freiTEXT | Stefan Heyer

Innere und äußere Mongolei Die U-Bahnhöfe mied Karl zumeist. Lieber raus aus dem Mief, raus aus der Stadt, zumindest zum Wannsee. Oder gleich bis zur Ostsee. In seinen Träumen fuhr er über weite Steppen. Wurde zum Mongolen. Über die unendliche Weite. Tagelang keine Seele zu sehen. War in Berlin schwierig. Berlin war voll. Auch voller […]

freiTEXT | Robin Krick

Das Geständnis Seit die Dienstvorschriften geändert wurden, dürfen wir die Hauptverdächtigen nicht mehr aufs Revier holen, um ihnen durch Schläge und Anbrüllen das Geständnis zu entringen. Unser Dienstherr ist neuerdings der Ansicht, dass es schädlich sei, die Verdächtigen zu beeinflussen. Der Wahrheit – so drückte er sich aus – müsse Gelegenheit verschafft werden, ganz von […]

freiVERS | Viktor Dallmann

jetzt staunst du viel zu viele trapeze sind dächer jetzt resurrected die gesichter als abteilung einer schwäche haben für landmaschinen tiefkobalt das klebende endgültige scheitern von hosentaschen paragraphen berühren wie mal geliebte kinder mein bienenschwarm ein bloßes lager für schalen windstille calm and tasty wipfeln wir auf drei die bäume können noch lernen wir steigen […]

freiTEXT | Slata Roschal

Ich dachte, dass ich die Stadt verschlingen werde, sie austrinken werde, all ihre Geschäfte, riesige Werbeplakate, endlose, ineinander verwickelte Straßen, das Wirrwarr bunter Gesichter, das Chaos von Babylon, aber sie war es, die Stadt, die mich verschlang. Ich reiste mit einer Tasche an und kehrte mit dreien zurück, ich wollte auf dem Bahnhof Unterwäsche, Pralinendosen, […]

freiTEXT | Maria Hengge

Geflüstertes Paar „Treffen wir uns an der Ecke?“ bittet er sie und da stehen sie im Regen unter der Laterne mit Wackelkontakt. Sie leuchten auf und sind wieder im Dunkeln. „Du meine“ flüstert er und wischt sich einen Tropfen von der Nase. Sie nimmt seine Hand: „Lass uns irgendwo reingehen.“ – „Nein, nein!“ Er versteckt […]

freiVERS | Caroline Danneil

die jungen mädchen blühen wieder kämmend eine der anderen haar. in langen strichen, bekränzend den hals mit tüchern, mit nachdruck, mit wippen. fransen wie blätter, oder zünglein von gestern, nachtropfend – gerede der schwester. in einer Eingangshalle – hockeyschläger, lauschend. haltend die wände statt sträuße von jungen männern. arme sich umarmend sorglich ihrer selbst. halbsicher […]