freiVERS | Simone Steger

vulven wie fliegen

Schopenhauer liegt auf dem fensterbrett
ich habe die fliege mit ihm erschlagen

der eiweißbrei klebt
zur hälfte an der ästhetik
zur hälfte an der scheibe

jetzt schreibe ich nackt ein gedicht
damit ich mich nicht aus versehen
am fenster zur welt erschlage
so kurzsichtig
ich manchmal gern wäre

ich sitze nackt auf dem sessel
mein leib versinkt im stoff
ich habe angst
so zu sitzen
noch von früher
und von der ästhetik

keine sprache über vulven
ich kann nichts darüber sagen
außer

 

vulven wie fliegen
eine last im zuhause des körpers
genauso wie Schopenhauer
in unseren zellen

obwohl ich kostbar bin
sitze ich das erste mal so

etwas in mir platzt auf
licht prallt auf die scheibe
Schopenhauer wäre verstimmt
ich lasse den eiweißbrei kleben

 

Simone Steger

 

(ebenfalls veröffentlicht auf Pigeon Publishing)

 

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