edition mosaik 1.1 | Peter.W. – Schulterratten

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Drei Strips. Einführung, Fortführung, Pointe. Bleistift auf weißem Papier. Ratten, die auf Schultern sitzen. Was so einfach klingt birgt großes literarisches Potenzial. Der Autor, Musiker und bildende Künstler Peter.W. schafft mit seiner anarchistisch reduzierten Comicreihe einen Kosmos von Charakteren und literarischen Referenzen – sympathisch, aber doch irgendwie grausig. 

Eine neue Reihe literarischer Publikationen mit Dilletantismus und Reduktion zu eröffnen ist nicht unbedingt der gewohnte Weg. Doch mit den Schulterratten von Peter.W. wird aufgezeigt, wie breit sich die moderne Literatur streut. Und auch wenn Comics und Graphic Novels in unseren Breiten noch nicht kanonisiert sind, so weisen die Schulterratten eine unverkennbare literarische Qualität auf.

Das zeigt sich in der pointierten Erzählweise ebenso wie in den selbstironisch vorgebrachten Wortspielen. Wenn die jugendlichen Ratten Beat und Box untertitelt werden oder die Ameise plötzlich Esperanto spricht, dann lässt Peter.W. ein Feingefühl für Sprachen und deren Wirkung auf den Leser erkennen. Denn ja: Auch wenn der Zeichner den überraschend auftretenden Autor als „alten Erzfeind“ einführt, so steht hinter den Schulterratten auf jeden Fall (auch) ein Schriftsteller.

Über drei Jahre lang begleiteten die „Perlen der Weltliteratur“, eigenwillige Zusammenfassungen und Stellungnahmen zu literarischen Klassikern von eben diesen Schulterratten, die regulären Ausgaben des mosaik. Jetzt, wenn die Comicreihe ihr (vorläufiges?) Ende findet, wollen wir noch einmal zurückblicken auf die Entwicklung von vorsichtigen Skizzen bis hin zu vollendeten Storylines.

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Wir könnten uns keinen besseren Einstieg in die edition mosaik vorstellen als mit den „mit feinem Bleistiftstrich gezeichneten Schultersitzern“. Dafür mussten wir das zugrunde liegende Konzept aber gleich einmal umkehren: Grundsätzlich werden in dieser neuen Reihe bildende Künstler auf literarische Werke reagieren um gemeinsam ein Gesamtkunstwerk zu formen. Da es sich, wie Peter es formuliert, bei Comics um eine „Zwischenwelt zwischen bildender Kunst und Literatur“ handelt, wird diesmal literarisch auf die Strips reagiert: Stefan B. Findeisl findet einen ganz persönlichen Zugang zu Anarchie und linken Schultern.

Nichts. Blick nach links. Immer noch nichts. Seit ich vor Jahren zum ersten Mal davon gehört habe, wollte ich auch eine haben. Ich habe alles probiert, aber die Stelle blieb leer. Warum es bei mir die linke Schulter sein sollte, weiß ich gar nicht mehr. Irgendwie hielt ich es für passend. Wegen des anarchischen Grundgefühls das sie mir vermittelten. Vielleicht bin ich die Sache auch falsch angegangen. Mein erster Versuch, sie anzulocken, war mit Käse. Ich dachte mir wohl, was bei Mäusen klappt, sollte wohl bei Ratten ebenso funktionieren und deshalb rannte ich wochenlang mit einem Stück Käse auf meiner Schulter herum. Die schrägen Blicke und das Getuschel, wenn ich an jemandem vorüberging, waren leicht zu ertragen, freute ich mich doch schon auf die wunderbare Gesellschaft, die mir zuteilwerden würde. Ein mit feinem Bleistiftstrich gezeichneter Schultersitzer, der mich mit Witz und Ironie erfreuen würde.

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Schulterratten – Peter.W.

Mit einer mit einer Annäherung von Stefan B. Findeisl.
Herausgegeben von Josef Kirchner und Sarah Oswald.

edition mosaik, 2015, 76 Seiten, € 5,- Limitierte Auflage.

Erhältlich u.a. in der Buchhandlung Neues Leben und im mosaik-G’schäft


 

Fotos von der Buchpräsentation und Vernissage

 


Peter.W. und Stefan B. Findeisl im Gespräch

Also du hast über Ratten gesagt: eigener Charakter, Rebellentum, sympathisch – aber doch irgendwie grausig. Entsprechen diese Eigenschaften auch den Comicstrips?

In gewisser Weise schon. Das wunderbare bei den Schulterratten ist: Sie sprechen sich immer so von der Seite an, weil sie sich immer Schulter an Schulter nebeneinander befinden. Die Idee war ja auch, dass ich einerseits etwas Konkretes haben wollte, also die Ratten, die gezeigt werden – aber auf der anderen Seite auch etwas Abstraktes, das ihnen eine Bühne gibt. Du siehst nie die Halter von den Tieren, es stehen immer die Ratten im Vordergrund. Das gibt dem Ganzen eine ganz eigene Perspektive. So als würden Sie sagen wo’s langgeht!


peterw1Peter ist morgens aufgewacht und musste gleich mal. Danach hat er gefrühstückt und sich angezogen. Als der Abend kam hatte er eine neue Band. Peter macht Musik. Peter schreibt Literatur. Peter zeichnet Ratten. Peter ist Künstler. Lebenskünstler und freischaffender Künstler für eh fast alles. Ein Genialer Dilletant und passionierter Glitcher. Sein Lieblingsfetisch sind Halbglatzen. Die Malerei hebt er sich für das Alter auf.

finn1Als Stefan sich bezüglich seines Kosenamens „Finn“ erkundigte, entdeckte er die gälische Bedeutung: Der Helle. (Sowohl im als auch auf dem Kopf) Stefan ist guter Dinge, guter Haare und guten Alters. Hineingeraten – durchgewurstelt – glücklich geworden. Jetzt fehlt nur noch ein guter Kaffee.