Gletscherzungen
Ich komme aus einer Welt ohne Gebirge
hier ist es einige zehn Millionen Jahre alt
es war ein Meer
das wurde verschoben
ist verdurstet
in seinen Buchten
polierten Gletscher Täler
zu steinernen Flossen
die bis in den Himmel wuchsen
Die kleinen Wege auf den Gipfeln
tragen Spitze
die Nippel über den Wolken
und ihre Konturen entlangfahren
solange die Zungen
noch etwas zu sagen haben
das Hecheln üben
und unsere Lippen
im Wind anfeuchten
Dort wo die Felsen den Himmel berühren
ans Schweben glauben
die Liebe lernen
ernst zu nehmen
diese Hoch und Tiefs die Zeit die uns noch bleibt
an hourglass made of water
wir spielen Ebbe und Flut
und liegen abends müde im feuchten Dekolleté
aus Schatten der besseren Tage
Ich komme aus einer Welt ohne Gebirge
hier lerne ich
dass das Leben bröckeln kann
die Steine
und unsere Stimmen
sie üben das dünn werden
zehn Millimeter nur
sind die versteinerten Korallen schmal
wie lange die wohl schon die Luft anhalten
Und dann ein langer Kuss
wir strömen
versammelt im Sommer den Hang hinunter
eine Falltür
aus Holz
die Riemen aus Stahl
das haben Menschen
hier in die Natur
gebaut
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