freiVERS | Dennis Hannemann

Sommerimpressionen

i.

Ein Strom verzweigt auf den Feldern,
ein Rettungsboot kurz vorm Kentern,
Wachen und Helfer, Zelte mobil
in Kunststoffwelten versetzt, zu wenig
Rasierzeug und Stoff, die Fremden schöpfen
empfangen zu keiner Zeit.

ii.

Verlieren Angst auf-
marschiert plakatiert
Wände und Zäune
Baracken glühen.

iii.

Der Eurocity
hinauf zum Brenner,
er sitzt im selben Abteil,
namenlos no identity,
er trägt einen Skateschuh,
er hat kein Gepäck, er läuft weg
am Bahnsteig ankunftslos.

iv.

Sand und Hitze alpenwärts
treffen Hölzer spenden
Schatten der Erinnerung
nichts dergleichen schwindet
in spröden Zeiten zutiefst.

Dennis Hannemann

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freiVERS | Enno Ahrens

Q

die schwarzgezogene wurzel
aus 25 steigt auf am geistigen
horizont ein neues gestirn an
meinem knallerbsenstrauch

man muss nur tief genug
graben die engerlinge über
die klinge des spatens
springen lassen dann
erweisen sie sich sehr
flexibel als quastenflosser
vielleicht oder als
reu-selige quecke

so finden scharrende
hühner ihren gott
eventuell den allseits
begrabenen hund

Enno Ahrens

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freiVERS | Patricia Falkenburg

Möwentableau.

Weiße Vögel
Auf kartoffelknollig gefurchtem
Braunem Grund.
Schwingen verwahrt,
Einbeinstand
Im rauschenden Regen. Regen.

Kein Licht
Am grauen Himmel,
Leintuchwolken, streifenfrei.
Weiße Lichtpunkte,
Köpfe in Federn geduckt,
Auf dem Feld im Regen. Im
Rauschenden Regen.

Patricia Falkenburg

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freiVERS | Eva Brunner

lpk

die Pflastersteine von Hierapetra
ließen die Mamorfrau vorher gehen
das Planimeter noch in der Tasche

komm geh einen Palast besetzen
Pampelmusen und Pistazien essen
deine Traurigkeit plastisch machen

das Patriarchat ist keine Primel leider
Papier kann helfen Pik kann stechen
denn deine Unschuld ist antik

Eva Brunner

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freiVERS | Susanne Rzymbowski

Verschachtelt
die Sätze in deinem Kopf
aus Fragmenten
einer Zeit die gewaltig
im Nichts tobt
als Schimmer aus Zukunft
ohne Erleben
und dein Herz stahl
für den Moment
der verhungert
so umherirrt
und du schweigst
zu der dir bleibenden Welt

Susanne Rzymbowski

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freiVERS | Lütfiye Güzel

geisterbahn-karussell

zwanzig neue bücher
in gepolsterten umschlägen
die klammern stecken
ihre köpfe
durch die beiden löcher
ich klebe die seiten noch zu
bevor ich beschossen werde
von meinen eigenen organen

Lütfiye Güzel

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freiVERS | Enno Ahrens

Im Geisterdorf

Ihr Geschrei ist verstummt
keine Kinderhand entzündet
sich mehr an den Nesseln
am Saum der Gärten stehen
sie verschlafen
die Häuser nur noch leere
fruchtlose Hülsen vereinzelt
bewohnt von Alten gefallen
wie aus einer längst
vergangenen Zeit
ein Greis döst in seinem
Lehnstuhl unwirklich
wie ein Rauchermännchen
verschwindet einen kurzen
Moment in dem Qualmwirbel
wie in einem schwarzen Loch

einzig die Ente im
verwilderten Fischteich
zeigt sich befindlich
beim Eintauchen
den Bürzel aufwärts

Enno Ahrens

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freiVERS | Steffen Bach

kaugummiautomat

sommer am kaugummiautomat
sommer vorm kaugummiautomat
meine hände sind trocken und glatt
schmiergelig rau weiße Knallerbsen
hängen an dem strauch. der weg ist
zu steil um ihn mit inlinern herunter
zu fahren man müsste sich auf der wiese
abrollen am besten sich auf die wiese werfen
und immer weiterrollen bis der ganze schwung
verbraucht ist das traue ich mich aber nicht
dann werden meine klamotten dreckig

Steffen Bach

Dieser Text erschien vor kurzem in der Anthologie Almanach im Verschlag Verlag.

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freiVERS | Clara Heinrich

frühling

wir jumehrten in der ersten wonne, bistrotteten im sichten gepente. die pursi figerten, das frein gelierte. du sukzessiertest, nur kein tabell, alles bitte nur kein tabell, fruh mich nicht! ich grandete, karierte, gaspelte. du bist ein pepin, abandest du. ich lanzierte dir meschui das dormionte. der etrang war lanur und espisch. wie im denti jaunerten wir, klamaukerten die hepte mit harisch, die greine mit lisen. rüstel ist aber zirrich heute, wirschelst du. quellte wie er zalpe, vertriente ich. ja, quellte wie er zalpe, verlöst du. oh, wie gezerrlich das sichte gepente, gepöselst du noch. Ich gemunierte.

Clara Heinrich

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freiVERS | Urs Böke

Feldjacke

Mit der Feldjacke an
sitze ich auf dem Balkon
ich höre die Streitereien
das Jaulen der Hunde
 
Ich höre hin
wenn bei den Nachbarn
die Hände ausrutschen
wenn sie sich lieben
höre ich weg
Seltsam…;
Langsam dämmert es
und es dämmert mir
ich schließe den Kragen
der Feldjacke enger
Regen setzt ein
dann ein Gewitter
 
Noch einen Schluck
aus der Flasche
dann noch
drei letzte Biere
Es sind immer nur
Schlücke und Stoffe
Gewärmt
haben Menschen
noch nie.
Urs Böke

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