freiVERS | Philipp von Bose

Licht und Stiege

dünn die farben-fäden über hingekleckstem
grün, die frühlingsboten streunen und die
krokusaugen blinzeln lila in den tag.

der letzte schnee an kreuzwegen: drangsal in eis unter
sonnen im sinnen der hoffenden schafe.

im augenblick zerrütten die wolken nur selten das licht – dann
manchmal regen, wenn die wiesen schüchtern ihre fragen stellen
und ein name.

ein name auf der zunge. auf der zunge eines
jungen, die sich löst vom kalten stahl des winters.

gestreifte betten im schlafzimmer, kein
wimmerndes keuchen durchs fenster, nur
zebramuster-maserung vor dem moment
der nackten füße auf dem teppich.

lamm noch zu werden im langsamen
brechen der glitzernden haut / erwachen zu können
zu feldern aus licht.

 

 

 

man streckt ohren übers land. zu horchen dem
tassen-geklingel, den zwitschernden zweigen, dem
warmen entspringen.

man spricht leiser, etwas lachend über politik
vor der hauswand des hotels, die ganz in
löwenzahn verwurzelt.

und im wohnzimmer die jakobsleiter:
von stetem drang, dort hochzusteigen,
von großer müdigkeit umhüllt.

 

Philipp von Bose

 

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freiVERS | Philipp von Bose

Die kleinen Triebe

 

fast wie                 abdrücke der jungen jahre

liegen triebe zugewandt             im wachstum meiner

hände

 

aus der nähe angesehn                       scheint ein lichter wald

(aus dem stumpf und all dem warten) kraftvoll                    aus sich selbst

zu gehen

 

selbst im schatten                        diesem kalten haus

treibt sie der wunsch                     von zeit geführt

die decke grün

dem licht zu geben

.

Philipp von Bose

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freiVERS | Philipp von Bose

Nun verzichte ich wissentlich

erkläre mir das lied vom tod,
damit ich mich nicht fürchten muss.

gibt es eine große tat, im tiefen
etwas mystisches,
wenn alles kalt & nennbar ist?

mondän ist die erschütterung, die
aufgeklärt durch köpfe zieht...
wie wolken: keine schäfchen mehr.

das wunder liegt verwundet da
und die tat, die möglich ist – erosion
durchs definieren

der zeit
der farben
und des lichts.

am anfang gab der geist
uns scham, nun...

.

Philipp von Bose

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