ZZZ 2/12 | Andreas Reichelsdorfer

Geb. 1986 in Fürth. Autor, (Pop-)Musiker, lebt in Wien. Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik in Zeitschriften und Anthologien. 2016 erhielt er den Superpreis der Zeitschriften metamorphosen und Das Prinzip der sparsamsten Erklärung. Im Winter kommt die Story „Sam Spade: Privatdetektiv/Auto“ bei SuKuLTuR (Berlin).

Andreas ist Teil von Zweifel zwischen Zwieback, der Kurzprosa-Anthologie zur 20. Ausgabe des mosaik. Sein Text "Gesetze der Logik" ist einer von 12, die anonym ausgewählt wurden, sich in diesem Band zusammenfinden und am 2. Dezember 2016 erschienen sind.

Gesetze der Logik

„Und wäre es möglich, derart abrupt einzusteigen, und/oder lautlos, und vielleicht sogar wieder zu verschwinden – kämen wir dann nicht hinterrücks in einer anderen Realität wieder zum Vorschein, eingeschleust durch einen Hintereingang beispielsweise, oder seitwärts, oder spiegelverkehrt? Dächte man einen Fall durch, nämlich den des Protagonisten X, zweiunddreißig Jahre alt, Schlosser, schlau und ehrlich (aus manchen moralischen Perspektiven heraus betrachtet), in welchem er sich unbemerkt aus Realität (R) 1  (vermutlich: „hier“) hinaus seinen Weg bahnte und gleich im nächsten Moment (der nächsten Sekunde, der nächsten Millisekunde, dem nächsten Augenzwinkern etc.) am Ende beziehungsweise am Anfang von, sagen wir, R3 wieder auftauchte und uns ein Lächeln oder, wie in diesem Fall, ein Grinsen entgegenwürfe (luzid) – bekämen wir es in einer solchen Situation dann mit der Angst zu tun?“

[...]

Auszug aus Zweifel zwischen Zwieback - ab 2. Dezember erhältlich

Buchpräsentation am 2.Dezember in der ARGEkultur

ZZZ 1/12 | Veronika Aschenbrenner

Geboren 1986 in Salzburg, Studium der Pädagogik und Soziologie. Bisherige Veröffentlichungen: Krähenfreiheit (Arovell, 2013). Wind im Sand (Albatrust, 2008).

Veronika ist Teil von Zweifel zwischen Zwieback, der Kurzprosa-Anthologie zur 20. Ausgabe des mosaik. Ihr Text "Wir nennen sie Marbella" ist einer von 12, die anonym ausgewählt wurden, sich in diesem Band zusammenfinden und am 2. Dezember 2016 erschienen sind.

Wir nennen sie Marbella

„Seid doch endlich still!“

„Für unseren Gast, also bitte!“, springt ihm der Georg unterstützend bei und es wird sofort ruhig in der Stammtischecke. Ein paar Dorffremde, hauptsächlich alte Leute, wenden sich den Fünf am Stammtisch zu, weil es mit einem Mal still geworden ist, wo es zuvor doch sehr laut zugegangen war. Vor allem seitdem der eine dabei sitzt, der zuvor alleine sein Schnitzel gegessen hat. Und was für ein Schnitzel – ein Prachtschnitzel, von der besten Sau weit und breit. Damit rühmen sich die Wirtsleute hier, dass sie die besten Säue haben. Nichts gemästet, alles gut angefressen. Sogar in der Natur. Da würde ein jeder Bio-Fleisch-Jäger seinen Sanctus dazu geben, aber das ist den Wirtsleuten wurscht, weil sie machen nur, was einem der Verstand ja ohnehin sagt, wenn man ein bisschen einen Bezug zu Tier und Natur hat. Alle im Dorf wissen, dass es hier Prachtschnitzel gibt und die Fremden, die müssen selber draufkommen. So sind sie auch ins Gespräch gekommen mit dem Fremden, weil der die stark geschminkte Kellnerin gar sehr gelobt hat für das Stück Fleisch und da hat der Luki, in seiner Art, wie er halt so ist, sich hinübergeneigt und gerufen: „Wenigstens einer, der was versteht!“

Der Fremde hat dann nicht, wie sonst üblich, bloß nett zu ihnen hinübergelächelt, sondern hat halb gefragt, halb gesagt: „Kann ich mich zu euch setzen?“ Dass ein Tourist derart offen ist, das kommt selten vor – vor allem, wenn er noch keine drei Radler getrunken hat. Aber so ganz wie die üblichen Touristen sieht er auch nicht aus. Luki findet ihn sympathisch. Ist er ja sonst nur mit Leuten zusammen, die viel älter sind als er. Und dann hat er auch die Förmlichkeiten gleich beiseite gelassen. – Dem Georg hat das nicht recht gepasst: „Naja, sind wir schon beim Du?“, hat er leise gemeint. – Noch sympathischer hat er sich gemacht, für den Luki, weil er sie gefragt hat, wie es ihnen denn so ginge mit den Fremden, mit den Touristen vor allem, aber auch so … mit 'Zugereisten'. Na, und da hat nicht mehr viel gefehlt und Krawetz, Georg und Luki sind auf ihre neue Mitbewohnerin gekommen.

„Als sie eingezogen ist, waren wir alle in der Arbeit. Außer der Georg, der hat sie kurz gesehen, aber sie hat sich sofort in ihr Zimmer verzogen! Recht viel wissen wir deshalb immer noch nicht über sie. Nur ihren Namen und den können wir nicht aussprechen … deshalb hat der Georg sie Marbella genannt, weil er sie so außerordentlich schön findet“, fängt der Krawetz an zu erzählen.

[...]

Auszug aus Zweifel zwischen Zwieback - ab 2. Dezember erhältlich

Buchpräsentation am 2.Dezember in der ARGEkultur

Foto: (c) Arne Müseler


Zweifel zwischen Zwieback: Die Auswahl steht

Es ist wunderschönes Wetter. Wir lesen ein Buch, das es noch gar nicht gibt.

Die Jury hat sich nach intensiven Wochen und mehr als 500 Din-A4 Seiten Lesematerial zu einer Entscheidung durchringen können. Wir haben uns diese Auswahl nochmal in Ruhe angesehen und können sie uneingeschränkt übernehmen.

Aus der allgemeinen Stellungnahme der Jury:

"Kriterien waren, wie sich im Zuge unseres Gesprächs gezeigt hat, natürlich Themenerfüllung (auch wenn wir hierbei nicht ganz so streng gewesen sind), stilistische Eigenständigkeit, Kreativität, Kohärenz, Aufbau des Textes und auch, ob der Text seine Qualität wirklich durchgehend halten konnte. Außerdem haben wir darauf geachtet, dass die Texte auch als Anthologie funktionieren, also möglichst verschiedene Zugänge zur Themenstellung eröffnen. [...] Das wird sicher ein ganz tolles, "jubiläumswürdiges" Buch."
An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dank an unsere Jury, die so kompetent und intensiv sich mit den Texten auseinandergesetzt haben. Es waren dies:
  • Sigrid Klonner, Autorin
  • Marlen Mairhofer, Autorin und Literaturwissenschaftlerlin
  • Christian Lorenz Müller, Autor und Kulturveranstalter

Wir baten die Jury, 5-10 Texte aus euren Einsendungen auszuwählen. Schlussendlich wurden es 12. Einzig und allein, weil die Qualität eurer Texte so hoch ist, dass eine Einschränkung auf weniger Texte nicht gegangen wäre. Die Texte waren anonymisiert, daher fanden wir die Auswahl besonders spannend. Einige Auffälligkeiten haben sich gezeigt:

  • sowohl die erste als auch die letzte Einsendung sind im Buch vertreten
  • die Geschlechterverteilung ist zufälligerweise genau 50/50
  • auch das Verhältnis von AutorInnen, die bereits im mosaik veröffentlicht haben zu jenen, die uns neu sind liegt genau bei 50/50
  • das Genre Prosa wird in alle Richtungen ausgereizt: lyrische Einschübe, fast schon ein kurzes Drama, essayistische Darlegungen oder grafische Elemente zeugen davon...

Weil kaum jemand weiß, dass heute in Österreich und Süddeutschland Feiertag ist - oder geschweige denn: Warum? -, haben wir uns gedacht: Lasst uns doch etwas eigenes zum Feiern finden. Im Laufe des Tages gehen die Zusagen an die 12 AutorInnen raus. Und leider auch die Absagen. Anyway: Es kommen bald neue Ausschreibungen zu neuen Projekten.

Die 12 Autorinnen und Autoren werden wir in den nächsten Wochen hier einzeln vorstellen. Gleichzeitig beginnt das Lektorat, Satz und Grafik. Es wird schön gewesen sein!


mosaik20 - was jetzt passiert...

 

Kaum ist der Einsendeschluss vorbei, vergisst man leicht darauf. Doch wenn eure Arbeit endet, beginnt unsere erst.

 

Was ihr gemacht habt:

Ihr habt uns wunderbare, höchst unterschiedliche Texte, Fragmente, illustrierte Prosa und ganze Kurzprosareihen geschickt - alles zum "Thema" Zweifel zwischen Zwieback. Dort kommt der Junge von der Zwieback-Packung vor - und die Zwieback-Brösel im Bauchnabel.

-

Was wir jetzt tun:

Alle Texte wurden anonymisiert und standardisiert und so der Jury übergeben. Ungefähr 500 eng bedruckte DIN A4-Seiten sind das... Diese jungen und fähigen AutorInnen und Menschen aus dem Literaturbetrieb werden in den nächsten Tagen eure Texte studieren, drüber diskutieren und uns anschließend eine begründete Auswahl präsentieren.

Und dann geht der Spaß erst so richtig los:

  • Lektorat
  • einheitliche AutorInnenfotos und -biographien
  • Layout, Satz & Grafik
  • Drucklegung
  • Buchpräsentation
  • #famefamefame

 

Was ihr jetzt tun dürft:

Hände hinter dem Kopf verschränken. Geduld haben. Oder die Zeit nutzen und Schreiben und Lesen:


Ausblick: Was 2016 bringen wird.

In zwei Teilen haben wir auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Nun wird es Zeit, in die Zukunft zu planen. Ein erster Übersicht über das, was euch im kommenden Jahr erwartet.

Mit 4 Ausgaben 2016 soll mosaik auch weiterhin eine niederschwellige Plattform für junge Schreibende darstellen: Texte aller Art sollen unkompliziert und ungebunden veröffentlicht werden können. Neben literarischen Texten sind ausdrücklich auch nichtliterarische Textsorten wie Essays, Kommentare oder Forschungsberichte und auch Rezensionen, Interviews sowie Veranstaltungsberichte erwünscht. Im Jänner erscheint mosaik17, mosaik18 und 19 folgen im Frühjahr, mosaik21 im Herbst.

-

mosaikzeitschrift.at

Alle Ausgaben werden auch in Zukunft digital angeboten. Denn auch wenn die Printversion dank eurer Mithilfe nicht nur in Salzburg sondern in vielen Städten im gesamten deutschsprachigen Raum erhältlich ist, ist die PDF-Version ein gern gesehener Zugang. Doch online wird noch mehr passieren:

Das Advent-mosaik versorgt jeden Advent täglich mit neuen Texten von 24 AutorInnen, und in der Reihe freiTEXT stellen wir jeden Freitag einen Prosa-Beitrag einer anderen Autorin/eines anderen Autors vor. Eine weitere Reihe stellen wir euch in Kürze vor.

Sowohl die freiTEXTe als auch das Advent-mosaik werden auch 2016 wieder als kostenlose eBook-Anthologie erscheinen. Informationen zu AutorInnen und Ausschreibungen werden laufend über mosaikzeitschrift.at vermittelt.

-

Buchprojektequadrat_zwieback

mosaik20 soll in Tradition von mosaikX erneut als Kurzprosaanthologie erscheinen. Ein entsprechender Aufruf endet am 3. März 2016. Im Anschluss wird eine unabhängige Jury aus Menschen aus dem Salzburger Literatur- und Kulturbetrieb anonym die Auswahl der Texte vornehmen. Ein intensives Lektorat und ein bibliophil hochwertige Produktion runden das Projekt ab. Zu diesem Zweck wurde 2015 der Imprint edition mosaik im Verlag Neues Leben Salzburg gegründet – das Projekt grenzt sich dadurch von der allgemeinen Verlagsarbeit ab, sichert sich jedoch rechtlich über diesen ab.

Weiters wird die edition mosaik weitergeführt und ausgebaut. 1.1, Peter.W. - Schulterratten, geht in die zweite Auflage, 2.1 erscheint im Februar mit hochqualitativer Lyrik, 2.3 und 2.4 im Frühjahr mit Essays bzw. Kurzprosa - jeweils im Dialog mit spannender bildender Kunst und dem bereits bekannten Rahmenprogramm. Wir sind schon ziemlich aufgeregt.

-

Lesungen

2016 ist die gewohnte Geburtstagslesung zur Präsentation von mosaik17 im Jänner und die dritte Auflage der Lesung studentINNENfutter in Kooperation mit der SAG am 7. Juni im Literaturhaus geplant. In Planung sind zudem zwei Lesereisen, die uns im Februar nach Tirol und im April nach Deutschland führen werden.

-

Kooperationen

In Zusammenarbeit mit Labor L’art, dem Netlabel des Bureau du Grand Mot, gibt es Pläne für literarische Projekte innerhalb des Labels: Neben klassischen Lesungen sollen insbesondere experimentelle literarische Formen sowie crossmediale Inhalte gefördert und umgesetzt werden. Zudem soll die Kooperation mit der KulturKeule beibehalten und ausgebaut werden. Die freundschaftlichen Beziehungen zu unabhängigen Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum werden aufrechterhalten und ausgebaut. Mit den Fisci di Carta aus Genua werden Kooperationsprojekte vorbereitet.

Ein Höhepunkt wird die Kooperation mit einer Großveranstaltung am Jahresende (bloß noch nicht zu viel verraten) und das damit einhergehende Buchprojekt sein. Neue Herausforderungen für uns - neue Inhalte für euch.

-

Finanzierung

Da sich das Angebot des mosaik insb. 2015 stark erweitert hat, sind wir nun vor neue (auch finanzielle) Herausforderungen gestellt. Die Ausweitung erfolgte zum einen aufgrund unserer Begeisterung, zum zweiten aufgrund der stärkeren Verbindung mit dem Bureau du Grand Mot sowie befreundeten Literaturzeitschriften und den damit verbundenen neuen Ideen und Inhalten, und nicht zuletzt auch aufgrund der gestiegenen Nachfrage von Seiten der AutorInnen gleichwohl wie auch vonseiten der Lesenden. Das mosaik ist in seinem fünften Jahr zu einer festen Größe in der (Salzburger) Literaturlandschaft geworden und bereit, die aufgenommene Arbeit in den nächsten Jahren zu intensivieren beziehungsweise auszuweiten.

2016 bringt neue (zeitliche wie finanzielle) Herausforderungen, denen wir uns gerne stellen und den wir mit unserem steten Fokus auf inhaltlicher wie äußerer Qualität begegnen wollen. Damit können nicht nur Autorinnen und Autoren stärker gefördert, sondern auch junge Literatur vermehrt in der Gesellschaft verankert werden. Gehen wir es an!

euer mosaik

Beitragsbild: Filmdreh "in the cloud with sea sounds", Foto (c) Mark Prohaska


Ausschreibung: Zweifel zwischen Zwieback

mosaik wird erwachsen. 20 Ausgaben werden es im kommenden Herbst sein. Wir wollen die Gelegenheit wieder nutzen und uns erneut an ein größeres Projekt wagen.

Zur Zwanzigsten Ausgabe laden wir zu einem Kurzprosa-Band ein. Wir sprengen die engen längenmäßigen Grenzen des mosaik – du darfst dich in deinen Gedanken, deiner Erzählung, deinem Text austoben. Kreativ oder klassisch, kritisierend oder komisch, verrückt oder ganz normal: Wir wollen deine Literatur. Alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt. Nur eines soll euch alle einen:

Zweifel zwischen Zwieback

Dich hat die Muse bei diesem "Thema" noch nicht geküsst? Zweifle nicht. Lass nichts zwischen dich und Ausgabe Zwanzig kommen. Zwacke dir ein Stück Zwieback ab und beginn zu schreiben. Und tu dir keinen Zwang an: der Zweifel zwischen Zwieback ist ein weites Feld, durchaus auslegbar.

Wir suchen unveröffentlichte Prosatexte aller Art zwischen 1500 und 5000 Wörtern. Eine Jury aus AutorInnen und Menschen aus dem Literaturbetrieb trifft im Anschluss unabhängig von uns und anonym die Auswahl.

schreib@mosaikzeitschrift.at | Einsendeschluss: 3.3.2016

 

Du suchst Inspiration? X, die Kurzprosa-Anthologie und Zehnte Ausgabe des mosaik ist 2014 erschienen und noch in Restexemplaren erhältlich.

Wir freuen uns auf eure Texte,

euer mosaik