Das unperfekte Gedicht

Der Perfektionist sitzt freudig noch in seinem Zimmer –
Er schrieb gerade ein Gedicht.
Doch merkt er schnell, ganz so wie immer:
Zufrieden bleibt er damit nicht.

Ein Vers zu viel, ein Wort zu wenig.
Und reimt sich das denn gut auf König?
Ein reiner Reim ist ihm zuwider,
Unrein reimen mag er lieber.

Und Zeilensprünge, wie an dieser
Stelle hier – das ist sein Hochgenuss!
Aber lange währt der Hochgenießer
Nicht in jenem Augenblick – der Schluss

Macht ihm doch sehr zu schaffen,
Weil noch der Anfang ihm den Kopf zerbricht.
Perfektionismus lässt dich scheinbar alles besser machen,
Nur damit fertig werden nicht.

 

Andreas Köllner

 

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