freiTEXT | Madlin Kupko

freiTEXT_Illus8

Ein Neuanfang auf ewig

Salzburg, Salzburg, Salzburg.
Du versprachst so viel.
In all’ deiner Ruh, in all’ deinem Frieden.
Du hast mich geblendet, du hast mich gegeißelt,
du hast dir alles genommen, wie es dir beliebt.

Hoffnungen keimten, Hoffnungen vergingen.
Klopfende Herzen im Einklang, unendliche Freiheit.
Hand in Hand die Salzach entlang, Tränen vor Freude, Lachen aus Lust.
Neue Menschen, neue Erfahrungen, neuer Lebensmut.

Plötzliches Vergehen, ein klopfendes Herz das bleibt.
Vergessen, vergessen, vergessen.
Ein anhaltendes Flehen sich umzudrehen.
Ein anhaltendes Flehen endlich zu gehen.

Salzburg, Salzburg, Salzburg.
Ein letzter Abschied.
Endlich in Ruh, endlich in Frieden.
Neue Kraft, neue Erinnerungen,
verdrängend den Rest.

Madlin Kupko

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freiTEXT | Simone Lettner

freiTEXT_Illus-2

Gefangen im Zwiespalt zweier Welten

Es ist wahr, ich lebe zwischen solchen Welten,
Dass, was in der einen zählt, nicht kann auch für die andre gelten.
Ich kann's nicht und muss es doch - mich selber spalten,
Fühle mich wie von verschied'nen zwei Gewalten festgehalten.
Doch ist dies nur mein ganz eig'nes - mein Vergehen,
Hier kann nicht gesprochen werden von nur einem Urversehen.
Denn ich selber wollte diese zweite Welt ja -
Konnte nicht erahnen, ahnte nicht, dass damit erst're fällt – ahh!
Dieser Zwiespalt, doch nichts will ich jetzt aufgeben,
Denn das eine nur, das and're nicht - das wäre nicht mein Leben.

Simone Lettner

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freiTEXT | Eva Löchli

freiTEXT_Illus10

 

maradana neujahr

der mann steht am strand
seine beine sind weich und
sein kopf ist leer
herausgebrannt sind die namen
verschollen die worte

im dunkel jetzt hört er
das rauschen des wassers
das klingt wie sein leben
und das leben war schwer
vor der flut
in den booten
im sand
ein jahr
noch ein jahr noch ein jahr
und vorbei
und dies jahr wäre jung
und es kann nicht beginnen
ertrunken der anfang

die augen des mannes sind fort
das feuer von schmerz und angst
ist in den höhlen
erloschen
und es ist nicht schwer
sein leben
denn es ist nicht
verloren sein boot
das kind weggeschwemmt
ein riss im sand
in ihm

der mann steht am strand
hat in den ohren das rauschen
und ist nicht
da

Eva Löchli

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TEXTart

Straßenkunst aus München und Texte von Veronika Aschenbrenner: eine Symbiose.


freiTEXT | Magdalena Ecker

freiTEXT_Illus-4

Der Seelenfänger

Die herbstlich bunten Wälder
tun Nebelkleider an
Es liegen leis die Felder
in magisch, düstrem Bann

Lautlos kreist ein Rabe
ruft schaurig „Nimmermehr!“
Durch seiner Augen Farbe
wird die Seele blass und leer

Er trägt auf seinen Schwingen
wie`s scheint die ganze Welt
Oh, trübsinniges Singen
dass die Nacht ringsum zerfällt

Der Morgensonne Strahlen
trinken sacht den kalten Tau
Träume, die die Schatten stahlen
Des Raben Lied klingt ach so rau

In seiner schmucken Schwärze
Im Geäst der Rabe thront
Und Glanz der teuren Erze
in seinen Federn wohnt

Des Raben Augen zeigen
einen weit entfernten Ort
Stets musst du die Blicke neigen
sonst nimmt er dich mit fort

Magdalena Ecker

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freiTEXT | Thomas Mulitzer

freiTEXT_Illus-2

4. Sinfonie in a-Moll, op. 63

Und auch wenn ich mich jeden Abend auf die Lauer leg
Mit Sibelius und der Flasche Jameson
Mit diesem Stechen im Herz
Und ein Gedicht nach dem andern rausscheiß
Kann ich mir davon trotzdem keine Semmeln kaufen

Ich weiß ja nicht, ob’s früher leichter war
Die ganze Sache mit dem Schreiben
An die Großen komm ich sowieso nicht ran
Die besten Sätze haben sie mir längst geklaut
Und das bisschen Ruhm reicht nicht für Stolz
Geschweige denn ein Dach überm Kopf
Ich verscherble meine Lebenszeit
Und kauf mir Zeit zum Zeit verschwenden

Ich frage mich, ob dieses Gefühl der Sinnlosigkeit
Je verschwinden wird oder ob ich
Ewig zaudern werde
Ewig zögern, zweifeln
Ewig Zeile um Zeile hinschmieren werde
Nur um sie später zu verbrennen

Die Pauken setzen ein
Und der Whiskey fährt mir in den Schädel
Und ich schreib noch ein paar Wörter
Dann hau ich mich ins Bett
Und starre in die Dunkelheit

Thomas Mulitzer

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Eiskalt und zugleich so weich

Eiskalt und zugleich so weich,
So voller Lebendigkeit und Wonne,
Dies ist meine Zeit, mein Reich.
Der Schnee ist meine Sonne.

Eva Wimmer


Manuel Riemelmoser - Postmoderne u.v.m.

manuel_page

postmoderne

ich mag die postmoderne.
das ist das problem: man muss sie einfach mögen.
man kann gar nicht anders.
ich mag das MAN. ich kann gar nicht anders.

fünf tage

gitternetzlinien von konsonanten gefestigt
das bächlein atem das nichts ungerades fasst
fasst M und T und C und L
zerstückelt und lässt schwimmen

vokative singen tenörisch
und obwohl ich sie nicht erhöre
schmuggeln sie unter mir phantastisch
wissen wovon sie sprechen
spüren aber nicht die sprache

piepsend weckt das ding endzeit auf mich
zeigt mein fleisch als zahlenkonstellation
wirft etwas kümmel auf die beine der last
und mit ei hält es rund den nachmittag an
wenn die wirklichkeit dann durstig wirkt
und tröpfelwasser aus dem waschlappen
zumindest die decke in vokalen auflöst
kommen leerstellen zum vorschein
an denen ich mich wieder einklinke

deine brüste lebten fünf tage lang
nur durch die bewegung deiner augen
wenn jetzt die welt staubt
braucht es eigentlich nur kalte feuchtigkeit
erstens atem zweitens eis

wald

ich gehe in den wald
ich nehme mit
ich entscheide mich
ich laufe
ich umarme
ich vergrabe
ich feiere
ich sehne zurück
aber
ich gehe in den wald
ich nehme an

Manuel Riemelmoser - warten auf das große wort