einmal waren wir in las vegas

und übernachteten in einem dieser riesigen casino-hotels
unser zimmer: im 23. oder 24. stock
von dort oben die aussicht wie wunderbar
wir hassten las vegas aber
wir liebten es
die stadt von oben zu sehen die lichter
blinkend die dekadenz

du standest nackt am riesigen fenster mit dem las vegas strip
im hintergrund
schautest nach unten und sagtest: letztendlich
lebt der kapitalismus von unserem bedürfnis nach illusion

ich dachte: bingo

und als ich deinen körper so schön nackt am fenster stehen sah
gegen die wechselnden farben der neonlichter
da wurde mir klar
dass auch wir von illusionen leben du
der du an unsere liebe unbedingt glauben willst
obwohl du weißt dass ich nicht
die sprache der sentimentalitäten beherrsche

als ob du meine gedanken lesen könntest
fügtest du hinzu:
was zählt ist hoffen zu können hoffen
dass sich eines tages etwas ändert
die hoffnung ist das opium

dann hatten wir sex und sahen zu wie die nacht
über las vegas hereinbrach

später gingen wir hinunter ins casino und du
hast einen haufen geld beim roulette gewonnen

 

Carla Bessa

 

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