freiTEXT | Ferenc Liebig

Von der Bedeutung des Sterbens

 

Der Mann ist auf YouTube. Im Hintergrund sieht man eine wilde Landschaft aus Bergketten und dichten Wäldern. Der Mann zupft an seinem olivgrünen Wollpullover. Der Mann trägt einen langen Bart, das blonde Haar ist zerzaust. Er sieht aus, als wäre er gerade aufgestanden. Seine Stimme ist kratzig. Der Mann sagt, er sei in dieser Gegend aufgewachsen. Die Kamera zoomt näher an ihn heran. Er zeigt die Straße herunter und meint, es gäbe keinen besseren Ort als diesen. Man folgt dem Mann mit der Kamera. Der Mann berührt die Leitplanke. Die Sonne scheint. Der Himmel ist blassweiß. Man hört das Rauschen eines Flusses, ohne ihn sehen zu können. Der Mann bleibt stehen und zeigt auf den Boden. Seit Jahren würde er die Kadaver von der Straße sammeln. Hauptsächlich kleinere Tiere. Er holt einen Plastikbeutel und einen Spachtel aus dem Rucksack. Der Mann verdeutlicht, er liebe die Tiere. Er könne nicht ertragen, sie dort liegen zu lassen. Kurz wird der Großteil eines Satzes durch ein vorbeifahrendes Auto verschluckt. Letztendlich versteht man nur das Wort unwürdig. Der Mann geht in die Hocke, kratzt energisch den Klumpen aus Fell und getrocknetem Blut von der Fahrbahn. Wichtig ist, dass sie noch frisch sind. An heißen Sommertagen werden die Tiere so schnell von Insekten befallen, dass er kaum fündig wird. Angezogen vom Zersetzungsgeruch würden Schmeißfliegen bei günstiger Witterung bereits nach wenigen Minuten ihre Eier ins abgestorbene Gewebe legen. Genau bei Minute 3:41 schaut er auf, die Kamera fängt seine tiefblauen Augen ein, die schwungvollen Wimpern, die gekringelten Haare auf der Nasenwurzel. Er hätte angefangen, sich nur noch von diesen Tieren zu ernähren. »Man würde«, nun pausiert er, in seinen Augen verfängt sich ein dramatisches Zittern, »leider Gottes viel zu viele von ihnen erwischen.« Am häufigsten wären es Katzen und Hasen, manchmal Waschbären, Eichhörnchen, Vögel. Auch wenn sie schnell sind, so ist es doch ihre Unvorsichtigkeit, die sie leicht zu Opfern macht. Man nimmt einfach keine Rücksicht mehr. Auf nichts. Deswegen hätte er alles hinter sich gelassen. Der Mann sagt, er liebt es, in der Natur zu leben. Nur dort wäre er unabhängig. Das letzte Mal hätte er als Jugendlicher eine Zeitung gelesen. Er bräuchte nicht zu wissen, wo Krieg ist. Das würde nichts ändern. Auch nicht, ob Menschen den Mond besiedeln oder nicht. Der Mann zieht das bis zur Unkenntlichkeit plattgefahrene Tier von der Straße ab, zeigt es in die Kamera und steckt es dann fast schon liebevoll in den Beutel. Sich von ihrer anzunehmen zeugt von Respekt. Sie nicht bloß dem Stadium der Verwesung zu überlassen. Ihrem Tod einen Nutzen zu geben. Das Video hat 99.476 Klicks und 6.377 Likes. Nach sechs Minuten bricht es plötzlich ab.

 

 

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Ferenc Liebig

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freiVERS | Lilli Gebhard

ein neuer morgen
und ich suche den horizont
mit meinen augen ab
ob da menschen kämen
und backe brot
und kaufe salz

und denke an die vielen
geschichten die ich
gelesen habe und gehört
von den fluchten

und denke:
das ist mein erbe
das ich verwalte
ein heimatloses herz
und die kunst
heimat zu schaffen
wo ich will

im herzschlag europas:
dass wir heimat schaffen
bauen und teilen miteinander
und brot backen
und salz kaufen
und eine decke anbieten

und endlich endlich die
argumentationsmuster
der macht
durchschauen
und zerschlagen

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Lilli Gebhard

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erschienen in: Lilli Gebhard: Wie Schatten werden. Manuela Kinzel Verlag 2021.

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freiTEXT | Esther De Soomer

Seeanemonen

Monika erinnert sich heute noch daran, wie sie an jenem Morgen nicht wie immer den Fahrstuhl nahm, sondern die neun Stockwerke zu ihrem Arbeitsplatz zu Fuß bestieg. Es war ein gewöhnlicher Morgen, und sie war selbst ein wenig von ihrer spontanen Entscheidung überrascht. Während sie die Treppe hochging, hatte sie Zeit, darüber nachzudenken, und ihr fiel ein, wie die Immergleichheit der Tage an manchen Momenten schlecht auszuhalten war, und sich dann eine Änderung des üblichen Verhaltens aufdrängte. Sie fragte sich, ob sich andere Menschen, die sich ebenfalls gelegentlich von der täglichen Monotonie bedrückt fühlten, auch vergeblich mit Kleinigkeiten abzulenken versuchten, mit einer noch nie vorhin probierten Beilage an der Speisetheke zum Beispiel, oder mit heimlichem Schuheausziehen unterm Schreibtisch, um mit Strumpffüßen den Teppichbelag zu befühlen. Bestimmt ginge es ihnen auch so, dachte Monika, denn sie unterschied sich doch kaum von der Mehrheit der Menschen, die, genauso wie sie, ereignislose Leben führten. Sie vermutete sogar, dass selbst schlagfertige Menschen, die Art von Menschen mit Einfluss und Entscheidungskraft, die Meetings im Stehen organisierten und sich mit Karriereplanung beschäftigten, ab und zu Tagen ausgesetzt waren, an denen der Magen mürbe ist und der Geist stumpf. Dieser Gedanke tröstete sie ein wenig, es war ihr, als ob sie ihre Beschwernisse nicht alleine tragen musste, aber nach einigen Stufen überfiel ihr trotzdem das Gefühl, dass sich ihr Kummer nicht zu teilen, sondern nur zu vervielfältigen schien. Daraufhin verfehlte sie die letzte Stufe zum Treppenabsatz zwischen der zweiten und dritten Etage und stürzte. Sie brauchte einige Sekunden, um festzustellen, dass ihr nichts wehtat, oder zumindest nichts, das nicht auch schon vorher wehgetan hatte. Und sie entschied sich, noch ein wenig liegenzubleiben, ein Viertelstündchen oder zwanzig Minuten vielleicht, sie nahm sich nichts Großes dabei vor, und trotzdem erinnert sie sich heute immer noch daran.

Sie lag in einer eher unbequemen Haltung, aber die kühlen Treppenfliesen pressten angenehm kalt an die glühende Backe und ihr Verstand tat sich ein Spaltbreit auf. Wäre etwas wie eine Einsicht oder ein Vorhaben dagewesen, ihr Denken hätte dafür empfänglich sein können.

Monika lauschte auf das Surren der Aufzüge nebenan, das man mit einigem Wohlwollen für das Meer halten konnte, und sie stellte sich vor, dass unten am Empfang, wo Daria hinter einem riesigen, an einem Raumschiff erinnernden Desk saß, Wasser hereinfließen würde, das das Bürogebäude mitsamt Treppenhaus langsam überflutete, und dass sie darin herumschwimmen würde, wie irgendein exotisches Meereswesen in einem Aquarium. Sie würde an den Besprechungsräumen und den Kaffeeküchen vorbeigleiten, bis zum deckenhohen Fenster ihres Büroraums, das sich nicht öffnen ließ, zweifelsohne aus Sicherheitsgründen, und sie würde hinausglotzen, auf den schlängelnden Verkehrsstrom draußen, der aus Autos bestand, in denen Menschen saßen, die auf klare Endziele zusteuerten, und auf die Wolken darüber, die trotz ihrer launischen Farb- und Formwechsel stets einen unbeirrbaren und standhaften Eindruck machten.

Ihr kam das Wort Einflussnahme in den Sinn.

Dann dachte sie an eine sich ein Spaltbreit öffnende Muschel.

Dann an Seeanemonen, Geschöpfe die gleichzeitig Tier und Pflanze sind, und deren Larven Gehirne haben. Die Larven schwimmen so lange umher, bis die Zeit gekommen ist, um aufzuwachsen. Dann docken sie am festen Boden an, verankern sie sich und lassen das Gehirn absterben. Was bleibt, sind ihre sanft wehenden Tentakel, die sie vorbeischwimmender Nahrung entgegenstrecken.

Monika war froh darüber, dass ihr die Seeanemonenanekdote, die Oscar ihr mal erzählt hatte, nicht aus dem Gedächtnis geraten war, wie sie sich immer freute, wenn ihr unnützes Wissen nicht abhanden gekommen war.

Sie presste die andere Backe an den kalten Fliesenboden und versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, den Verstand zu verlieren. Aber sie verfügte über zu wenig Einfallsreichtum, um diesen Gedanken zu Ende zu denken. Also dachte sie an Oscar, der jetzt schon fast ein Jahr nicht mehr im neunten Stock arbeitete, weil er Life Coach geworden war und Menschen beim Sortieren ihrer Leben half, eine Tätigkeit, bei der er vielleicht über Seeanemonen redete und Verankerung und absterbende Gehirne.

Man kann an vieles Denken, wenn man fünfzehn, zwanzig Minuten unbeweglich auf einem Treppenabsatz liegt, aber irgendwann stockt der Verstand, und was bleibt, ist ein Körper, der sich nur mit sich selbst und seinen regungslosen Zustand befassen kann. So ging es auch Monika. Sie stellte sich vor, dass sie, wenn sie nur ganz still sein würde, einfach liegenbleiben konnte. Dass im neunten Stock niemand ihr Verschwinden bemerken würde, wie bisher niemand ihr Schwinden bemerkt hatte. So lag sie da, in unkomfortabler Haltung, aber ganz kurz zufrieden.

Dann stieß jemand zwei Stockwerke über ihr mit ziemlicher Wucht die Brandschutztür zum Treppenhaus auf. Hastige Schritte hallten die Treppe hinunter.

Ein Mann, schätzte Monika.

Wenn er sie hier so liegen sähe. Vielleicht würde er sie in den Arm nehmen. Sie leise wiegen, zwischen der zweiten und dritten Etage.

Das kam ihr dann aber nach ihrem kurzen Moment der Zufriedenheit zu pathetisch vor. Also stand sie rechtzeitig auf, wie sie immer rechtzeitig aufstand für einen Tag ohne Ereignisse. Ein Mann mit Bart, in der Hand ein Telefon, rannte an ihr vorbei. Sie hatte ihn schon einige Male gesehen, Oscar hatte damals mit ihm zusammengearbeitet, und sie wollte ihn grüßen, aber er schien sie nicht zu bemerken, als ob sie bereits verschwunden war. Sein Telefon klingelte. „Ja“, sagte er, und „geht schon“ und dann war er zu weit unten, um die Gesprächsfetzen noch verstehen zu können.

Gebraucht zu werden, dachte Monika, und da ihr Verstand wohl zu kurz geraten war, um sich dabei etwas Konkretes auszumalen, entschied sie sich, das Denken einzustellen, und den langen Weg zum neunten Stock weiter hochzusteigen.

Inzwischen, viel später, Daria arbeitet schon längst nicht mehr als Rezeptionistin in dem Bürogebäude, und die Aufzüge sind durch neuere, stillere Teile ersetzt worden, denkt Monika, während sie Zahlen von einer Tabellenspalte in die nächste verschiebt, dann und wann immer noch an diesen Morgen zurück. Sie kann noch ganz genau die kalten Fliesen nachempfinden und das Meeresrauschen und die Restwärme einer mal dagewesenen Zufriedenheit. Sie kann noch die Schritte hören des Mannes, der sie nicht sah. Und wenn sie jemand darum beten würde, würde sie die Seeanemonenanekdote genau nacherzählen können. Sie würde mit Schwimmbewegungen die Irrwege der Larven nachahmen, und mit elegant über ihrem Kopf wehenden Armen die nach Fraß ausgedehnten Tentakel. Und bei der Stelle über das abgestorbene Gehirn, würde sie den Kopf auf die Brust fallen lassen und still sitzenbleiben, ganz still, ein Viertelstündchen oder zwanzig Minuten, und dann noch länger, so lange, bis man sie überhaupt nicht mehr bemerkte.

 

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Esther De Soomer

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freiTEXT | Frederike Schäfer

Asiatisches Essen

Ich habe gelernt: Wenn Hugo auf seine Unterlippe beißt, ist er mit der derzeitigen Gesamtsituation überfordert. Ich könnte sagen: unsicher. Ich könnte sagen: in die Enge getrieben. In die Enge getrieben und doch nicht in der Lage, etwas an seinem Zustand zu ändern. Ich denke, manchmal, ja, manchmal ist mir Hugo ganz und gar ähnlich. Wie er da sitzt, auf meinem Wohnheimbett, am starren, angelehnt an weiße Raufasertapete, immer weniger sagt, bald gar nichts mehr sagt, auf seiner Unterlippe kaut, und sein Unwohlsein erfüllt den ganzen Raum, meinen ganzen Raum, Munas offensichtlich nicht, denn vielleicht, ja, vielleicht würde Muna dann aufhören, wenn Hugos Unwohlsein in ihrer Realität auch nur irgendwie bemerkt werden würde. Oder, denke ich, oder sie macht das extra. Früher hätte Muna das nicht gemacht, früher hätte Muna nichts gesagt, einfach nichts gesagt und sich im Nachhinein über die Dummheit der Welt aufgeregt. Aber jetzt sagt sie etwas, sie sagt nicht nur etwas, sie diskutiert, gegen eine Partei, die gar nicht existent ist, denn Hugo schweigt und ich auch, und da sind keine Gegenargumente. Aber ich schätze, das stört Muna nicht. Oder sie will einfach was loswerden, weil sich die Dinge aufgestaut haben und Hugo die nötige Fläche bietet, um alles Angestaute zu katalysieren und rauszulassen.

Und ich dachte noch, heute, ja, heute wird ein guter Tag, ein guter Muna-und-Hugo-und-ich-Tag.

*

„Woran denkst du?“

Ich schaue zu Muna, und Muna schaut zu mir.

„Morgen, Muna“, sage ich.

„Morgen“, sagt Muna und richtet sich auf. „Na sag schon“, sagt Muna. „Woran denkst du?“
„Ach nichts“, sage ich.

Muna steht auf und beginnt mit ihrem morgendlichen Yoga-Programm. Das hat sie mir erklärt. Viel Yoga statt viel duschen. Wegen der Wasserverschwendung, hat Muna gesagt. Muna hat auch gesagt, sie wäscht sich ihre Haare nur noch mit Olivenseife, hart. Kein Duschgel. Deo nur in der plastik- und aluminiumfreien Variante. Rasieren selten. Muna hat gesagt, der Mensch hat eine Verantwortung. Muna hat gesagt, was interessiert die Erde, ob ihre Schamhaare rasiert oder ihre Haare gewaschen sind. „Aber“, hat Muna gesagt, „aber, nenn mich nicht Hippie! Das ist so ein kack mystifizierter Ausdruck und klingt, als wäre ich auf so einem Eso-Trip. Bin ich aber nicht. Ich habe bloß nachgedacht.“ Ich denke, Muna hat recht. Ich denke, Muna ist identitätsfindungsmäßig weiter als ich. Ich denke, ich sollte weniger Zeit im Bad verbringen. Ich denke, meine Anstrengungen im Bad sollten sich in etwa in Richtung der Anstrengungen hinsichtlich meiner Socken bewegen. Meine Socken haben Löcher.

Ich setze mich auf das Bett, beobachte Muna kurz, wie sie es völlig problemlos schafft, ihre Handflächen im Stand auf dem Boden abzulegen, und nehme mein Handy.

Hugo: Heute 18 Uhr bei dir?

Ich tippe: Ja. Kochen oder bestellen?

Ich weiß, dass Hugo bestellen wollen wird. Hugo will immer bestellen. Bestellen und sich dann aufregen, wenn das Curry fettiger ist als gedacht. Gedacht im Sinne von: Er weiß es, aber er steht nicht drüber. Ich esse mein Curry, und das ist lecker.

Hugo schreibt: Bestellen. Hab Luft auf asiatisch.

Ich schreibe: Ok.

Hugo schickt ein Herz-Emoji.

Ich schicke ein Herz-Emoji.

*

Hugo hat Muna Hippie genannt. Hugo hat sich beschwert, sein Essen ist zu fettig. Muna war allem Anschein nach erst in der Phase Er-ist-Fridas-Freund-und-ich-verkneif's-mir, dann doch nicht. Hugo hat gesagt „Fett, alles Fett. Widerlich“, mit ganz langgezogenem „i“, und Muna hat ihre Augen zusammen gekniffen, hat Hugo anvisiert und angegriffen. Über das Konsumverhalten in der westlichen Welt, Lebensmittelverschwendung, immer und überall alle nur am Sichbeschweren, und überhaupt, wenn sich Hugo beschweren wollen würde, dann doch nicht über das Fett, sondern über das tote Rind in seinem Curry, Massentierhaltung, Methan, CO2, Monokulturen, und ob er das denn nicht wisse. Aber sie, sie müsse sich das immer anhören, ein Hippie, was ein Schwachsinn, sie habe einfach nur nachgedacht, und wer mal ordentlich nachdenke, der könne zu gar keiner anderen Lösung kommen, aber sie ein Hippie. Und dann ging es weiter, Beispiele, das ganze System, Kapitalismus, aber wir, wir als Akademiker, und ihre Stimme klingt dabei so verächtlich, sie spuckt das Wort Akademiker in das Wohnheimzimmer, und ich, ich verstehe nicht, warum wir, warum nicht er, und ich blicke zu Hugo, angelehnt an die Raufasertapete, beißt er sich auf seine Unterlippe, und ich sehe mich, und Muna macht weiter, trotz unseres Schweigens diskutiert sie gegen eine nicht existente Partei, erzählt von Walrössern vor der russischen Küste, deren Lebensgrundlage Eis einfach verschwindet und die sich aus Platzmangel auf einen Berg retten und folglich nicht wieder runter kommen, weil einfach zu viele, und stattdessen springen und fallen sie, die Klippe herunter, der einzige Ausweg. Und ich denke an braune, schwabbelige, dicht gedrängte, gehäufte Körpermassen, und ich stelle mein Curry zur Seite. Und Muna macht weiter, Politik, Kohle, Klimaabkommen, alles lachhaft, und wir, sie sagt wieder wir, wir würden uns über ein bisschen Fett aufregen, als wenn's sonst nichts gäbe. Doppelmoralisten, überall. Avocados aus Peru kaufen und Kippen auf den Boden werfen, bei Amazon bestellen, dann überlegen, ich könnt' ja zur Klimademo gehen, nein, doch lieber YouTube-Compilations gucken und Trauben ohne Kerne essen und keine Obdachlosenmagazine kaufen, aber Billig-Kaffee aus Uganda. Muna sagt, der Tag, an dem unser iPhone in die vollgekotzte Schüssel einer Clubtoilette plumpst, ist der beste Tag in ihrem Leben. Ich will noch ansetzen, das kenne ich irgendwo-, aber lass es lieber. Hugo lässt es auch.

*

Muna sagt nichts. Muna sitzt da und sieht abwechselnd Hugo, dann mich an. Hin und her. Hin und her. Muna nimmt sich ihren Teller, nimmt sich ihre Gabel, schiebt sich gebratenen Reis mit Gemüse in den Mund, kaut, schluckt und fragt: „Kommt ihr klar?“

Hugo und ich sehen uns an, Hugo sieht Muna an, Hugo nimmt sich ebenfalls seinen Teller, sagt „klar“ und isst weiter.

Ich denke, ich mag nicht weiter essen, aber ich will auch nicht als verschwenderischer, westeuropäischer Klimakiller rüberkommen, also esse ich. Keiner von uns sagt etwas. Wir sitzen und essen und schweigen, und vermutlich, ja, vermutlich wird das schwierig werden mit Muna und Hugo, und vielleicht auch mit Muna und mir, weil Hugo und ich allem Anschein nach ein Wir geworden sind, ohne dass ich das gemerkt hätte. Das mit der Wir-Werdung, das ist etwas, das ich nicht verstehe, und es scheint dennoch der einzige Weg zu sein, eine echte Beziehung führen zu können. Kein Wir waren: Munas Eltern und meine Eltern. Offensichtlich, wohin das geführt hat. Muna sagt, ihr Vater ist ein Idiot. Ich sage nicht, mein Vater ist ein Idiot.

*

Muna sagt: „Lasst uns ein Spiel spielen.“

Ich denke, ich bin ihr dankbar, dass sie's versucht.

Ich sage: „Okay.“
Hugo sagt erst mal nichts, sieht auf seine Uhr.

„Hugo“, sage ich und lege meine Hand auf seinen Arm. Das habe ich noch nie gemacht, meine Hand in einer liebevollen Geste auf seinen Arm gelegt, ihn mit gespielter Entrüstung angesehen und gesagt „Aber Schatz“. „Aber Schatz“ sage ich nicht. Mit „Schatz“ begibt man sich auf dünnes Eis. Ironisch gebrochen gerade zu verkraften ist der Übergang zu alltäglicher Gewohnheit fließend. Es bleibt also bei „Hugo“. Bei „Hugo“ und „kannst später ruhig hier pennen“. Neunzig Zentimeter waren bislang nicht das Problem, Muna dagegen, ja, ich weiß. Vielleicht ist meine zärtliche Berührung derart überzeugend, auf jeden Fall sagt Hugo „Ist gut“, gibt mir einen Kuss auf die Stirn und rutscht auf den Boden zu Muna, und ich sitze kurz da und spüre den Nachdruck seiner Lippen auf meinem Kopf, und mir wird ganz warm innen drinnen, und der Gedanke dominiert, das könnte ich immer haben. Und ich rutsche auf den Boden, und ich frage: „Was wollen wir spielen?“

*

Wir liegen im Bett. Munas lautes Atmen erfüllt das Wohnheimzimmer. Wir sind nicht nackt. Wir tragen Jogginghose und T-Shirt und Boxershorts und T-Shirt. Ich liege mit dem Rücken zu Hugo, der Blick auf die dunklen Umrisse von Muna. Hugo ist hart. Mit einer Hand holt er sich einen runter, die andere liegt auf meiner rechten Brust. Hugo hat eben geflüstert: „Bist du noch wach?“ Ich habe nicht geantwortet. Ich liege da, meine Augen sind offen, und ich höre zu, wie Muna atmet. Ein, aus. Ein, aus. Und ich bilde mir ein, wie ich Munas Stimme höre, vielleicht bilde ich mir das gar nicht ein, vielleicht ist sie das wirklich, und sie sagt, leise, dicht an meinem Ohr, dass nur ich es hören kann, Baby, you're wasting your young years. Merci und gute Nacht.

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Frederike Schäfer

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freiVERS | Jutta Schüttelhöfer

Herr Gräber

es riecht muffig, abgestanden
frische Luft – kein Gegner für
diesen Dunst das Zimmer darin
eingehüllt wie in einen alten
Mantel gekleidet ihn stört es nicht

er bemerkt es wohl nicht einmal
um ihn herum passiert der Alltag
Jalousien hoch Fenster geöffnet
Frühstück gebracht die Tür geöffnet
die Tür geschlossen er reagiert nicht

„Herr Gräber…“

wie Regentropfen an einer Scheibe
perlen die Buchstaben an ihm herab
die Augen stumpf zwei Fenster in
sein leeres Inneres sein Körper ein
beinahe verlassenes Gebäude

„Ich soll Sie von Rosalie grüßen!“
Rosalie!

hinter den Fenstern taucht seine Seele
auf der Blick flackert ein feiner
Schimmer darin eine einsame Träne
löst sich, rollt hinab über die runzelige
Pergamenthaut tropft lautlos zu Boden
„Rosalie“, flüstert er mit krächzender Stimme

Nie
habe ich mehr Liebe in einem
einzigen Wort gehört!

 

 

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Jutta Schüttelhöfer

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freiVERS | Katja Schraml

kRummer

wir wachsen
<dickschädel>
(wenn) über_haupt
auf schmalem stamm gen sonnenaufgang
+ beugen <leugnen> uns nicht
in uns ist die neigung
zum hang angelegt

 

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Katja Schraml

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freiTEXT | Kerstin Kugler

Der Schrank

Meine Freundin und ich hatten das Jahr damit vergeudet, unseren Spaß zu haben. Wir tranken und rauchten bis in die tiefe Nacht, schafften es morgens mit Mühe aus dem Bett, strichen alle Seminare, die vor elf Uhr liefen, blieben in Bars hängen, bis man uns zur Sperrstunde rausschmiss, und schlossen Wetten ab, wer mehr Erfolg bei den Männern hatte. Ich sah uns als conquistadores, Sex war unsere Waffe, keine Intimität, die den anderen näherbrachte. Wir waren beide liiert, sie ernsthafter als ich, und Anfang des Wintersemesters zog sie, für mich völlig unerwartet, zu ihrem Freund.

Unsere Wohnung lag am Matzleinsdorferplatz, einer trostlosen Gegend, die die kühle Oktobersonne nicht verschönte. Die Aussichten, jemanden für ihr Zimmer zu finden, standen mit jedem Tag, der uns dem Winter näherbrachte, schlechter. Drei Termine zur Wohnungsbesichtigung verstrichen, ohne dass sich ein Interessent finden ließ.

Am vierten Termin, meine Freundin war schon ausgezogen, trafen wir uns an der Straßenbahnhaltestelle. Ein junger Mann wartete am Bordstein sitzend unter einer hohen Plakatwand, auf der ein Paar mit glänzenden Augen die Weihnachtsangebote in einer Geschäftsstraße bewunderte. Seine einzelnen Merkmale waren in ausreichendem Maß präsentabel – ein leicht ungepflegtes Äußeres, das zu einem Studenten passte, der sich etwas gehen ließ – aber in seiner Gesamtheit sah er verkommen aus.

Als er uns näherkommen sah, richtete er sich auf, um uns zu begrüßen. Aus dem Augenwinkel sah ich, dass meine Freundin ebenso vor einer Berührung zurückschreckte wie ich. Wie drei Touristen in einer Führung hielten wir Abstand, als wir zur Straßenecke gingen, wo das Wohnhaus stand.

„Dein Zimmer geht auf die Straße“, sagte ich und zeigte auf ein geschlossenes Fenster im ersten Stock.

Meine Freundin sah mich schief an. Sie nannte den Preis, ihre Stimme klang verächtlich. Sie schien sicher, dass er sich die Miete nicht leisten konnte, doch er nickte, alle Kosten waren im Inserat aufgelistet gewesen.

Das Haus sah stillos, aber anständig aus. Viele der Menschen, die hier lebten, würden nie ausziehen und waren auf ganz fundamentale Weise auf ihre Wohngegend, die so häufig Missfallen fand, stolz.

„Möchtest du es besichtigen?“

Er nickte und meine Freundin ging voran. Sie besaß noch ihren Schlüssel und in gewisser Weise war sie es, um die sich das Geschäft drehte, also übernahm sie die Führung. Er hielt sich zwischen meiner Freundin und mir. Als sich im Mezzanin unsere Blicke kreuzten, überkam mich eine solche Abscheu, dass ich sofort wegsah. Ich achtete darauf, an seiner Seite zu gehen, sodass weiterer Blickkontakt unwahrscheinlich war, und redete fast ununterbrochen. Ich zählte die Vorzüge der Wohnung auf, pries die Zug- und Straßenbahnverbindungen, die Nähe zum Zentrum und den verschiedenen Universitäten. Er nahm meinen Wortschwall schweigend zur Kenntnis. Im zu hellen Stiegenhaus klackten die Absätze seiner ungeputzten Stiefel wie zur Untermalung meiner nervösen Schwärmerei.

Meine Freundin sperrte die Tür auf. Wir traten hinter ihr in den Vorraum und die plötzliche Enge erzeugte in mir ein schweißtreibendes Unbehagen.

„Wie im Inserat beschrieben“, sagte meine Freundin und deutete nach rechts auf eine weiß angestrichene Tür. Er betrat das Zimmer, während wir uns höflich zurückhielten. Wieder fing ich den Blick meiner Freundin auf, sah die Andeutung eines Kopfschüttelns. Doch ihr Auszug hatte einen Keil in unsere Freundschaft getrieben. Sie befand sich auf dem Weg in die Häuslichkeit, ich blieb als einsame conquistadora zurück, die Wohnung mein Schiff, das mich über die Weltmeere trieb. Ich brach unseren Blickkontakt ab und betrat hinter ihm sein zukünftiges Zimmer.

Sein Blick hing an einem Schrank, das einzige Möbelstück, das meine Freundin bei ihrem Auszug zurückgelassen hatte. Auf seine Frage antwortete sie mit kalter Großzügigkeit, dass er ihn haben konnte. Nur ich, die ich meine Freundin besser kannte, spürte ihre Erleichterung. Sie hatte für den Schrank keine Verwendung mehr und hatte gehofft, ihn dem nächsten Mieter überlassen zu können.

Es waren unmögliche Momente, zu dritt in unserer kleinen Wohnung, im verlassenen Raum stehend. Ich betrachtete meine Freundin, die mit einer gespielt einladenden Geste die Tür zur Küche öffnete, und hasste sie mit einer Klarheit, die mir Angst machte.

Die Küche, wie das Zimmer, das es zu vermieten galt, gingen auf die Straße hinaus. Badezimmer und Toilette – eng, dunkel, aufs Notwendigste beschränkt – gingen vom Vorraum ab. Nur mein Zimmer, Schwan unter Enten, hatte Blick auf den Innenhof, der wie alles hier grau, kahl und unansehnlich war, dafür aber die Stille eines Fegefeuers verströmte.

Es ließ sich nicht länger hinauszögern, brachte auch nichts. Ich schloss für einen Augenblick die Augen, während auf der Straße die üblichen Verkehrsgeräusche ertönten. Ein Auto hupte und eine Straßenbahn bimmelte. Das Schiff trieb mich vielleicht ans Ende der Welt, brachte mich möglicherweise zu einem Abgrund, von dem es kein Zurück gab, doch es galt, neue Kontinente zu erforschen, ungeahnte Reichtümer zu entdecken. Eine conquistadora brauchte vor allen Dingen Mut. Mut war das Wichtigste, das Einzige, das zählte, und es wurde mir klar, dass er meiner Freundin fehlte. Mein Hass schlug in Verachtung um, ich öffnete die Augen, ließ Küche und den Argwohn meiner Freundin hinter mir, und zwang mich, meinem neuen Zimmernachbarn voll ins Gesicht zu sehen: „Ich kann den Liftschlüssel besorgen, falls du schwere Möbel hast.“

Er ließ mich wissen, dass das nicht nötig sei. Das einzig Schwere sei der Schrank, und der stand ja schon im Zimmer. Seine Augen, von denen ich später nicht sagen konnte, welche Farbe sie waren, trafen sich mit meinen. Ich musste meinen Blick sofort abwenden. Er hatte eine auf abstoßende Art verführerische Präsenz. Ich rettete mich auf die andere Seite des Vorraums, betrachtete den umständlichen Abschied meiner Freundin, der von schlechtem Gewissen zeugte, mit der gleichen Ungeduld, mit der man in die Hölle fuhr. Mein Schicksal kam mir besiegelt vor, nun sollte es endlich beginnen.

Gleich nachdem die Tür hinter meiner Freundin ins Schloss gefallen war, überkam mich ein Schauder. Ich hatte – aus Wut, aus Hass, einem selbstzerstörerischen Trieb folgend – mein eigenes Grab geschaufelt, jetzt musste ich mich hineinlegen. Ich bereute alles und wäre am liebsten zu meiner Freundin ins Stiegenhaus geflüchtet, doch mein Stolz hielt mich zurück.

Der Typ begab sich, ohne mich eines Blickes zu würdigen, in das Zimmer, das jetzt ihm gehörte, und schloss hinter sich die Tür. Ich blieb einen Augenblick ratlos im Vorraum stehen: mein Herz raste, mein Atem ging schnell und flach, mir standen die Haare zu Berg. Die unangenehme Präsenz meines neuen Zimmernachbarn stieg wie die feuchte Novemberkälte vom grässlichen Linoleumboden auf, kroch unter dem Spalt hervor, sickerte durch das Holz der Tür. Ein absurder Drang wollte mich dazu bewegen, die Hand auf seine Zimmertür zu legen. Stattdessen rettete ich mich in mein eigenes Zimmer und schloss die Tür fest hinter mir. Nach einem Augenblick des Überlegens drehte ich den klobigen Metallschlüssel, den ich noch nie verwendet hatte, im Schloss um. Erst nachdem ich den Türgriff überprüft hatte und mit dem Ergebnis zufrieden war – eingeschlossen, abgesichert – durchquerte ich mein Zimmer und ließ mich vor dem Schreibtisch in einen Stuhl sinken. Durch die Wand, die mein Zimmer von dem meines Zimmernachbarn trennte, hörte ich das Klacken seiner Stiefel, die von Wand zu Fenster schritten, ein paar Augenblicke am Fenster verweilten, dann den Rückweg zur Wand antraten. Ich konnte das Quietschen der Schranktür hören, die Scharniere müssten geölt werden, das metallische Klappern, mit dem Kleiderbügel aneinanderstießen – meine Freundin musste sie im Schrank vergessen haben oder vielleicht wollte sie sie auch nicht mehr – dann erklang ein so heftiges Poltern aus dem Schrankboden, dass ich vor Schreck zusammenfuhr. Mit fahrigen Händen öffnete ich wahllos das erste Buch, das vor mir lag, doch meine Ohren lauschten auf weitere Geräusche von jenseits der Wand.

Doch im Zimmer meines Nachbarn war es still geworden: kein Knarzen von Holz, kein Klappern, nichts. Eine Stimme in meinem Kopf sagte: „Du hast kein zweites Quietschen der Scharniere gehört. Der Schrank muss also noch offenstehen.“ Doch was tat er im Schrank? Er hing nichts darin auf, denn die Kleiderbügel wurden nicht beiseitegeschoben oder von der Stange geholt. Es waren auch keine Stiefelschritte zu hören, kein Verharren vor dem Fenster.

Das Buch vor mir aufgeschlagen, meine Nerven völlig durcheinandergeraten, kreisten meine Gedanken nur um eine Frage: Was tat er in dem Zimmer, vor dem geöffneten Schrank?

Später, der kurze Nachmittag war von der sich ausbreitenden Dunkelheit verschluckt worden, das Buch lag noch an der gleichen Stelle aufgeschlagen und ich war in eine Art Dämmerzustand verfallen, schreckte mich das Quietschen der Scharniere und das Geräusch seiner Stiefel hoch. Er bewegte sich vom Schrank weg und auf die Tür zu. In Windeseile schnellte ich von meinem Stuhl und lief auf Zehenspitzen zu meiner Zimmertür. Das Ohr ans kalte Holz gepresst, meine Augen auf die Wand gerichtet, als wäre ich in der Lage, durch sie hindurchzusehen, verfolgte ich die Geräusche meines Zimmernachbarn: Er öffnete die Tür, betrat den engen Vorraum, verließ die Wohnung. Ich stieß den Atem, den ich angehalten hatte, aus und richtete mich vor Erleichterung zitternd auf. Doch bevor ich Gelegenheit hatte, mich für mein kindisches Benehmen zu schämen, kam mir ein neuer Gedanke: Wie sollte ich, wenn ich selbst meine Wohnung verließ, bei meiner Rückkehr wissen, ob mein Zimmernachbar zuhause war oder nicht? Eine solche mögliche Unkenntnis flößte mir neues Grauen ein. Es wurde mir klar, dass mein einziger Schutz die Gewissheit über seinen jeweiligen Standort war. Die Möglichkeit, ihm unvorbereitet im Vorraum oder in der Küche zu begegnen – der Gedanke, er könne, während ich mich auf der Toilette oder im Badezimmer befand, die Wohnung betreten – füllte mich mit übermächtigem Gräuel. Es war schlichtweg keine Möglichkeit, mit der ich leben konnte.

Ich eilte mit hastigen Schritten aus dem Zimmer, suchte unter den spärlichen Putzutensilien jenen Eimer, der mir am geeignetsten erschien, versorgte mich mit Proviant, Wasser und den notwendigsten Hygieneartikeln, und brachte meinen Vorrat in mein Zimmer zurück. Noch bevor ich alles verstaut hatte, schloss ich die Tür ab und überprüfte die Klinke. Erst dann ließ ich mich in mein Bett fallen. Erschöpft schlief ich ein.

Lautes Poltern ließ mich aufschrecken. In meinem Zimmer war es vollkommen dunkel. Desorientiert stellte ich die Uhrzeit fest: drei Uhr morgens. Das Poltern hörte nicht auf. In unregelmäßigen Abständen, einem Rhythmus folgend, den ich nicht entziffern konnte, dröhnten Geräusche aus meinem Nachbarszimmer, von genau der Stelle, an der der verlassene Schrank meiner Freundin stand.

Ich wagte es kaum zu atmen oder mich zu bewegen. Zitternd kauerte ich unter meiner Decke, meine Beine angezogen. Meine Hände umklammerten meine Knie, ich rollte mich noch stärker zusammen. Das Herz in meiner Brust drohte vor Angst zu zerspringen. Als das Klopfen und Hämmern lauter wurde, ließ ich meine Knie los, um die Hände über die Ohren zu pressen. Meine Augen huschten durch mein dunkles Zimmer, blieben an der Wand hängen. Irgendwann hörte das Poltern ebenso schlagartig auf, wie es begonnen hatte.

Vielleicht war ich wieder eingenickt, vielleicht war ich einfach in einen Dämmerzustand verfallen. Als ich wieder zu mir kam, stellte ich fest, dass graues Licht durch die Spalten meines Vorhangs strömte. Ich sammelte den kläglichen Mut, den ich noch besaß, und schob meine Beine unter der Decke hervor. Bevor ich die Vorhänge öffnete, ging ich zur Tür, um die Klinke zu überprüfen. Auf halbem Weg von Tür zu Fenster ging das Poltern von nebenan wieder los. Der Schreck fuhr mir in die Glieder, ich blieb wie festgenagelt stehen. Alle meine Sinne waren auf sein Zimmer gerichtet. Was tat er? Die Geräusche kamen wie zuvor aus dem Schrank. Nahm er ihn auseinander, zerlegte er ihn in seine Einzelteile? Wie zur Antwort ertönte das Quietschen der Scharniere, als er die Schranktür schloss.

Unschlüssig blieb ich mitten im Raum stehen. Jenseits der Wand schien es mein Zimmernachbar mir gleichzutun. Es waren weder die Absätze seiner Stiefel noch das Knarzen der Bodenbretter zu hören. Wieder verging eine unbestimmte Zeit. Das nächste Geräusch, das mich aus meiner Erstarrung riss, war seine Zimmertür. Er machte sie ohne großen Lärm auf und ließ sie hinter sich ins Schloss fallen, doch für meine überempfindlichen Sinne glich es einem Kanonenschuss. Sofort riss ich die Vorhänge auf, trank gierig von dem Wasser, das ich ins Zimmer gebracht hatte, aß mit zitternden Händen einige Löffel Marmelade, und verrichtete in dem zu diesem Zweck in die Zimmerecke gestellten Eimer meine Notdurft. Mein Blick glitt über den dürftigen Proviant, den ich am Vortag aus der Küche geholt hatte: zwei halbvolle Marmeladegläser, ein paar Äpfel, ein Glas Honig. Ich aß selten zuhause, kochte fast nie – meine Vorräte würden nicht lange anhalten.

Ich beschloss, Essen aus dem Gasthaus an der Ecke zu bestellen, von dem meine Freundin und ich manchmal Bier geholt hatten, doch bevor es geliefert wurde, kehrte mein Zimmernachbar in die Wohnung zurück. Er schloss die Eingangstür mit einem Klick, der mir in den Ohren hallte, verharrte im Vorraum und betrat dann sein Zimmer. Wenig später klopfte es an die Wohnungstür: das Lieferservice des Gasthauses, das mit meiner Bestellung vor der Tür auf Bezahlung wartete. Ich hielt den Atem an. Im Zimmer nebenan verstummten alle Geräusche. Wie ich schien mein Zimmernachbar darauf zu warten, dass der Besucher wieder verschwand.

Mein Magen zog sich vor Hunger schmerzhaft zusammen, doch es erschien mir vollkommen unmöglich, das Zimmer zu verlassen und die Bestellung entgegenzunehmen. Ein nun schon vertrautes Gefühl der Lähmung überfiel mich und ich verharrte bewegungslos auf meinem Bett sitzend. Irgendwann erlosch das Klopfen, Schritte ertönten aus dem Stiegenhaus, meine Bestellung wurde ins Gasthaus zurückgebracht. Im Zimmer nebenan klackten die Stiefel meines Zimmernachbarn, er konnte mit seinem Tun fortfahren. Um das nagende Hungergefühl zu besänftigen, rollte ich mich zu einem engen Ball und zog die Bettdecke fest um meine Schultern. Ich schlief ein.

Die Tage verstrichen, mein Dämmerzustand vertiefte sich. Die Geräusche meines Zimmernachbarn bestimmten meinen Rhythmus. Sein Klopfen beherrschte mein Wachen, seine Stille begleitete meinen Schlaf. Der Schrank wurde für uns beide zur Drehscheibe unseres Daseins: Für meinen Zimmernachbarn war er das Zentrum seiner geheimnisvollen Tätigkeit, für mich Ursprung meines Gräuels.

Ich verließ mein Zimmer nur, wenn ich die Wohnungstür hinter meinem Zimmernachbarn ins Schloss fallen hörte. Dann versetzte es mich in einen fieberhaften Zustand. Ich stürzte wie ein Raubtier über das, was ich in der Küche fand: in Schrankritzen festsitzende Reiskörner, trockene Haferflocken, eine vergessene Dose Tomaten. Die Vorräte wurden geringer, dann versickerten sie ganz.

Ich begann zu zittern, obwohl die Heizung auf höchster Stufe eingestellt war. Ich verkroch mich in meinem Bett. Ich saugte an Knöpfen, die ich von Blusen riss, kaute am Leder eines Gürtels. In meinem Magen wütete ein Feuer, das sich manchmal beruhigen ließ, manchmal nicht.

Es war ein kalter Morgen Anfang Januar, als mir klar wurde, dass mein Schiff angekommen war: Von dieser Reise gab es keine Rückkehr, keine eroberten Reichtümer und Schätze. Hier sollte ich verenden. Der Gedanke kam als Erleichterung. Er ließ die ungeheure Nähe meines Zimmernachbarn fast erträglich erscheinen. Meine Augen suchten ihr Gegenüber im Spiegel, der mich an eine eitlere, fröhlichere Zeit erinnerte. Ich konnte die Gestalt nicht erkennen, die mir daraus entgegenblickte: ihr ausgezehrtes Gesicht, ihre furchtsamen Augen – ein Hase, der sich vorm Fuchs versteckte. Wo war der Mut der conquistadora, wo ihr Spaß an der Jagd, ihr Stolz?

Meine Hand drehte den Schlüssel im Schloss und drückte die Klinke hinunter. Meine Schritte waren langsam, feierlich: eine Zeremonie, die mich zu meinem Ende führte. Meine Hand auf seiner Tür glich einer Liebkosung. Meine Finger strichen übers Holz, schlossen sich um den kalten Stahl. Ich betrat sein Zimmer mit Ehrfurcht.

Wie lange war ich im Raum gestanden, bevor ich merkte, dass er verlassen war? Meine Augen huschten durchs Zimmer. Die Vorhänge waren geschlossen, es lag ein animalischer Geruch in der Luft. Hohe, klägliche Geräusche hallten von den Wänden. Erst später wurde mir bewusst, dass ich es war, die diese Töne ausstieß. Ich trat zum Schrank, öffnete die Tür. Halb erwartete ich, dass mein Zimmernachbar am Schrankboden kauerte und mich anspringen würde. Doch statt einer menschlichen Gestalt fand ich nichts anderes als einen großen, unbedeckten Metalltopf. Vor Hunger und Unbehagen beinahe ohnmächtig gewann meine Neugierde überhand. Ich beugte mich vor, lugte hinein: eine klebrige, dickflüssige, dunkle Masse, die nach nichts roch und mich auf perverse Weise anzog. Ich tunkte einen Finger in den Topf und steckte ihn in den Mund. Gierig lutschte ich daran, tippte ihn wiederholt in den Brei, bevor mich die Erkenntnis dessen, was ich machte, überrollte. Ich sprang vom Schrankboden auf, riss die Wohnungstür auf, stürmte die Treppe hinunter und stolperte in den verschneiten, frostbedeckten Innenhof. Gierig sog ich die kalte Luft in meine Lungen. Zeit verstrich, ein Bewohner aus dem Erdgeschoss fand mich und führte mich in seine warme Wohnung, gab mir zu essen. Auf seine Fragen schüttelte ich beharrlich den Kopf. Meine Wohnung gab ich noch am selben Tag auf und betrat sie nie wieder.

Was nach meiner überhasteten Flucht aus Topf oder Schrank wurde, weiß ich nicht, obwohl mich die Gedanken daran noch jahrelang aus dem Schlaf rissen. Erst später, als die Anforderungen der Gegenwart und die Pläne für die Zukunft den Schatten der Vergangenheit vertrieben, verblassten meine Erinnerungen, bis sie mir lachhaft erschienen: Nie war mir jemand so nahegekommen wie mein Zimmernachbar, und nun wusste ich nicht einmal mehr, ob es ihn jemals überhaupt gegeben hatte.

 

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Kerstin Kugler

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freiVERS | Michael Pietrucha

chronik eines falls

für die Knihauka und alle Künstler:innen, die fliehen mussten

meine augenblicke öffnen sich noch im dunkeln
wieder aufgefüllt
mit der tinte der nachtruhe

Ich ist ein körper der sucht solange er geht
süchtig seine welt zu schreiben mit
den augen zu zeichnen in
sich hinein das alte
und neues zu finden das
er neu deutet was
schon immer gewesen sein wird

und Ich findet es und Ich findet es nicht
(schiebt den felsbrocken den hügel hinauf
rennt dem felsbrocken den hügel hinterher)
begierig den tag neu zu schreiben
jeder blick ein satz ist
die ansicht schreibuntergrund

aber mitunter
verzweifeln stimme ohren hände
diktatoren mitläufer ignoranten
sie sind wände
mitten in meinem schreibuntergrund
Ich sind federn
sind machtlos gegen
schwerter
gefängnisse
bomben
warnschüsse

gedichte harmlos verhärmt
sind schichten aus geschichten geist und klängen
habt ihr angst davor
dass ihr eine schicht überseht?
seid ihr neidisch
dass andere sie verstehen?
gewaltsame einfaltspinsel
die ihr allein geschichten am kleiner werdenden lagerfeuer
erzählen wollt!
die ihr die dichtenden fabulierenden
singenden spielenden zeichnenden
erstickt sehen wollt!

aber mitunter
bin Ich mehr als ein körper
und worte die schweigen können
wenn not an mich herantritt
gedachte weichen aus formieren sich neu kehren wieder
wage Ich zu sagen
dem sie nicht schlaf entziehen
der nicht eingepfercht in hitze kälte schmutz vegetieren
der nicht sein zuhause fliehen den luftalarm fürchten muss

meine worte dürfen
sich hegen und pflegen
versuchen den schmetterling zu besingen
oder ein lächeln einen saftstrotzenden leib
oder das weh über das vergehen der zeit
Ich darf sein und scheitern
dabei

wieder geht der tag
wie ein gast
der gehen mag
denn meine augenblicke sind
geschrieben gezeichnet geformt
die tinte fast aufgebraucht
habe Ich bei diesem gast der geht
etwas anderes gefunden?
das essen den trank die liebe
schreibt doch niemand neu
in luft und leib

so sinkt mein körper in die weichen
laken des schlafs und sucht so lange es geht
nicht zu suchen

 

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Michael Pietrucha

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freiTEXT | Mario Schemmerl

Sehen

Draußen herrscht bestes Spiegelwetter. Entlang des Fugengummis taut Nachtschweiß vor sich hin. Zwei Männer absolvieren die letzten Schritte ihrer morgendlichen Gartenrunde. Vor wenigen Minuten flanierten sie an jener Frau vorüber, die wie gewöhnlich auf der Ablegefläche ihres Rollators sitzend, mehr über die Seerosen sah als in das Wasser hinein. Einer der Männer ist ein Greis, der jüngere befindet sich im Enkelsalter. Wie ihnen das ungleiche Paar aus der Spiegelung der Terassentür näher kommt, blickt der alte Mann im Kreuz. Unterdessen verläuft im Hintergrund das Wetter, die Wiese und der Asphaltweg zu einem Aquarell.

Leicht nervös, aber nicht unbehaglich nervös, gesellt sich eine zweite Welt zu ihnen. Herr Adam kann sich sein Lachen nicht verkneifen, als er sagt: „Du bist alt“. Von Gesicht zu Gesicht, gleich einem Stein über Wasser, gleitet sein Blick über die Spiegelfläche. Augenblicklich fühlt Herr Adam wie es ist nach dem tauglichsten Stein zu suchen. Horcht in das Knirschen hinein, das es beim Wühlen nach einem würdigen Wurfgeschoß macht. Für einen Moment gelingt es ihm, die Knabengefühle zu halten. Der Name des Sees bleibt ein Geist, aber den schwingenden Wurf empfindet er vom Becken bis zum Zeigefinger. Ein paar beruhigende Sprünge bleibt der Stein über Wasser.

Mit der empörenden Botschaft, er, Herr Adam, sei der alte Mann, trifft ihn ein entsetzlicher Schlag. Er starrt auf die direkt vor ihm stehenden Person, die er noch nie zuvor gesehen hat. Der weißhaarige Greis ist ein Unbekannter, ein zwischen den Spiegeln Geborener. Kurz flammt eine ihm die Wangen errötende Wut auf. Doch auch sie zerbröckelt und geht im Vergessen unter. Seine Gegenwart schirmt sich in einem ihm bleibenden Kern ab und legt die Orientierung in Trümmer. Um Selbstsicherheit bemüht, hebt er sein Kinn. Instinktiv hantelt er mit der abrupten Anmeldung von Gebrechlichkeit nach Halt und findet eine junge Hand. Die Beziehung zu diesem Burschen kann er nicht zuordnen, doch die Gewissheit, die nächsten Schritte nicht alleine suchen zu müssen, erleichtert die Lage.

Die Spiegelung zeigt ein heilloses Durcheinander. Schnaufend reißt er die Augen auf. Die Erinnerung an den Spaziergang treiben wie Wellen, die ein hüpfender Stein hinterließ, auseinander. Herr Adam drückt an die Scheibe und verliert sich in der Maske des Unbekannten. Mit verblüffender Geschwindigkeit, wie die Fingertapser, die die Reinigungsdame mit Fensterputzmittel verschwinden lassen wird, verschwindet auch Herr Adam immer mehr aus dem Garten. Verlustig geworden, fährt er sich über das Gesicht bis ins schüttere Haar hinauf. Auf der anderen Seite der Tür offenbart sich ihm ein bekannt anmutender Fleck. Jemand stellt einen Saft, blasser als seine Wangen, auf den Tisch ab. Rückt einen Sessel hinaus und deutet darauf. Der junge Mann führt ihn bis zu diesem Platz. Herr Adam beginnt sich zu setzen.

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Mario Schemmerl

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freiVERS | Sofie Morin

Pilze, ach! (Fungus gemitus)

Ach, Pilze! Geflecht aus Hochmut und verwegenen Träumen. Und keiner gleicht sich. Hörnling bestimmt die Nuancen meiner Regungen je, Erdsterne verklären mir die Zukunft, Morchel kleidet meinen Stolz innen aus. Und Täubling klingt nach dem Spickzettel eines Minnesängers. Nachts, wenn keiner hinschaut, verschlingt er rohe Eier ganz.

Ach, Pilze! Bissfestes Gebaren, beinahe fleischlich, so wölbt sich der Pilzkörper einem Verlangen entgegen, nach Erdgeruch und klebrigen Texturen von Raunächten. So sind sie und so, schießen geweihhoch zwischen Wurzelfingern aus dem Erdreich, durchstoßen mit grellen Farben den moossatten Luftraum, verströmen Sporen wie Milchstraßen in die sichtbare und unsichtbare Welt hinter meinen Augenlidern.

Ach, Pilze! Von oben besehen mag euer Wuchs verstehbar sein, unterirdisch aber, da durchpflügt ihr Wahrheit um Wahrheit nach sternenfernen Gefilden, die Ursuppe, der wir alle entstammen. Und nichts wird gesagt von euren Schleimhäuten, nichts von den prekären Bündnissen, nichts von der Ungewissheit, mit der wir euch pflanzlich anreden. Viel aber von den Lamellen, von der Genießbarkeit und von euren Kappen, wo sie Eicheln nicht ähneln, und wo sie das tun.

Ach, Pilze! Ich singe euch Hymnen von fleischlicher Querung des engumzäunten Begehrens. Nichts, keine Lamelle, keine Rundung widerspricht mir. Die dünne Haut über dem prallen Körper, auch die wird nicht mehr normal sein, wenn wir einander aufs Genaueste besehen haben, Falte um Falte aus der Ummantelung gebügelt, bis wir alle so lustvoll anders sind wie unser eigenes Wollen.

Ach, Pilze! Geflecht aus Hochmut und verwegenen Träumen. Keiner gleicht euch wie ich. Im Herbarium halten wirs miteinander nicht aus, die Feldforschung aber unser Terrain. Aus dem Waldboden taucht ein Vater Erdfrüchte, die mir verborgen waren, und ich spüre es ist meiner. Seine Pilzgerichte lehren mich sachte, Tochter zu sein.

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Auszug aus: „Liebeleien mit Wuchsformen. Eine translibidinöse Pflanzenkunde.“

 

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Sofie Morin

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