freiVERS | Martin Gericke

alter Spielplatz am Meer

alter Spielplatz am Meer,
verwuchert vom Moos
und der Gischt, umspült
von den Scherben, den
modrigen Schrauben und
kleinem Geäst. Der glitschige
Sand, zerfließt zwischen den
Zehen wie Brei, versinkt in
den weicheren Schichten,
barfuß pieksendes Schlendern,
auf Muscheln und Kiesel, wie
abgeriebenes Schleifpapier und
federndes Köcheln unter den
Fersen, wie waberndes Treibgut,
wie Wandern am Meer.
Und vor uns ein leergelaufener
Turnschuh, brüchiges Leder in
Falten, vergraben im Burghof
der Krebse, Geflutetes, Quietschen,
im Wind, die Scharniere, hinter
der Bucht, die verrostete Schaukel,
blättrige Haut an den Stangen, die
Kette verwildert, mit ausgekugelten
Armen und hängendem Kopf.
Wir kehrten zurück, an den Strand,
unsern Ort des Vergessens, ans Meer.

 

Martin Gericke

 

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freiVERS | Sarah Claire Wray

mutter

dir zu ehren
wie du
in der stille
der kühlen nacht
gekrümmter rücken
beine
übereinander geschlagen
eine zigarette
jeden Abend
am offenen fenster
rauche ich

 

Sarah Claire Wray

 

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freiTEXT | Tara Meister

Was bleiben

im grünen bett der hügel, darauf ein Mahagonitisch zum abendmahl gedeckt zwei stühle und ringsumher wird gierig das abendlicht verschluckt vom blättermeer, der Dschungel wächst
einander gegenüber sitzen am mahagonitisch Vater und sohn, der Vater deckt und stellt und
richtet, bis alles ist wie er es will und es sein soll und der sohn folgt mit blicken den bewegungen
versucht sie sich einzuprägen, im kopf nachzuahmen, er weiß, der Vater sieht den Dschungel nicht
und er will Vater sein, der sohn,
und nicht sehen
im abendlicht glänzt das silberbesteck, der Dschungel nicht
aber er raunt, wispert und während die augen den Vater sehen hört der sohn wie sich die bäume räkeln feuchte pflanzenarme strecken
ein rascheln von auf laub tappenden tatzen
der blick auf das dickicht ist verborgen von den schultern des Vaters und er wagt nicht, der sohn
wagt nicht sich zur seite zu lehnen, um daran vorbei zu sehen, blickt auf den Vater
die teller, den krug und hört dabei wie der Dschungel wächst und näher kommt
ein vogel schreit, er zuckt zusammen der Vater mahnt mit strengem blick
der sohn errötet beschämt, erregt
tatzen kratzen irgendwo
der Vater nimmt den krug, ein kleiner wasserfall, der Vater fängt ihn mit den gläsern auf
kein einziger tropfen schafft es über den rand
dämmerung über dem hügel, noch ist es nicht beinahenacht, zwei vögel schreien
ein letzter prüfender blick des Vaters über den gedeckten tisch, gewissenhaft
und der sohn schaudert als wäre er selbst das messer über das gerichtet wird, ob es richtig liegt
die hände auf dem tisch versucht der sohn sich daran festzuhalten aber es sind nur hände
an sein ohr dringen leise lockrufe aus dem dickicht, singende vögel obszöne düfte
die aus dem Dschungel gekrochen kommen, auf den hügel zu
lassen den sohn die blumen des Dschungels sehen, die farben haben die zu viel sind
grell und voll und einfach nur farbe zu sein scheinen, gar nicht mehr blumen
und zwischen ihnen rennen allerlei tiere, die auch bunt sind, federn und fell
alles rennt im Dschungel der wächst, der sohn sitzt, rutscht auf dem großen stuhl hin und her
um seinen platz zu finden
und der Vater faltet die hände, drei vögel schreien in den wipfeln ein rascheln
der sohn versucht die blumen nicht zu sehen, sucht ein anderes rascheln
das der stoffserviette des vaters, aufgefaltet, weiß auf dem schoß
auf dem der sohn sich jetzt sitzen sieht, das kind und er denkt, dass man von dort keine bäume sieht
weil der kopf nicht über den mahagonitisch ragt
jetzt ist der sohn zu groß für den rand des tisches oder der tisch zu niedrig
er hört wie sich die baumriesen strecken, schamlos dem himmel entgegen
aber noch einmal wirkt auch der Vater groß im dämmerlicht, den Dschungel im rücken
und sein schatten fällt lang
sie essen langsam kalt werdendes wild, im dickicht tanzen die vögel federkleider knistern
der sohn denkt daran, dass einmal in einen apfel gebissen wurde
und danach wollte man nicht mehr nackt sein
und nun, wer war nun nackter? der Vater in seinen kleidern oder die vögel des Dschungels
die ihre bunten federn trugen um zu beeindrucken, sich zu behaupten
der sohn isst das fleisch, das in seinem mund bereits zu den früchten des Dschungels wird
die äste der bäume wachsen, strecken sich weit, bis die ersten blätter den sohn im nacken kitzeln
auf der stirn des Vaters eine einzelne schweißperle die hinabrinnt an der schläfe über die wange
aber keine träne ist, denn der Vater will den Dschungel nicht sehen, den Dschungel der wächst
so essen sie ein letztes mal zu abend
den feuchten händen des sohnes
immer wieder drohen ihnen messer und gabel zu entgleiten
der Dschungel wächst neue pflanzen drängen sich durch den boden jetzt ist es beinahenacht
neue tieren bevölkern das unterholz, die teller sind leer
und wie nun die dunkelheit kommt, gehen alle scheinwerfer an im Dschungel
das neonlicht stürzt sich durch die blätterdecke und ist dabei so hell
dass der Vater die augen schließt und da erhebt sich der sohn und weint, weil er wünschte
der Vater hätte den Dschungel wirklich nie gesehen

 

Tara Meister

 

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freiVERS | Philipp Rhensius

Discount

Keira, warum hältst du deinen Kopf so schräg
warum trägst du diese Kette
warum sagst du nichts
die Lippen geschlossen zum unverfänglichen Code
Ja, Chanel hat deinen Körper gekauft
aber sehnst du dich nicht nach Freiheit?

Wie die Menschen wochenends im Cafe
mathematisch angeordnet
die Reste der Kuchen
wie Nachhbildungen von Schlachtfeldern vor ihnen
Auch sie Gefangene der Fiktion
so wie du
Keira

Wusstest du, dass 75 % aller Menschen aus 80 % Wasser bestehen
Und sie dennoch lieber schweben als fließen?
Dass sie lieber einzeln sind als Teil des Ganzen?
Die Freiheit, die du fürchtest
Keira
Ist gebunden an Verträge, die niemand unterschrieben hat

Jetzt wird's schmutzig
Der Krieg in Jemen hat 60.000 Tote gefordert
Drei Millionen Vertriebene
Und diese Leuten hier
Verdoppeln Schönheit
Oder simulieren Demokratie

Keira, warum hältst du deinen Kopf so schräg?
Du bist Wasser und Wasser muss fließen
Mach es ihnen vor

 

Philipp Rhensius

 

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freiVERS | Freya Morisse

Bevor man aus dem Haus geht, überprüfen:

ist das Smartphone da
sind die Schlüssel da
ist das Geld da
ist das Wetter da
ist das vorhergesagte Wetter da
ist die Hose da
hab‘ ich eine Hose an
ist der Standort da
ist mein Standort da
hab‘ ich Datenvolumen da
hab‘ ich Akku da
ist die optimale Route da
gibt es Hindernisse
wo sind Hindernisse
wie viele Minuten
wie viele Minuten hab‘ ich noch
ist die Zeit da
läuft die Zeit
stopp‘ ich die Zeit
sind die Pläne da
hab‘ ich Pläne (welche Pläne)
hab‘ ich Listen (wozu Listen)
kann ich heute Haken machen (schlagen)
ist das Licht da
ist das Blaulicht da
sind die Motoren da
sind die Sirenen da
sind die Flüsse da
fließen die Flüsse
bewegt sich die Stadt
beweg‘ ich mich zuerst
ist mein Körper da
ist mein Körper wach
ist Pelz auf meiner Zunge
hab‘ ich Mundgeruch bekämpft
ist mein Magen da
ist mein Magen leer
ist mein Ziehen da
ist mein Pochen da
ist mein Schweiß da (stink‘ ich jetzt schon)
sind meine Muskeln da
sind meine Muskeln wach
sind meine Füße da
hab‘ ich den Füßen Bescheid gesagt
hab‘ ich die Füße aufgeweckt
ist mein Zimmer da
ist im Zimmer Nacht
hängt im Zimmer Schlaf
ist mein Bett da
ist mein Bett gemacht
ist mein Bett noch warm
klebt Schlaf im Laken
find‘ ich die warme Stelle
sind die Träume da
sind die Träume
fortsetzbar

 

Freya Morisse

 

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freiVERS | Birger Niehaus

tiersch§§§§g§§

mitgeschöpfe,
insbesondere hunde und katzen,
sind hinsichtlich
bestimmter, nicht unerheblicher, vernünftiger gründe
außer in notfällen,
soweit es zum schutz der mitgeschöpfe erforderlich ist
hinsichtlich artgemäßer
und nicht artwidriger
schmerzen, leiden oder schäden
hinsichtlich bestimmter, nicht unerheblicher, vernünftiger, artgemäßer und nicht artwidriger
art,
zum zweck des schutzes
zu schützen.

mitgeschöpfe
sind hinsichtlich
der mitgeschöpfgemäßen nutzung von mitgeschöpfen
bei der beschränkung auf das unerlässliche maß von vernünftigen gründen
hinsichtlich mitgeschöpfgemäßer
schmerzen, leiden oder schäden
unter der aufsicht bestimmter, nicht unerheblicher, vernünftiger, freiwilliger prüfverfahren
außer in notfällen
zum zweck des geschöpfgemäßen wohlbefindens
im einvernehmen mit berufs- oder gewerbsmäßiger verantwortung,
vorbehaltlich berufs- oder gewerbsmäßiger verantwortung,
sofern die unter § 1 genannten mitgeschöpfe
nicht zur verfügung stehen,
zum zweck des tötens
zu töten.

geschöpfe
sind ihrer inneren gesinnung nach
zu humanen anwandlungen
gegenüber mitgeschöpfen,
insbesondere hunden und katzen,
durch das bundesministerium für ernährung und landwirtschaft
ermächtigt
außer zum zweck
der unter § 2 genannten zwecke.
humane anwandlungen sind nicht erforderlich
hinsichtlich des kastrierens von unter vier wochen alten männlichen rindern, schafen und ziegen,
des enthornens oder des verhinderns des hornwachstums bei unter sechs wochen alten rindern,
des kürzens des schwanzes von unter vier tage alten ferkeln sowie von unter acht tage alten lämmern,
des kürzens des schwanzes von unter acht tage alten lämmern mittels elastischer ringe,
des abschleifens der eckzähne von unter acht tage alten ferkeln, sofern dies zum schutz des muttertieres oder der wurfgeschwister unerlässlich ist,
des absetzens des krallentragenden letzten zehengliedes bei masthahnenküken, die als zuchthähne verwendung finden sollen, während des ersten lebenstages.

mitgeschöpfe
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(weggefallen)
(Inkrafttreten)

 

Birger Niehaus

 

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freiVERS | Sofie Steinfest

Kein Schreibtisch

Kinder
Kinder und Wäsche

Wäsche
Wäsche und eine Frau

Kinder
Kinder und eine Frau

eine Frau und Kinder und Wäsche und
eine Frau und ein SchreibKüchentisch

 

zum 50. Todestag von Marlen Haushofer am 21.3.2020,
einer der vielen Schriftstellerinnen am Küchentisch

 

Sofie Steinfest

 

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freiVERS | Andi Pianka

Aktiv

(Ein Drama in dreizehn Runden)

Personen der Handlung:

  1. AKT
  2. AKT
  3. AKT
  4. AKT

 

Bühne.

  1. AKT:

Gestatten, erster Akt.

  1. AKT:

Gestatten, zweiter Akt.

  1. AKT:

Gestatten, dritter Akt.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir die Frage, was Sie hier machen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir die Antwort: Ich bin aktiv.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, eine Runde auszusetzen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie darauf hinzuweisen, dass Sie sich bereits in der ersten Runde vorgestellt haben.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie darauf hinzuweisen, dass es unhöflich ist, jemanden wegen Repetition zu tadeln.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie darauf hinzuweisen, dass Streitigkeiten unseren Aktivitäten nicht dienlich sind.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie höflichst darum zu ersuchen, Ihre Repetitionen einzustellen und sich stattdessen stärker auf Ihre Aktivitäten zu konzentrieren.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie höflichst darum zu ersuchen, Ihre Maßregelungen einzustellen und sich stattdessen stärker auf Ihre Aktivitäten zu konzentrieren.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, mich in Ihrem Streit für neutral zu erklären.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, zweiter Akt, Sie allerhöflichst darum zu bitten, sich in Dinge, die Sie nichts angehen, nicht einzumischen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, erster Akt, Sie allerhöflichst darum zu bitten, mir die Entscheidungsfreiheit darüber zu lassen, welche Dinge mich etwas angehen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, diese Runde auszusetzen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, zweiter Akt, Sie ultimativ dazu aufzufordern, Ihre Aktivitäten nicht zu gefährden und deswegen Ihre Einmischungen einzustellen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, erster Akt, Sie ultimativ dazu aufzufordern, Ihre Aktivitäten nicht zu gefährden und deswegen Ihre Maßregelungen einzustellen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie zu nichts auffordern zu müssen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, zweiter Akt, da Sie unsere gemeinsamen Aktivitäten durch Ihre fortwährenden Einmischungen ernsthaft gefährden, Sie zu einem Duell aufzufordern.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, erster Akt, da Sie unsere gemeinsamen Aktivitäten durch Ihre fortwährenden Maßregelungen ernsthaft gefährden, Ihre Aufforderung zu einem Duell anzunehmen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, bei Ihrem Duell die Rolle des Schiedsrichters übernehmen zu dürfen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, dritter Akt, Ihr Angebot höflichst dankend abzulehnen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, dritter Akt, Ihr Angebot höflichst dankend anzunehmen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, Sie um eine eindeutigere Antwort zu ersuchen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, dritter Akt, Ihnen die Fresse zu polieren. (ohrfeigt dritten Akt)

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, erster Akt, Ihnen die Fresse zu polieren. (ohrfeigt ersten Akt)

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, erster und zweiter Akt, mich für neutral zu erklären und Ihnen beiden die Fresse zu polieren. (ohrfeigt ersten und zweiten Akt)

 AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, dieses unwürdige Schauspiel zu verlassen. (verlässt die Bühne)

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, dieses unwürdige Schauspiel zu verlassen. (verlässt die Bühne)

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, diese Runde auszusetzen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten Sie mir, die Rolle des Regisseurs zu übernehmen und dieses aktivitätslose Stück abzubrechen.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten Sie mir, die Rolle des Publikums zu übernehmen und dieses aktivitätslose Stück auszubuhen.

  1. AKT:

Gestatten Sie mir, die Rolle des dritten Aktes zu übernehmen.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten, erster Akt außer Dienst.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten, zweiter Akt außer Dienst.

  1. AKT:

Gestatten, dritter Akt im Dienst.

  1. AKT:

Gestatten, vierter Akt.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten, letzte Runde.

  1. AKT (aus dem Off):

Gestatten, letzte Runde.

  1. AKT:

Gestatten, letzte Runde. (verlässt die Bühne)

  1. AKT:

Gestatten, die letzte Runde geht auf mich.

 

ENDE

 

Andi Pianka

 

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freiVERS | blume (Michael Johann Bauer)

verdunstet

reifenkollern weht der wind die bruestung der duenen
hinab im hauruckverfahren verfrachtet dich ins abseits
ja jeder plan ist eine wueste blaupause eines scheiterns
auf raten oasen suchen wie viel prozent reichen wohl
aus um ausreichend versorgt zu sein wenn manche gern
behaupten gewisse dinge seien unteilbar & verlieren
ihren sinn ihre bedeutung sobald jemand mal versucht
sie zu dividieren was nicht ablenken soll vom sand
der zwischen den zaehnen & zehen & gelenken & & &
knirscht das getriebe blockiert selbstverstaendlich erst
ab einer gewissen menge & nun geraetst du erst recht
in den wirbel in den strudel in den sturm eines sich im
mer weiter um sich selbst drehenden gedankens & irrst
solange dahin bis dein knochentrockener leib verdorrt
daliegt unter der guten uralten & gnadenlosen sonne

 

 

blume (Michael Johann Bauer)

 

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freiVERS | Hans-Joachim Kuhn

ent zwei

das wort mir zerbrochen
dem rann die träne am kleid herab komm
ungesagtes steig aus dem eulen-
gewölle

steig aus der fähenspur
brustwärts ins rotgefärbte sprachest du
nicht - samenkorn lagest in stiller
mauerfuge silbenzählig in aschener
haut

zähle sie mit gespreizter
hand zähle die farben kahlgeschoren
das blau farbenblind gehe zum
puls-

schlag und zähle die schläge
halte das ohr ans herzwort augengesplittert
sind wir sind atem der schläft sich
zum wachen sturm sei erster schabe den
sinn

mit tönerner scherbe
schabe und zähle schweige nicht
wie die namenlosen im stirn-
gesträuch

auf allen spiegeln sprachloser
schlaf befahre das fremde im klanglos des
stimmbruchs im sprechgesang
schwinge den brechstein schwinge ich
höre es

bersten das schlusswort
schlägt seinen namen dir ins gesicht
vergessen im wein ins lippen-
stumm

fällt dir der rote zungen-
stein

 

Hans-Joachim Kuhn

 

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