Muttersprache
I
in der bleichen Luft
des Supermarktes
drängen Gedanken:
Hundefutter,
entrückte Landschaften
aus Dosen und Licht
aneinander
die Kassiererin lächelt,
die Kasse zeigt eine Summe,
die in ein weißes
Logbuch geschrieben wird –
ins wunderbare
Buch der Wandelungen
gern würde ich die Rechnung
für dich begleichen:
die unbezahlten Stunden,
in denen du
unsere Zimmer geputzt hast,
bis dein Gesicht
glatt war
wie Raureif.
II
in meinem Mantel,
der oben zu weit ist,
trete ich hinaus.
mein Gesicht,
zusammengekniffen,
der Winter nimmt mich ein.
und die Erinnerungen an dich
bröckeln langsam vom Putz.
dass ich kaum Erinnerungen habe,
als seist du ein Archipel,
so kam es mir oft vor.
als der Winter mich ganz einnordet,
taucht doch noch etwas auf:
dass du schon damals
leicht und dünn warst,
dass ich dich schon als junger Mann
umarmte –
wie heute
den Winter.
III
die Müllabfuhr
holte das Blumengesteck ab.
die Flocken stoben auf,
als ich meine kalte Stimme
wälzte –
wie du es zuletzt
gemacht hattest.
kaum hörbar
warst du gewesen.
„man wird immer weniger“
waren deine letzten Worte.
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