Mutters Schweigen

es gibt keine freundschaft
zwischen den birken
die rehe sind einsam
wie rauch über dem schornstein

ich liebte den wald
aber war ihm ein rätsel
am fluss saß ich singend
und hielt die wunden ins wasser

wir hatten ein haus aus ästen
und wenn die raben kamen
knackte es
in mutters schweigen

ich liebte den duft
von verbrennendem holz
mit orangenen pupillen saß ich vor dem ofen
und träumte mich ins feuer

ich schlief im schrank
wo mutters schweigen mich nicht fand
ich liebte nüsse, knöpfe, murmeln
federn mied ich: sie waren weich
                      (das kannte ich nicht)

einmal kochte mutter suppe
der kürbis klebte ihr an der schürze
sie weinte am suppentopf vorbei
von dem ich nicht aß

am morgen stand der nebel vor den fenstern
die äste in den wänden
schoben sich enger aneinander
und schweigend stand mutter im knackenden haus

ich schlafwandelte
sprach mit tieren, sammelte blumen
ich wusste, es gab mehr als den wald
und leise legte ich das ohr an die tür

ich rieb orangen so lange an meiner haut
bis es duftete
nahm kirschkerne, rollte sie mir über die wangen
bis sie hellrot leuchteten

dann ging ich raus und hoffte
jemand fände mich so schön, dass er mich mitnähme

dann wär ich frei
dann wär ich froh
dann wär ich frei
dann wär ich froh

 

SchiRa

 

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