal pro Quartal erscheint, ist schon länger nicht mehr das einzige Medium, das neue Stimmen in die Literaturlandschaft bringt. Und natürlich kommen nicht alle interessanten Formate aus Berlin oder Wien. Andreas Heidtmanns „poetenladen“ aus Leipzig bot als eine der ersten Seite im Netz Lyrikern die Möglichkeit, ihr Schaffen in kleiner Auswahl vorzustellen. Mittlerweile kamen die Literaturzeitschrift „poet“ und ein eigener Verlag hinzu. „Faust Kultur“ aus Frankfurt am Main, vertreten durch Alexandru Bulucz, versteht sich als „wwweltbühne für Autoren und Künstler“. Man findet hier kurze Kulturtipps genauso wie ausführliche Besprechungen und literarische Texte. „mosaik“ ist ein junges Magazin aus Salzburg. Die Beteiligten organisieren dort die „Kritischen Literaturtage“ mit, man bemüht sich um allerlei „Vernetzung und Vermittlung gegenwärtiger Literaturen“. Und nicht zuletzt ist das Heft kostenfrei erhältlich. Josef Kirchner ist für „mosaik“ auf dem Podium. Die Schriftstellerin und Kritikerin Sabine Scholl moderiert.


Samstag,  17. März | 20:00 | Leipzig:  textat. Textatelier

mosaik-Auswärtsspiel

Buchpräsentationen Franziska Füchsl & Lisa-Viktoria Niederberger

Zwei der spannendsten Stimmen junger Literatur stellen ihre ersten Bände vor: Franziska Füchsl arbeitet sich mit viel sprachlichem Feingefühl an grundlegenden Fragen der Bedeutungsebenen ab; Lisa Viktoria Niederberger entwickelt in ihren Texten einen Sog, der scheinbar unaussprechliches sinnlich erfahrbar macht.

Eine Kooperation der edition mosaik mit dem Textat Textatelier.

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Franziska Füchsl: rätsel in großer schrift. edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Lisa-Viktoria Niederberger: Misteln. Edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Eintritt frei!


Sonntag, 18. März | 20:00 | Wien: Café Anno

Anno Literatur Sonntag mit Lisa-Viktoria Niederberger

Der Anno Literatur Sonntag (ALSO) bietet junge, zeitgenössische Literatur in gemütlicher und entspannter Kaffeehausatmosphäre.

Lisa-Viktoria Niederberger: Misteln. Edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Eintritt frei!


Dienstag, 20. März | 19:30 | Linz: Sputnik Rock Café

Lisa-Viktoria Niederberger & Hoizkopf

Lesung & Konzert

Lisa-Viktoria Niederberger: Misteln. Edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Eintritt frei!


Samstag, 24. März | 16:00 | Salzburg: Buchhandlung Stierle

indiebookday, u. a.  mit Lisa-Viktoria Niederberger

Lesung und Gespräch

Den ganzen Tag über Lesungen und Gespräche mit Autor*innen, Konzerte u. v. m. Mit Lisa-Viktoria Niederberger, Jochen Jung, Mareike Fallwickel u. v. m.

Lisa-Viktoria Niederberger: Misteln. Edition mosaik (Salzburg), 2018. 

Eintritt frei!


Donnerstag, 29. März | 20:00 | Versatorium (Geusaugasse 39, Wien)

Buchpräsentation: Franziska Füchsl - rätsel in großer Schrift

„nous nous devons au mot. schulden wir uns dem wort? schulden wir ihm unser fragen? die frage : wie klein ist wort? wie klein mot? wie groß die fragen, wie viele die antworten?“

Franzsika Füchsl begibt sich in ihrem ersten Band auf die Suche nach dem Wort und findet die rätselhafte Bleibe eines Freundes. Bedeutungsebenen überlagern sich oder verschwimmen – ebenso wie Genrezugehörigkeiten.


Samstag, 31. März | 19:00 | Bregenz: Hotel Schwärzler

Literatur im Schwärzler, u. a. mit Franziska Füchsl

Zum 4. Mal finden im Hotel Schwärzler Literaturtage statt - dieses Jahr mit Franziska Füchsl und 9 weiteren Autor*innen: Sabine Bockmühl, Moritz Heger, Michael Köhlmeier, Deborah Macauley, Alexander Peer, Hans Platzgumer, Verena Rossbacher, Tabea Steiner und Christian Zillner.

Franziska Füchsl: rätsel in großer schrift. edition mosaik (Salzburg), 2018. 

 


Jahresrückblick 2017 - Finanzen, Freu(n)de und Familie

Was für 1 Jahr! Wir müssen uns kurz halten, denn dieses Jahr quoll ja fast über vor lauter spannenden Projekten und neuer Literatur. Aber ein kleiner Rückblick muss sein!

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Zunächst das Geld. Wie sind wir 2017 zu Cash gekommen?

  • je 5000 € kamen von den Kulturabteilungen der Stadt Salzburg, des Landes Salzburg und des Bundeskanzleramtes
  • etwas mehr als 1100 € stammen aus Verkaufserlösen, also von euch - Vielen Dank dafür! <3
  • knapp 500 € sind Mitgliedsbeiträge - die Familie sozusagen.
  • nochmal knapp 500 € kommen von der StV Germanistik an der Universität Salzburg

 

klein&laut, das erste Treffen junger Literaturzeitschriften im Mai 2017 in Salzburg

klein&laut, das erste Treffen junger Literaturzeitschriften im Mai 2017 in Salzburg

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Und wofür haben wir es ausgegeben?

  • rund 7500 € gingen als Honorare an Autor*innen und Projektmitarbeiter*innen
  • etwas weniger als 6500 € haben wir für Druckkosten für die Zeitschrift und Bücher ausgegeben
  • ein wenig mehr als 1300 € gingen für den Versand drauf
  • nicht ganz 1000 € haben wir für Material (Veranstaltungseqipment, Verpackungsmaterial,...) ausgegeben
  • knapp 700 € haben wir für Werbung und Marketing ausgegeben
  • der Rest sind Gebühren, Spesen etc.

 

Die 5-Jahres-Feier im Jänner 2017 in der Academy Bar

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Und was haben wir jetzt eigentlich gemacht?

  • über 100 Texte von knapp ebensovielen Autor*innen haben wir als freiTEXTfreiVERS oder im Advent-mosaik veröffentlicht, der meistgelesenste davon kam von Sigune Schnabel
  • 20 Veranstaltungen haben wir in Salzburg organisiert, im Herbst zum ersten Mal BABEL
  • 3 Ausgaben der Zeitschrift mit Texten von über 80 Autor*innen sind erschienen, im Sommer haben wir nochmal ordentlich über die Zeitschrift nachgedacht und nachjustiert
  • 3 Bücher sind in der edition mosaik neu erschienen, darunter unsere ersten beiden Kunstbücher, [disposed] und opera publica
  • 1 Lesereise mit 4 Lesungen und Diskussionen hat uns im Februar durch ganz Deutschland geführt
  • 1 Konferenz: Mit klein&laut im Mai haben wir das erste Vernetzungstreffen junger Literaturzeitschriften organisiert

 

Zu Gast bei Land in Sicht in Köln im Zuge der Lesereise im Februar 2017

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Und was ist sonst noch so passiert?

  • knapp knapp knapp werden sich die 50 000 Besucher*innen auf unserer Homepage nicht ausgehen (Stand vor Veröffentlichung von diesem Beitrag: 49 592)
  • Wie jedes Jahr;  unsere Top-Suchbegriffe des Jahres: zweimal wurde nach „mosaik am see“ gesucht - vielleicht eine neue Veranstaltungsidee? - auch schön: „Gebäude steht leer“ - aber unser Favorit: „Amazon“
  • Und schließlich war es unser erstes Jahr als Verein. Wir haben viel gelernt, viel gearbeitet, viel gefeiert. Die Familie wächst zusammen!
    Auch du kannst dabei sein!

 

Du willst es ganz genau wissen?

Den ausführlichen Bericht des Jahres 2017 findest du >> hier <<

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Vielen Dank allen, die mitgearbeitet haben, allen Autor*innen und Künstler*innen, allen befreundeten Projekten und allen, die uns über das Jahr hindurch unterstützt und motiviert haben!
Auf ein mindestens so spannendes Jahr 2018!
euer mosaik.

Der Vorstand des mosaik Dezember 2016 - Oktober 2017. Mehr zum Team hier.

Und das Titelbild erinnert uns an den Wissenspark, unser Ein-Tages-Festival mit der Wissensstadt im Mai 2017.


Lieber Thomas Brezina, hat das wirklich sein müssen?

Lisa-Viktoria Niederberger über Thomas Brezinas neues Knickerbockerbandenbuch „Alte Geister ruhen unsanft“. Ein bisschen Rezension, ein Hauch Begeisterung, eine große Dosis Unverständnis und ACHTUNG: ein paar ganz massive SPOILER.

Für alle, die auf der anderen Seite der Grenze aufgewachsen sind: de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Brezina

Er kann's einfach nicht lassen, der Brezina. Weit über 500 Bücher, Drehbücher und Hörspiele hat er schon verfasst. Seit über zwanzig Jahren ist er nicht nur im Literaturbetrieb, sondern auch in meinem Bewusstsein immer mehr oder weniger präsent. Ich hab sie gefressen, als Kind, die Tom Turbo-Bücher. Hab mich stundenlang für Autogramme angestellt, mein Vater hat mir mein Kinderfahrrad damals sogar umgebaut, so dass es ähnlich wie Tom aussieht. Mit der Knickerbockerbande war es ähnlich; in zahlreichen Banden bin ich mit meinen Freundinnen gewesen. Aus Mangel an Burschen in unsere Runde hab ich auch immer freiwillig Axel gespielt. War mir egal, Axel war cool.

„Was ist eigentlich geworden aus ihnen, meinen Helden von damals?“

Irgendwann mit der Pubertät hat dann aber auch bei mir das Umdenken begonnen: Wie komisch ist eigentlich die Knickerbockerbande? Wie unrealistisch ist das, dass zwei 13-jährige mit einer 9-jährigen befreundet sind? Dass sie permanent um die Welt reisen und Abenteuer erleben? Dabei oft fast sterben, entführt, manchmal sogar auch richtig arg gefoltert werden? Welcher Erwachsene kann das mit einem guten Gewissen schreiben, bzw. seinen eigenen Kindern schön verpackt unter den Christbaum legen? In „Der tätowierte Elefant“ werden Axel und Lilo kopfüber über ein Becken mit glühenden Kohlen gehängt – das war dann mein letztes Knickerbockerbandenbuch, das ich gelesen habe, weil mich das so verstört hat.

Thomas Brezina hat natürlich nicht aufgehört, sie zu schreiben. Über 70 Bände gibt es mittlerweile, jüngst erschienen: „Alte Geister Ruhen unsanft“, ein Buch, das nicht nur mit einem unnötig sperrigen Titel auf sich aufmerksam macht, sondern generell ganz aus dem klassischen Schema fällt, schließlich sind die Knickerbocker hier alle Mitte bzw. Anfang Dreißig. Brezina bedient sich hier demselben Marketingmechanismus wie J. K. Rowling in der Harry Potter-Reihe, nämlich das Zielpublikum mit den Protagonisten mitwachsen zu lassen um immer maximales Indentifikationspotential zu bieten.

„Gott sei Dank schaltet sich kurz vor dem Ende eine neue Person ein und erspart den Knickerbockern durch seine Offenbarung wahrscheinlich jahrelange Therapie.“

„Alte Geister ruhen unsanft“ ist genau für Leute wie mich gemacht: Erwachsene, die zwecks des Nostalgieeffekts ohne zu zögern 18 € über den Tresen wandern lassen, wieder zu den Büchern mit dem altbekannten roten Logo greifen, zu Hunderten Thalia-Filialen in ganz Österreich stürmen, wenn er dort Lesungen hält, weil man ja trotzdem irgendwie wissen will: Was ist eigentlich geworden aus ihnen, meinen Helden von damals?

Und das ist schnell erzählt: Dominik ist berühmter Schauspieler in Amerika, hat nicht nur die Hauptrolle in einer Netflixserie, sondern auch ein ordentliches Alkohol- und Drogenproblem. Minizoobesitzerin Poppi lebt ein idyllisches Tierarztleben mit ihrem Ehemann in Graz, hat allerdings Angst, dass sie unfruchtbar ist. Axel ist natürlich Sportlehrer geworden, in Linz picken geblieben und lebt dort mit einer Frau, von der er das ganze Buch über sehr schwärmt und die sich erst kurz vorm Ende als seine Tochter, die er alleine großzieht, entpuppt. Superhirn Lilo ist noch immer bergfixiert, hat zwei Masterstudien absolviert und arbeitet in Innsbruck auf der Uni. Hat allerdings Schlafstörungen und Depressionen. Es sind also durchaus realistische Personenentwicklungen, die Brezina da schildert. Nichts ist übertrieben, niemand hat das perfekte Leben, alles glaubwürdig, passend zu dem, wie er sie als Kinder kreiert hat.

„Nein, das war kein Zufall, das war alles von Anfang an Teil eines viel größeren Plans.“

Nach zwanzig Jahren ohne Kontakt zueinander, treffen sich die vier erstmals auf einer Insel vor der südenglischen Küste wieder. Wer sie dorthin eingeladen hat, bleibt lange unklar. Dort finden sie nicht nur wieder zueinander, beseitigen umständlich alte Konflikte, knüpfen neue amouröse Bänder (immerhin ist es ja ein Buch für Erwachsene), klären nebenbei einen Jahrzehnte alten Mordfall (immerhin sind es die Knickerbocker), haben horrorfilmmäßige Halluzinationen, die so plastisch und ekelhaft sind, dass sie auch gut Stephen King schreiben hätte können, und finden gegen Ende des knapp 400 Seiten starken Schmökers auch tatsächlich heraus, warum sie als Kinder bzw. Jugendliche in so viele haarsträubende Abenteuer verwickelt waren. Denn nein, das war kein Zufall, das war alles von Anfang an Teil eines viel größeren Plans.

Damals, in Kitzbühel, als die Knickerbocker ihren ersten Fall „Rätsel um das Schneemonster“ gelöst haben, ist der Produzent einer Substanz, die Menschen dazu bringen soll, in Stresssituationen optimal zu reagieren und den Intelligenzquotienten erhöhen soll, auf sie aufmerksam geworden und hat beschlossen, sie jahrelang ohne ihr Wissen als Probanden zu missbrauchen. Anhand dieser Studien wollte er das Mittel perfektionieren, um es später gewinnbringend an Heere, Warlords oder Geheimdienste verkaufen zu können. Den Knickerbockern wurde nicht nur über den gesamten Verlauf ihrer Juniordetektivkarriere dieses Mittel über Speisen und Getränke verabreicht, sie wurden auch immer über Tonaufnahmen überwacht, ihre Entscheidungen und Ermittlungen minutiös protokolliert, nein – durch getürkte Preisausschreiben und ähnliche Täuschungen, wurden sie von besagtem Waffenproduzenten auch bewusst in Abenteuer verstrickt.

„Meint ihr, es war Zufall, was ihr alles erlebt habt? (…) Meine Mitarbeiter haben ununterbrochen nach mysteriösen, ungelösten Kriminalfällen gesucht und ich habe euch auf sie angesetzt. Für spezielle Tests haben wir sogar Fälle erfunden und für euch inszeniert, aber das kam nur sehr selten vor.“ (S. 369).

 

Als sich die Knickerbocker damals als Teenager trennten (primär deswegen, weil Axel von der Substanz schlimme Halluzinationen hatte, die dazuführten, dass Lilos Vater in eine Lawine geriet, die ihn fast getötet hätte und weil sie sowieso alle mehr Lust hatten, hormonell gesteuerte Jugendliche zu sein, als Detektive), war der böse Strippenzieher natürlich unglaublich frustriert. Deswegen hat er nun, nach zwanzig Jahren, beschlossen, dieses Treffen zu inszenieren, um die Bande erneut der Substanz auszusetzen und zu sehen, wie sie auf Erwachsene wirkt.

„Was bleibt, ist die Unsicherheit, der Schock über die plötzliche Erkenntnis: Wir waren gar nicht so klug und so super, wie wir unsere ganze Kindheit über gedacht haben.“

In einer persönlichen Konfrontation im letzten Buchdrittel gibt er sich zu erkennen, klärt alles auf und fordert einen finalen Test, verspricht, sie dann für immer in Ruhe zu lassen: Sie sollen beschließen, wer das schwächste Mitglied im Team ist und diese Person dann gemeinsam von einer Klippe stoßen. Aber die Knickerbocker sind keine Kinder mehr, sie haben jetzt einen Kumpel, und der hat ein Gewehr, der Bösewicht wird also problemlos überwältigt und verhaftet.

Was bleibt, ist die Unsicherheit, der Schock über die plötzliche Erkenntnis: Wir waren gar nicht so klug und so super, wie wir unsere ganze Kindheit über gedacht haben. Wir sind einer Droge ausgesetzt worden, ohne die wir wahrscheinlich kompletter Durchschnitt gewesen wären. Die vier Protagonisten sind am Boden zerstört.

Gott sei Dank schaltet sich kurz vor dem Ende eine neue Person ein und erspart den Knickerbockern durch seine Offenbarung wahrscheinlich jahrelange Therapie. Ihnen wird nämlich ein Brief von einem gewissen Mister Watanabe zugespielt, der sich als der tatsächliche chemische Entwickler der Substanz zu erkennen gibt (der vorher war nur der Geldgeber) und der ihnen versichert, dass diese aufgrund eines Fehlers der Rezeptur nicht nur immer komplett wirkungslos gewesen ist, sondern dass sie auch keine Angst vor etwaigen Folgeschäden haben müssen. Die Knickerbocker, frisch von der Gesundenuntersuchung, können also erleichtert aufatmen, sie waren also doch Genies als Kind. Warum Watanabe zwanzig Jahre gewartet hat, um ihnen das mitzuteilen, beziehungsweise warum er als seriöser Wissenschaftler sich überhaupt an Experimenten an Kindern beteiligt hat, wird auch erklärt. Er hat eine kranke Tochter, deren medizinische Versorgung nur durch sein Stillschweigen gewährleistet werden konnte. Mhm.

"Jeder kehrt nach diesem abenteuerlichen Wochenende wieder zurück in seinen Alltag, man trifft sich ja bald wieder auf Skype."

Und dann ist alles gut, die Freundschaft ist stärker den je, Axel und Lilo gestehen sich nach zwanzig Jahren ihre Liebe, man verspricht, den Kontakt ja nicht wieder abreißen zu lassen und jeder kehrt nach diesem abenteuerlichen Wochenende wieder zurück in seinen Alltag, man trifft sich ja bald wieder auf Skype.

„Aber wie hoch sind unsere Chancen?“, fragte Lilo nervös. Axel nahm sie an den Schultern, blickte ihr fest in die Augen und sagte schelmisch: „Wir werden das nicht errechnen, Frau Superhirn, das können wir nur durch Versuche herausfinden.“ Vor dem Pub stehend, beobachteten Dominik und Poppi die beiden und grinsten. „Na endlich“, stellte Poppi fest. „Gut Ding braucht Weile.“, steuerte Dominik eine kleine Weisheit bei. (S.390/91)

Was bleibt, ist die Verwunderung beim Leser: Lieber Thomas Brezina, hat das wirklich sein müssen? Nicht das Buch an sich, das hat schon seine skurrile Daseinsberechtigung, seinen Unterhaltungswert, seinen Schmäh in den Dialogen, seinen eindeutig für erwachsene Leser gedachten und trotzdem angenehm flüssigen Stil. Die Rahmenhandlung mit dem uralten Mordfall ist ein netter Krimi. Es hat mir einen sehr schönen, nostalgischen Nachmittag beschert. Aber diese Erklärung mit der Substanz, die man erst an Kindern testen muss, um sie dann später an Soldaten verkaufen zu können?! Es wirkt fast, als hätte Brezina jetzt auf einmal ein schlechtes Gewissen, weil er fiktive Kinder jahrzehntelang einfach nur zu Unterhaltungszwecken in lebensbedrohliche Situationen gebracht hat und jetzt im Nachhinein versuchen muss, das irgendwie zu legitimieren. Ob es jetzt moralisch vertretbarer ist, wenn Kinder von bolivianischen Drogenhändlern gekidnappt werden, wenn es darüber noch eine Instanz gibt die „eh aufpasst“, weil das „eh nur ein Experiment“ ist, ist meiner Ansicht nach nicht nur sehr, sehr fraglich sondern zerstört retrospektiv immens viel der Magie, die die Abenteuer der Knickerbocker auf meinen kindlichen Geist damals ausgeübt hat.

Lisa-Viktoria Niederberger

Veranstaltungen Frühjahr 2017

Herrschaften und Damschaften: Es wird Frühling! Aufbruch in ein spannendes Literaturjahr.

Offene Lesebühne für versteckte Talente, unabhängige Lesereihe für junge Autor*innen und Schreibwerkstätten zur Verbesserung der eigenen Texte. Für jeden ist im Frühjahr etwas dabei!

Wer sich einfach mal einen Überblick über das aktuelle Literaturschaffen verschaffen möchte und beste Texte von jungen Autor*innen in gemütlicher Atmosphäre mit Bierflasche statt Wasserglas erleben möchte, ist bei der KulturKeule und beim studentINNENfutter richtig. Das größte Ding aus dieser Kategorie ist wohl der Wisssenspark.

Wen die Salzburger Szene besonders interessiert und den Literaturstar von morgen als erster Live gesehen haben möchte, der begebe sich ins MARK.Freizeit.Kultur. Entweder zur offenen Lesebühne textMARKierung oder zum Lesewettbewerb Wir lesen uns die Münder wund. Die ganz mutigen können hier auch spontan das Mic selber in die Hand nehmen.

Wem das zu viel Öffentlichkeit ist, wer aber auch einmal in aller Ruhe über die eigenen Texte (oder die von anderen) sprechen möchte, der möge sich ganz unkompliziert jeden letzten Montag im Monat in die ARGEkultur zu den textgesprächen begeben.

Was das alles genau sein soll, das könnt ihr hier nachlesen: >> Veranstaltungen <<

 

27. März, 19:00, ARGEkultur

textgespräche


31. März, 19:30, MARK.Freizeit.Kultur

textMARKierung

u.a. mit Heidelbert.

Meld dich an: textmarkierung@mosaikzeitschrift.at


06. April, 20:00, Academy Bar

KulturKeule XXIV

u.a. mit Nora Zapf, Daniel Bayersdorfer, Carlos Reinelt u.v.m.


11. & 12. Mai, 19:30, MARK.Freizeit.Kultur

Wir lesen uns die Münder wund

Der Lesewettbewerb des Mark geht in die neunte Runde. Wir sind mit dabei. Und du?

>> mehr Infos


16. Mai, 19:30, Literaturhaus Salzburg

studentINNENfutter 4

u.a. mit .neutro, Veronika Aschenbrenner, Claudia Kohlus, ORAVIN. Special Guest: JENNY.

20161210_Lyrikfueralle_(c) Nana Fiedler (78)


20. Mai, 11-17, ARGEkultur

textGespräche Spezial mit Marlen Schachinger


Mi, 24. Mai, 20:00, Academy Bar

KulturKeule XXV

klein&laut – Literaturzeitschriften-Spezial


Fr, 26. Mai, 18:00, ehemalige Rauchmühle

Wissenspark

18:00 Idealismus und Kulturprekariat: Diskussion mit Vertreter*innen der jungen Literaturszene
19:30 Volker Weiß, Die autoritäre Revolte – Buchpräsentation
21:00 Nazis und Goldmund: Lecture Performance
22:30 NAMES: Live-Konzert mit elektroakustischen Stücken junger Komponist*innen

In Kooperation mit der Wissenstadt Salzburg, dem Literaturhaus Salzburg, dem Interlab Festival und der Universität Mozarteum.


29. Mai, 19:00, ARGEkultur

textgespräche


26. Juni, 19:00, ARGEkultur

textgespräche


 

Alle Infos hier:
>> Veranstaltungen <<

 


Von Idealismus, Vielfalt, Diskussionen und Vernetzung - die mosaik-Lesereise 2017

Nach der famosen Reise durch Bayern 2015 und der ausgedehnten Tour durch Deutschland 2016 begaben wir uns erneut auf Roadtrip und packen Autorinnen und Autoren ein, um mit Ihnen den Westen, Osten und das Zentrum Deutschlands zu erobern: vom Literatur-Wohnzimmer zur Lesereihe, vom Kulturcafé zum Vernetzungstreffen - wir berichten.

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Vom Idealismus (Berlin)

"Ich habe das Gefühl, dass viele Leute der Aufwand, der dahintersteht, nicht bewusst ist." Anneke Lubkowitz (Sachen mit Woertern)

Wir begannen gleich mit einem Paukenschlag: gemeinsam mit Vertretern junger Berliner Literaturinititativen diskutierten wir über die Gegenwart und Zukunft eben dieser jungen Szene. Wie sieht die junge, zeitgenössische Literaturpräsentation aus? Welche Personen stehen dahinter? Welche Rolle spielt Idealismus. Und: Darf man erwarten, mit der Arbeit im Literaturbetrieb Geld verdienen zu können - oder soll man aufhören zu klagen?

WhatsApp Image 2016-10-25 at 10.08.19"Idealismus ist etwas, das den freien Literatursektor durchdringt. Das wirft die Frage auf, inwiefern man mit der eigenen Arbeit dieses Prekariat reproduziert." - Saskia Trebing (54stories)

"Die Frage ist nicht: Idealismus, ja oder nein? - sondern: Aus Idealismus folgt was?" - Malte Abraham (Kabeljau und Dorsch)

"Warum dieses Rumgejammere, dass der Literaturbetrieb nicht ordentlich bezahlt ist. Dann hört doch einfach auf!" - Jo Frank (Verlagshaus Berlin)

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Das sind Fragen, die auch in "Idealismus und Kulturpräkariat" angesprochen und thematisiert werden. Ähnlich wie im Buch wurde den Eindrücken der Initiativen ein Essay vorangestellt - Max Czollek führt kurz ein in die zeitgenössische deutschsprachige Lyrikszene.

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Den zerstreuenden Teil des Abends bildeten Lesungen von Tobias Roth aus Baiae und Rudi Nuss sowie eine szenische Lesung eines Textes von Lars Werner.

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Von der Vielfalt (Köln)

Am Donnerstag waren wir zu Gast bei der legendären Kölner Lesereihe Land in Sicht im Café Fleur. Helene Bukowski und Margarita Iov stellten sich mit ihren Texten dem Publikum vor, Alke Stachler präsentierte die brandneue dritte Auflage ihres Erstlings dünner ort, Sven Heuchert las aus Zweifel zwischen Zwieback. All das in der wahrscheinlich gemütlichsten Jugendstil-Kaffeehaus-Athmosphäre westlich von Wien.

 

 

 

Von Diskussionen (Frankfurt)

Frankfurt war ein Blindflug. So ganz genau wussten wir nicht, worauf wir uns bei "Undercover" einließen. Sollten wir auch nicht. Aber Martin, Robert, Yannis und das ganze Team des Salon Fluchtentier wusste, was sie taten. 4 Autor*innen wurden zum Battle geladen. Alke Stachler und Safak Saricicek gingen für das mosaik ins Rennen, Julia Mantel und Grit Krüger waren ihre Kontrahentinnen.

Nachdem sich jede*r mit eigenen Texten vorgestellt hatte, galt es einen favorisierten Text aus dem freiVERS vorzulesen. Dieser wurde dann vom Publikum live in seine Einzelteile zerlegt, analysiert, kritisiert und gelobt - wobei es durchaus hitzig werden konnte, Interpretationen aufeinanderprallten. Schließlich lieferten sich die Texte von Simone Scharbert, Moritz Gause und Jan Skudlarek ein Kopf-an-Kopf-Rennen...

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Von Vernetzung (Erfurt)

Am Anfang stand die Frage, ob wir auf unserer Lesereise wieder in Erfurt vorbeikommen dürften, nachdem es das letzte Mal so schön war. Dass wir damit eine einmalige Vernetzung der Literaturszene einer ganzen Region anstoßen, war uns nicht bewusst. Die vier jungen und aufstrebenden Initiativen Literaturfestival Erfurt, In guter Nachbarschaft, HANT - Magazin für Fotografie und hEFt - Magazin für Literatur, Stadt und Alltag nahmen sich unseren Besuch zum Anlass, sich auch intern stärker zu vernetzen und gestalteten den Abend in der Frau Korte gemeinsam. Mit dabei waren: Kinga Toth, Franziska Wilhelm, Franziska Ostermann und Alke Stachler. Michael Donth las und sang zum Abschluss Texte von Arno Schmidt.

Den ausführlichen Nachbericht aus Erfurt gibt es hier.

Alle Fotos der Lesereise findest du hier


 

Dem aufmerksamen Leser mag aufgefallen sein: Auf dem Tourplakat finden sich keine Logos von Fördergebern. Diese Reise findet außerhalb der Jahresförderung des mosaik statt und wird teilweise von den Gastgebern (Köln), teilweise privat (Berlin, Frankfurt, Erfurt) finanziert. Vielen Dank an Alke Stachler, alle Autor*innen und an alle unsere Freunde und Partnerinnen überall, die uns bei der Organisation und Umsetzung unterstützt haben. Ohne euch gäbe es keine mosaik-Lesereise.

Du willst das mosaik auch in deiner Stadt? schreib@mosaikzeitschrift.at

 


In Cowboystiefeln auf Bob Dylans Couchtisch springen - zum 20 Todestag von Townes Van Zandt

Am 1. Jänner 2017 jährte sich der Todestag von Townes Van Zandt zum 20. Mal. Grund für Andreas Haider, einem seiner musikalischen Vorbilder einen Artikel zu widmen.

„Ich denke nicht, dass alle meine Lieder so traurig sind. Ich habe ein paar, die sind nicht traurig – die sind nur hoffnungslos.“ – Townes Van Zandt

Am 1. Jänner feiern gleich zwei ganz große der Country Music ihren Todestag. „Feiern“ ist ja, wenn es ums Sterben geht, nicht gerade der gelungenste Ausdruck, aber für diese beiden Musiker passt er. Denn sowohl Hank Williams (17.09.1923 - 1.1.1953), viel mehr aber noch  Townes Van Zandt (7.3.1944 - 1.1.1997), besangen in ihren Songs die Bitterkeit des Lebens, aus der wohl nur der Tod die ersehnte Erlösung bringen kann. Und natürlich diverse Suchtmittelchen. So starb Hank Williams auf dem Weg zu einem Konzert auf dem Rücksitz seines Cadillacs an einer Mischung aus Alkohol, Schmerzmitteln und anderen Medikamenten. Und auch Van Zandt war Zeitlebens dem Suff und anderen Substanzen nicht abgeneigt.

 

Townes Van Zandt wurde am 7. März 1944 geboren, hinein in eine der „First Families“ von Texas.  Das gilt sowohl historisch, als auch gesellschaftlich. Seine Vorfahren siedelten sich irgendwann im 18. Jahrhundert in Texas an, zu einer Zeit, als das Gebiet noch Teil des spanischen Kolonialreich war. Eines der texanischen Countys (vergleichbar mit einem Landkreis in Bayern oder einem Gau in Salzburg) wurde nach der Familie Van Zandt benannt. Und seine Vorfahren machten richtig Geld, mit allem, womit man in Texas reich werden konnte: Land, Rindern und Erdöl; waren Politiker, Offiziere, Philanthropen. Beste Voraussetzungen für Townes, in eine große Zukunft zu starten.

 

Als Kind kam er auf ein Elitemilitärinternat, mit dem Ziel, Berufsoffizier zu werden. Und seine Schulzeit stellte die Weichen für sein zukünftiges Leben, doch in eine ganz andere Richtung, als erhofft. Im Internat machte er nämlich, mit Klebstoffschnüffeln, erste Suchterfahrungen. Einmal sprang er während einer Party von einem Balkon im vierten Stock eines Hochhauses, angeblich nur, um zu spüren, wie es sich anfühlt, zu fallen. Die besorgten Eltern brachten ihn in die Psychiatrie. Dort wurden eine bipolare Persönlichkeitsstörung und Suizidgefahr diagnostiziert. Behandelt wurde Townes mit der damals gängigen äußerst brutalen Insulinschocktherapie. Sie hatte zum Ergebnis, dass Townes seine Kindheitserinnerungen verlor, am Ende der „Therapie“ erkannte er nicht einmal mehr seine eigenen Eltern. An eine Offizierskarriere war nicht mehr zu denken.

 

Als Kind bekam Townes von seinem Vater eine Gitarre geschenkt, unter der Bedingung, dass er dessen Lieblingslied, Bobby Helms‘ „Fraulein“, lernen müsste. Townes hielt sein Versprechen. Sein erster öffentlicher Auftritt war noch als Schüler, während eines Schulballs. Er brachte sich das Instrument selber bei, orientierte sich dabei hauptsächlich am Stil des Bluesmusikers Lightnin‘ Hopkins. Was die Lyrics betrifft waren Hank Willams und Bob Dylan Van Zandts Vorbilder. Was sich in seinen poetischen Balladen mit ausdrucksstarken Metaphern niederschlug, begleitet mit dem ihm eigenen Flatpicking. Um 1965, Townes Van Zandt hatte geheiratet und war mit seiner ersten Frau nach Houston gezogen, begann er dort in Clubs aufzutreten und seine eigenen Lieder zu schreiben. Wenig später nehm er auch die ersten Schallplatten auf. Die Studioalben gingen in ihren Arrangements, das seine düsteren Texte mal mit dissonanten Streichern, mal mit Hornpassagen oder einsam im Wind verhallenden Mundharmonikaklängen unterlegte, weit über typische Country-Music hinaus.  Es sind jedoch seine Live-Alben, die den authentischen Townes Van Zandt zeigen, der zwischen seinen Songs Anekdoten und Witze bringt und seine Songs ganz alleine, nur mit der gezupften Gitarre, vorträgt. Als sein wichtigstes Album zählt bei Fans und Kritikern „Live at the Old Quarter“

 

Erfolg, darin sind sich alle, die Townes persönlich kannten einig, bedeutete ihm nicht viel. Der Schlagzeuger Leland Waddel, der Van Zandt in den Siebzigern besuchte, erinnert sich: „Townes war erfolgreich, hatte ein paar gute Alben rausgebracht. Ich dachte, er hätte ein tolles Haus, mit ein paar schicken Autos vor der Tür. Als wir dort ankommen, sehen wir einen ollen Wohnwagen ohne Fenster, keine Möbel, eine Matratze im Schlafzimmer, eine Couch und ein paar Hühner, die herumlaufen. Da wusste ich, dem geht’s um die Musik.“ Steve Earle, für den Townes Van Zandt väterlicher Freund und Mentor war, meinte in einem Interview, dass das auch der Hauptgrund wäre, warum er, trotz seines musikalischen Genies, nie ein Megastar wie Johnny Cash, Bob Dylan oder Willie Nelson wurde. Ihm fehlte es einfach an Ehrgeiz. Steve Earle kann ich in Zusammenhang mit Townes Van Zandt natürlich unmöglich erwähnen, ohne sein berühmt gewordenes Zitat zu bringen: „Townes Van Zandt ist der beste Songwriter in der ganzen Welt, und ich würde in meinen Cowboystiefeln auf Bob Dylans Couchtisch springen, und das wiederholen!“  - Van Zandt entgegnete übrigens lakonisch: „Ich kenne Bob Dylan. Und ich kenne seine Bodyguards. Ich glaube nicht, dass Steve auch nur in die Nähe von Dylans Couchtisch kommt.“

 

Den Erfolg hatten andere, mit Coverversionen. Willie Nelson und Merle Haggard etwa mit „Pancho And Lefty“ (wohl Van Zandts größter Hit). Im offiziellen Musikvideo dazu hat Townes Van Zandt sogar zwei Cameo-Auftritte (einmal als mexikanischer Offizier und in der Schlussszene als er selbst). Emmylou Harris coverte „If I Needed You“, die Cowboy Junkies „To Live Is To Fly“, Bobby Bare „White Freight Liner Blues“, Norah Jones „Be Here To Love Me”; Steve Earle verlässt die Bühne nie, ohne mindestens einen Song seines langjährigen Freundes gesungen zu haben. Sogar Nobelpreisträger Bob Dylan coverte „Pancho And Lefty“.

 

Die Liste der Musiker, Musikerinnen und Bands, die Townes Van Zandt als Vorbild, Einfluss oder Inspirationsquelle nennen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Im Laufe der Jahre beriefen sich eine Menge Künstler und Künstlerinnen aus Country, Folk, Blues, Singer/Songwriter, Grunge, Metal, Rock, Pop, Jazz usw. auf Van Zandt. Als sich in den 1980er Jahren die Americana- und Alternative-Country-Szene bildete, wurde er rasch als Vordenker und Idol dieses Stils erkannt.

 

Kurz vor seinem Tod hatte sich Van Zandt die Hüfte gebrochen. Statt den Bruch aber behandeln zu lassen, ließ er sich im Rollstuhl ins Tonstudio fahren, um ein Album aufzunehmen. Um trotz der massiven Schmerzen singen und Gitarre spielen zu können, füllte er sich mit Unmengen an Alkohol und Schmerzmittel ab - eine schaurige Parallele zum eingangs erwähnten Hank Williams. Die Aufnahmen dieser Session - sie sind teilweise im Dokumentarfilm „Be here to love me“ zu hören - zeigen einen Townes Van Zandt, der immer mehr die Kontrolle über sich selbst verliert, lallt, ausfällig wird. Irgendwann reichte es dem Produzenten und er ließ die Session abbrechen. Erst danach wurde Van Zandt ins Krankenhaus eingeliefert, wo seine Hüfte endlich operiert wurde. Nach dem Eingriff fiel er zeitweise ins Delirium, als er sich aber wieder einigermaßen stabilisiert hatte, wurde er auf eigenen Wunsch entlassen. Seine dritte Ex-Frau, zu der er nach wie vor ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, kümmere sich um ihn. Am Morgen des 1. Jänner 1997 fand ihn sein Sohn Will leblos auf dem Sofa liegend. Auf den Tag genau 44 Jahre nach seinem Vorbild Hank Williams starb Townes Van Zandt an Herzversagen.

Die Schlusspointe gebührt Van Zandts langjährigem Freund Guy Clark (der selbst erst letzen Mai verstorben ist). Der nie um einen Scherz verlegene Clark sang bei der Beerdigung und bemerkte, als er sich die Gitarre umschnallte: „Für diesen Gig wurde ich schon vor dreißig Jahren gebucht.“

Andreas Haider


Kritische Literaturtage 2016 - Zeitschriftenstand

Zum zweiten Mal findet in Salzburg eine Veranstaltung statt, die kleineren Verlagen die Möglichkeit gibt, ihr Verlagsprogramm einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen – die Kritischen Literaturtage. Besucher*innen bekommen hier die Möglichkeit, sich mit neuer, kritischer und politischer Literatur auseinanderzusetzen.

2. bis 4. Dezember 2016, ARGEkultur Salzburg // >> sei dabei! <<

Im großen Saal und im Foyer finden 35 Aussteller*innen mit ihrem Sortiment Platz – ein spezieller Tisch wird den Literaturzeitschriften gewidmet werden. Unter der Koordination von mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur werden ausgewählte Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert. Dieser Kombi-Stand bietet perfekte Möglichkeiten in aktuellen und vergangenen Ausgaben zu schmökern.


 

Wir haben für euch u.a. diese fantastischen Zeitschriften ausgewählt:

 

SMW7Cover_SmW#7Sachen mit Woertern

Sachen mit Wœrtern ist ein Literaturmagazin aus Berlin, das junge Lyrik und Prosa in Dialog bringt mit Grafik und Illustration. Die Stimmenvielfalt der jungen Literaturszene findet hier unter einem Titelwort aus der Alltagssprache zusammen, das in sein Bedeutungsspektrum aufgefächert wird. Bei den Kritischen Literaturtagen können auch die Illustrationen von Petrus Akkordeon von Ausgabe zu Ausgabe inspiziert werden.

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CwFcaVgWgAAvIovmetamorphosen

»Die Zeitschrift schaut auf literarische Randbereiche und ist Seismograph für das, was junge Schriftsteller beschäftigt.« (F.A.Z.)

Seit April 2013 erscheinen die metamorphosen vierteljährlich in einer neuen Folge. Neben ausführlicher Kulturberichterstattung findet sich im Magazin regelmäßig neue Lyrik und Prosa. Die aktuelle Ausgabe und Beispiele vergangener Ausgaben sind zu entdecken.

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narrInnendas Narr

Narr – das narrativistische Literaturmagazin steht für neue, frische, deutschsprachige Literatur, angereichert mit Illustrationen von jungen KünstlerInnen und verpackt in innovative Grafik.

Narr ist junges Kulturschaffen in Buchform. In Salzburg kann die wunderschöne aktuelle Ausgabe der Schweizer Zeitschrift bestaunt werden.

 

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Konzepte_Cover 16_Treppe_4konzepte

Die Konzepte erscheinen einmal jährlich und versammeln auf bis zu 180 Seiten Texte arrivierter sowie erstklassiger junger Autorinnen und Autoren. Bislang unveröffentlichte Beiträge in Lyrik und Prosa kristallisieren sich rund um ein Lyrisches Motiv; auch Übersetzungen (u.a. Michael Hamburger, Pippa Goldschmidt) werden hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Daneben gibt es Platz für Essays, Hörspiele und Rezensionen. In jeder Ausgabe werden Arbeiten von bildenden Künstlern oder Fotografen (u.a. Andreas Weidner, Reinhart Mlineritsch) präsentiert.

Werke von bereits etablierten Autorinnen und Autoren stehen neben bislang unbekannten Stimmen. Damit ermöglichen die Konzepte den Zugang zu unterschiedlichen sprachlichen Ebenen und weisen den Weg für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller. „Jung“ bezieht sich hier weniger auf das Alter, sondern vielmehr auf das „zu festigende Standbein“ neuer Autorinnen und Autoren.

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&radieschen

Die Wiener Literaturzeitschrift des ALSO (Anno Literatur Sonntag) „&Radieschen“ gibt es seit 2005 und soll vor allem junge, noch unbekannte Talente fördern (wobei die ehemals jungen, unbekannten Talente heute durchaus einen Namen haben und noch öfters Texte einschicken).

& Radieschen erscheint 4x im Jahr – es gibt immer 3 offene Nummern zu einem Thema und eine Poetry-Slam-Sondernummer im Juni.

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Salzburg-Spezial

 

erostepost_53erostepost

erostepost: der/die/das; Literaturgruppe, Mitbegründerin des Literaturhauses Salzburg; ins Leben gerufen 1987 von Dirk Ofner und Kurt Wölflingseder, ab 2009 geführt von Kurt Wölflingseder und Peter Baier-Kreiner, seit 2015 unter Mitarbeit von Lisa-Viktoria Niederberger; Veranstalter von Lesungen, Performances, Lesewettbewerben; gleichnamige Zeitschrift, zweimal jährlich, jeweils mit einem gattungs- und themenfreien Heft und einer Ausgabe zum Literaturpreis.

Die neue Ausgabe Nr. 53 kommt druckfrisch zum Zeitschriftenstand der Kritischen Literaturtage.

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Cover November 2016Literatur und Kritik

Literatur und Kritik (erscheint im Otto Müller Verlag) ist heuer fünfzig geworden. Die Zeitschrift wurde 1966 von Gerhard Fritsch gegründet und wird seit 25 Jahren von Karl-Markus Gauß und Arno Kleibel in Salzburg herausgegeben. "Literatur und Kritik" erscheint in Salzburg, aber richtet ihr Augenmerk außer auf die österreichische Autorinnen und Autoren auch auf die unbekannten Literaturlandschaften in Ost- und Südosteuropa. Wendelin Schmidt-Dengler würdigte "Literatur und Kritik" mit den Worten: "Literatur und Kritik, der Karl-Markus Gauß zu neuem Renomee verholfen hat, ist ein Beweis dafür, dass es in Österreich möglich ist, eine Zeitschrift europäischen Zuschnitts zu präsentieren."

Die Zeitschrift "Literatur und Kritik" erscheint fünf Mal im Jahr in einem Umfang von je 112 Seiten. In der November-Ausgabe und den weiteren Heften des Jahres 2016 kann man an unserem Tisch stöbern.

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SALZ

Seit 1975 zählt die Herausgabe der Zeitschrift SALZ zu den Aufgaben der Leselampe. Die Literaturzeitschrift erscheint 4x im Jahr mit Literatur von international renommierten AutorInnen und jungen Talenten in Erstveröffentlichungen. Die Ausgabe mit dem Titel „Nahaufnahmen“ präsentiert jährlich die neueste Literatur von Salzburger AutorInnen und dokumentiert das literarische Leben von Stadt und Land Salzburg mit Beiträgen verschiedener LiteraturpreisträgerInnen und StipendiatInnen. Seit langem besteht die Zusammenarbeit mit den Rauriser Literaturtagen, ein SALZ erscheint mit Texten aller nach Rauris eingeladenen AutorInnen. Weitere Ausgaben sind verschiedenen literarischen Feldern gewidmet: Literaturlandschaften, Salzburger AutorInnen im Porträt und Themen, Fragestellungen, Motiven . Ein Salzburger Künstler, eine Künstlerin gestaltet das Cover und vier Seiten des Innenteils.

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Könnte man kennen. Ja, wir erlauben uns, auch das mosaik einzuschmuggeln. Alle Infos zu uns gibt es hier. Wir präsentieren:

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Nacht der Salzburger Verlage

mosaik20 aka Zweifel zwischen Zwieback präsentieren wir im Rahmen der Nacht der Salzburger Verlage am 2.12. um 19:00 in der ARGEkultur.

Es lesen Veronika Aschenbrenner, Lisa Viktoria Niederberger und Andreas Reichelsdorfer.

 


Idealismus und Kulturpräkariat

Studie unabhängiger zeitgenössischer Literaturprojekte

 

Wie sieht die aktuelle, zeitgenössische Literaturpräsentation aus? Welche Personen stehen dahinter? Und wird das eine zeitlich begrenzte Randerscheinung, eine Subkultur, bleiben – oder bildet sich hier bereits die Literaturszene der Zukunft?

In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche unabhängige Literaturprojekte im gesamten deutschsprachigen Raum entwickelt. Sieben repräsentative Vertreter dieser neuen, breiten Bewegung werden in Fallstudien vorgestellt, ihre individuellen Ansätze und gemeinsamen Probleme offen gelegt. In drei Essays beleuchten Max Czollek, Marko Dinic und Josef Kirchner verschiedene regionale und interdisziplinäre Ausprägungen, stoßen auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Probleme und Lösungsansätze.

 

„Wir haben alle einen Brotjob und leben schon in einer gewissen prekären Situation. Aber wenn ich ein Einkommen lukrieren möchte, dann gehe ich nicht in den Kulturbereich. Klar hat jeder, der professionell im Kulturbereich arbeitet, Fair Pay verdient – aber es wäre naiv zu glauben, aus einem DIY-Projekt, in dem es um Literaturavantgarde geht, ein solides Einkommen erwirtschaften zu können. Da muss man etwas anderes machen, Schlagerfeste oder Techno-Partys, aber um Gottes Willen keine neuen Literaturveranstaltungen.“

Christian Winkler, hoergeREDE

 

„Ein Problem einer deutschsprachigen Gegenwartslyrik liegt heute vor allem in der Struktur ihrer Aufmerksamkeitsökonomie: der Betrieb hat Türsteher*innen. Von diesen hängt die finanzielle (und partiell auch soziale) Anerkennung als Lyriker*in ab, wie sie sich z.B. in Einladungen zu Festivals und Lesungen, der Bewilligung von Stipendien und Fördermitteln oder dem Interesse von Verlagen niederschlägt. Es steht zu vermuten, dass dieser Prozess nicht ohne Rückkopplung auf das Schreiben derjenigen bleibt, die den „Betrieb“ oder die „Szene“ um Eintritt ersuchen.“

Max Czollek

 

„Es ist natürlich komisch, weil man sich den Mechanismen des Marktes unterwirft. Das sehen wir auch ziemlich kritisch, weil wir naturgemäß davon überzeugt sind, dass das marktwirtschaftliche System nicht gerade ideal ist. Es ist komisch, eine Struktur aufzubauen, die grundsätzlich von diesem System entworfen wurde und man mit dem Aufbau dieses System auch wieder bedient. Das ist ein schwieriger Trade-off zwischen Haltung und den Wünschen für den Verlag und die Autorinnen und Autoren. Die Frage ist: Ist uns diese Systemkritik so wichtig, dass wir ein alternatives System aufbauen wollen?“

Jo Frank, Verlagshaus Berlin

 

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Idealismus und Kulturpräkariat

herausgegeben von Josef Kirchner

96 Seiten, Taschenbuch, 12,-

>> hier bestellen <<

 


 

Inhalt

Essays:
Türsteher und Radical Diversity.

Gedanken zur neusten deutschen Gegenwartslyrik
Max Czollek

Heterogenität und fehlendes Netzwerk
Überblick über zeitgenössische Literaturprojekte Österreichs
Marko Dinic
Idealismus und Kulturpräkariat, Vereinigungen und Ökonomisierung
Gegenwart und Zukunft zeitgenössischer Literaturprojekte
Josef Kirchner
Fallstudien mit:
  • 54stories | Saskia Trebing
  • Sofalesungen| Mariann Bühler
  • Sachen mit Wœrtern | Theresa Lienau, Anneke Lubkowitz
  • Kabeljau und Dorsch | Malte Abraham
  • hoergeREDE | Christian Winkler
  • Verlagshaus Berlin | Jo Frank
  • Bierglaslyrik | Oliver Käsermann

 

>> hier bestellen <<

 


Literatur ist Wissen! - das mosaik bei den Wissenstagen 2016

Wissenstage in der Wissensstadt Salzburg - und das mosaik ist mittendrin! An zwei Tagen präsentieren wir die Vielfalt literarischen Wissens und Kreativität.

Der Ort: AREAlab, Lasserstraße 10, Salzburg

>> zum vollständigen Programm der Wissenstage

 

unser Programm für euch

Fr, 4.11., 9:00: Local Heroes

Lesung und Gespräch mit Lisa Viktoria Niederberger und Marko Dinic

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Lisa Viktoria Niederberger

Die Salzburger Autorin Lisa Viktoria Niederberger vermag es mit ihrer an die Umgangssprache angelehnten Texte nahe an der Realität zu bleiben und die Erzählungen nacherlebbar zu machen.

Marko Dinic

Geboren 1988 in Wien, von da an unstetes Leben pendelnd zwischen Beograd, Stuttgart, München, Salzburg und Berlin, seit 2008 Studium in Salzburg. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, seit 2009 Veranstalter der unabhängigen Lesereihe KulturKeule und aktives Mitglied des Kunstkollektivs Bureau du Grand Mot.

>> Sei dabei!

 


Fr, 4.11., 10:00-18:00 // Sa, 5.11., 10:00-19:00
Leselounge mit allen Ausgaben des mosaik inkl. mosaik21 und roll



Sa, 5.11., 19:00: mosaik setzt über

Lesung und Gespräch mit Tobias Roth und Marko Dinic

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Tobias Roth (Berlin) und Marko Dinic (Salzburg) lesen und diskutieren übersetzte Texte und das Übersetzen aus und in andere Sprachen zum Abschluss des Festivals.

Das mosaik bemüht sich um die Förderung der Übersetzungstätigkeit fremdsprachiger Texte ins Deutsche und vice versa. Die Praxis des Übersetzens sehen wir als Wissenstransfer - geographisch, chronologisch, politisch, soziokulturell, usw. Startschuss dafür war mosaik19 – BABEL: Mehrere längerfristig angelegte Übersetzungstätigkeiten in unterschiedliche Sprachen (Italienisch, Russisch, Bulgarisch, …) nahmen hier ihren Anfang und werden sich über die nächsten Ausgaben bis 2017 zu ersten Buchpublikationen entwickeln.

Marko Dinic

beschäftigt sich in vielen seiner Texte mit dem Transfer von Sprache und Wissen zwischen seinen beiden (sprachlichen) Heimaten, der Deutschen wie der Serbischen. In seinem Romanmanuskript „Als nach Milosevic das Wasser kam“ (Arbeitstitel) setzt er sich intensiv mit der Frage der Schuld und der Aufarbeitung der Jugoslawienkriege auseinander.

Tobias Roth

widmete sich u.a. Giovanni Gioviano Pontano (1429-1503), einem der wichtigsten Autoren der italienischen Renaissance. Die Gedichtsammlung „Baiae“ (Herbst 2016, Verlagshaus Berlin) ist einen Brückenschlag in eine chronotopische Region, mit einem der paradigmatischen europäischen Schübe von Wissensproduktion und Wissensanhäufung - die italienische Renaissance. In der Beschreibung bestimmer Koventionen der therapeutischen Praxis verbindet sich die Ästhetik der Textoberfläche mit dem in die Texte eingespeicherten Wissen.

>> Sei dabei!

50 000 Wörter stressen mich her, oder: WTF ist NaNoWriMo?!

Auf mosaikzeitschrift.at präsentieren wir in den kommenden Wochen einen Live-Versuch von Lisa Viktoria Niederberger den inneren Schweinehund zu überwinden und bei einem der größten Schreibprojekte der Welt teilzunehmen. Es geht um einen Monat. Es geht um das Schreiben.

"Also, wenn ihr im nächsten Monat im Kaffeehaus eine Irre mit Augenringen seht, die drei Stunden lang nur Soda Zitron und Espresso trinkt, währenddessen regelmäßig den Laptop anschreit oder Selbstgespräche führt, nur um ihn dann wahrscheinlich gefrustet zuzuschmeißen und sich Spritzer und Kuchen bestellt  - das bin dann ich."

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Was?

Im Jahr 1999 hat ein gewisser Chris Bathy in Amerika ein sogenanntes „ kreatives Schreibprojekt“ ins Leben gerufen, dessen Ziel es war – und noch immer ist – in einem Monat einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Was damals als Aktion in seinem Freundeskreis gedacht war, nennt sich heute NaNoWriMo – also National Novel Writing Month – und hat von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer. Weltweit dürften es mittlerweile hundertausende Menschen sein, die sich den wahrscheinlich scheußlichen Monat des Jahres aussuchen um ihre gesamte Freizeit der Schriftstellerei zu widmen. Es gibt dazu etliche Facebookgruppen und sonstige Online-Communities, wo man sich mit anderen Autoren vernetzen kann und über Schreibblockaden und ähnliches Austauschen kann. (Und mit seiner und mit seiner unglaublichen Produktivität angeben! Dazu kann man stehen, wie man will.) Außerdem gibt’s dann immer Spendenaktionen mit deren Erlös bisher zum Beispiel Bibliotheken in Laos oder Kambodscha gebaut worden sind.

Mehr über das ganze Konzept kann man hier oder hier nachlesen.

Die Grundidee ist aber seit den Neunzigern dieselbe geblieben: Der NaNoWriMo soll Autoren – egal, ob es sich dabei um professionell publizierte Schriftsteller oder Hausfrauen handelt, die zum puren Vergnügen semi-sadomasochistische Werwolfromane veröffentlichen, handelt – dazu animieren, jegliche Hemmungen zu verlieren und einfach drauf loszuschreiben. Auch vielleicht in dem Bewusstsein, dass es natürlich in so kurzer Zeit bzw. bei dem geplanten Umfang nicht (oder zumindest unglaublich schwer!) möglich ist, qualitativ hochwertige Literatur (was auch immer das heißen mag, überlasse ich den Literaturwissenschaftlern) zu produzieren.

"die wichtigsten Schreibaccessoires: Schokolade, stangenweise Zigaretten und endlich wieder eine Kaffeemaschine."

Die Selbstzweifel über die Qualität der verfassten Texte, die Ängste vor dem leeren Blatt, oder davor, den berühmten Flow zu verlieren, kennt nicht nur jeder Autor, sondern auch jeder, der einmal eine Seminararbeit oder Geburtstagskarte an einen entfernten Verwandten verfassen musste.

Der NaNoWriMo glaubt, die Lösung für dieses Problem gefunden zu haben – und ich stelle mich diesem November dem Selbstversuch.

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Wieso?

Ich gehöre zu diesen unzähligen Menschen, die ihre Kindheit (und ganz ehrlich, auch die halbe Zeit meines sogenannten Erwachsenlebenleben) mit dem Kopf in Büchern verbracht hat. Ich bin eine, die rgendwann mal beschlossen hat, Germanistik zu studieren, weil ich gerne lese und gerne schreibe, und dann auch irgendwann wieder beschlossen hat, das mit der Germanistik wieder zu lassen, weil es mir die Lust am Lesen und am Schreiben ordentlich versaut hat.

"Weil ich glaube, dass mehr schreiben eigentlich immer geht..."

Seit dem wird hemmungsloser gelesen und geschrieben, mal da und dort publiziert und sich mit Jobs, die mit der ganzen Literaturgeschichte ein bisschen was zu tun haben (Stichwort: erostepost, Literaturhaus), oder zumindest immer als herrliche Inspirationsquelle herhalten (Stichwort: Barkeeperin), bei Laune gehalten und mal mehr oder weniger fleißig geschrieben.

Ich nehme mir jetzt vor, mich diesen November vollkommen dem NaNoWriMo hinzugeben und rauszuhauen, was die Tastatur hergibt. Weil ich glaube, dass mehr schreiben eigentlich immer geht, weil es da viele Ideen gibt, aus denen ich schön länger was machen möchte. Und ich trotzdem hin und wieder eine echt faule Sau bin, die den Druck – den ich mir vom NaNoWriMo verspreche, vielleicht brauchen könnte. Wenn ich mir danach eine etwas geregelte Arbeitsmethode beibehalten könnte, wäre das natürlich ideal.

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Was?

Auf meiner Festplatte gammelt seit über einem Jahr ein Romanfragment herum, das ich eigentlich sehr mag. Die Arbeit daran habe ich aus vielen Gründen eingestellt: inhaltliche Ungereimtheiten,  Zeitmangel und ganz einfach auch, die Angst vor so einem großen Projekt. Ich schreibe eigentlich ausschließlich Kurzprosa. Bei allem, was länger als 15 Seiten ist, verlasse ich eindeutig meine Komfortzone. Auch das möchte ich im November ändern und deswegen die Arbeit an dieser stillgelegten Geschichte wieder aufnehmen. Zur Auflockerung sollen dazwischen aber sehr wohl auch kürzere Texte entstehen. Um auf die geplanten 50.000 Wörter zu kommen, sollte man ca. 1600 Wörter am Tag schreiben. Das sind bei mir ca. fünf Wordseiten und je nach Inspiration und Motivation ein Zeitaufwand von zwei bis fünf Stunden. Hilfe!

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Wie?

Ich habe mir fest vorgenommen, bevor der November beginnt, mein Romanfragment noch einmal durchzuarbeiten, damit ich da eine bessere Basis habe. Mir vielleicht noch weitere Gedanken zu Personen, Handlungssträngen, Schauplätzen etc. zu machen und vor allem, die wichtigste Frage zu klären: Wie komme ich von dem, was ich jetzt habe, dahin, wo ich hin will?! (Klingt gerade sehr utopisch, aber man kann es ja probieren).

"Ich mag es, eine leichte Geräuschkulisse um mich herum zu haben, mir keine Gedanken über die Musik machen zu müssen, die ich dazu hören möchte und nicht selber aufstehen zu müssen um sinnlose Schreibzeit mit Kochen oder Getränkeholen verbringen zu müssen"

Stichworte oder notwendige Recherchen für Kurzgeschichten vorher schon zu erledigen wäre auch noch der Plan. Genauso wie Hamsterkäufe was die wichtigsten Schreibaccessoires betrifft: Schokolade, stangenweise Zigaretten und endlich wieder eine Kaffeemaschine.

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Wo?

Ich bin eine Kaffeehaus und Beislschreiberin. Immer schon gewesen. Ich mag es, eine leichte Geräuschkulisse um mich herum zu haben, mir keine Gedanken über die Musik machen zu müssen, die ich dazu hören möchte und nicht selber aufstehen zu müssen um sinnlose Schreibzeit mit Kochen oder Getränkeholen verbringen zu müssen. Außerdem hilft mir das Schreiben in der Öffentlichkeit, nicht alles sofort hinzuschmeißen, wenn ich mal hänge. Zuhause würde ich dann vielleicht einfach Wäsche waschen, mir sinnloses Zeug auf youtube ansehen oder schlafen gehen. Das geht in einem Lokal halt alles schwerer. Außerdem muss ich beim Schreiben immer unglaublich viel Rauchen und ich mag es nicht, wenns in meiner Wohnung so stinkt. Daheim geschrieben, wird nur, wenn zu wenig Zeit ist, um irgendwo rauszugehen oder das Wetter echt scheiße ist. Dafür ist dann die Schokolade.

über das Schreiben sprach Lisa auch im Kreativraum...

und außerdem?

Wie es mir mit meiner NaNoWriMo Erfahrung geht, wird jetzt das nächste Monat lang einmal wöchentlich hier im Tagebuchstil dokumentiert.

Also, wenn ihr im nächsten Monat im Kaffeehaus (Grundvoraussetzung: Raucher, W-Lan und Streckdosen!) eine Irre mit Augenringen seht, die drei Stunden lang nur Soda Zitron und Espresso trinkt, währenddessen regelmäßig den Laptop anschreit oder Selbstgespräche führt, nur um ihn dann wahrscheinlich gefrustet zuzuschmeißen und sich Spritzer und Kuchen bestellt  - das bin dann ich.

Lisa Viktoria Niederberger

Niederberger (2)

Lisa Viktoria Niederberger, geboren 1988 in Linz, lebt und arbeitet in Salzburg. 2014 gewann sie den Wettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ und veröffentlichte ihren Text „Die Kunst des Eischlofns“ in „X“, der Kurzprosaanthologie des mosaik. Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Anthologien.