freiVERS | Sonja Jurinka

einsamer gast

die wolken reiben sich
schüchtern gegenseitig an ihrer wolle, gläsern
stoßen die sterne
ihre hellen stimmen empor und
zeigen mit dünnem schein züngelnd
den weg in den krustigen wald
wo wurzeln sich windend
sicherheit und anker sind.

grün riecht hier die erde, während
moosbett und grasgeflecht feucht einladen
die zehen schlammig versinken zu lassen, und da:
ein zartes wasser schäumt
singend über schillernden kies hinweg und
umschlingt in gierigem tanz
das raunen der algen.

ruhe! ruft nun die fledermaus und
flimmert mit glühender haut
in die bedeckte nacht hinein.

 

Sonja Jurinka

 

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freiVERS | Sonja Jurinka

Die Ferne unter meinen Füßen

Viel zu dicht
stehen die Fichten beieinander
verschlucken jeden Lichtstrahl
der sich an den Spitzen vorbeitanzen
und das Geäst wärmen will.
Es krabbelt in der schuppigen Rinde
Nacktschnecken schieben sich voran
lassen ungehemmt ihre glitzernden Spuren zurück
wo zähes Harz aus der wunden Borke glänzt.
Ein weißer Schleier
hängt sich träge vor mein müdes Gesicht
ich schüttle mich
ängstlich
weil ich seinen Besitzer womöglich mit mir herumtrage.
Die Wanderung hinterlässt Fetzen an meinen Füßen
erdiger Dreck klebt an den Sohlen
und vertrocknete Gräser
lugen frech zwischen den Zehen hervor
umflechten gierig die Nagelbetten
kitzeln keck
als ich meine verbrauchten Beine
mühsam vor dem Kaminfeuer ausstrecke.
„Herein“ rufe ich
doch es ist nur der Buntspecht
der die Termiten aus der Veranda bittet.

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Sonja Jurinka

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