Licht und Stiege

dünn die farben-fäden über hingekleckstem
grün, die frühlingsboten streunen und die
krokusaugen blinzeln lila in den tag.

der letzte schnee an kreuzwegen: drangsal in eis unter
sonnen im sinnen der hoffenden schafe.

im augenblick zerrütten die wolken nur selten das licht – dann
manchmal regen, wenn die wiesen schüchtern ihre fragen stellen
und ein name.

ein name auf der zunge. auf der zunge eines
jungen, die sich löst vom kalten stahl des winters.

gestreifte betten im schlafzimmer, kein
wimmerndes keuchen durchs fenster, nur
zebramuster-maserung vor dem moment
der nackten füße auf dem teppich.

lamm noch zu werden im langsamen
brechen der glitzernden haut / erwachen zu können
zu feldern aus licht.

 

 

 

man streckt ohren übers land. zu horchen dem
tassen-geklingel, den zwitschernden zweigen, dem
warmen entspringen.

man spricht leiser, etwas lachend über politik
vor der hauswand des hotels, die ganz in
löwenzahn verwurzelt.

und im wohnzimmer die jakobsleiter:
von stetem drang, dort hochzusteigen,
von großer müdigkeit umhüllt.

 

Philipp von Bose

 

freiVERS ist unser Wort zum Sonntag.
Du hast auch einen freiVERS für uns?
schreib@mosaikzeitschrift.at

<< mehr Prosa | mehr Lyrik >>