Lieber Thomas Brezina, hat das wirklich sein müssen?

Lisa-Viktoria Niederberger über Thomas Brezinas neues Knickerbockerbandenbuch „Alte Geister ruhen unsanft“. Ein bisschen Rezension, ein Hauch Begeisterung, eine große Dosis Unverständnis und ACHTUNG: ein paar ganz massive SPOILER.

Für alle, die auf der anderen Seite der Grenze aufgewachsen sind: de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Brezina

Er kann's einfach nicht lassen, der Brezina. Weit über 500 Bücher, Drehbücher und Hörspiele hat er schon verfasst. Seit über zwanzig Jahren ist er nicht nur im Literaturbetrieb, sondern auch in meinem Bewusstsein immer mehr oder weniger präsent. Ich hab sie gefressen, als Kind, die Tom Turbo-Bücher. Hab mich stundenlang für Autogramme angestellt, mein Vater hat mir mein Kinderfahrrad damals sogar umgebaut, so dass es ähnlich wie Tom aussieht. Mit der Knickerbockerbande war es ähnlich; in zahlreichen Banden bin ich mit meinen Freundinnen gewesen. Aus Mangel an Burschen in unsere Runde hab ich auch immer freiwillig Axel gespielt. War mir egal, Axel war cool.

„Was ist eigentlich geworden aus ihnen, meinen Helden von damals?“

Irgendwann mit der Pubertät hat dann aber auch bei mir das Umdenken begonnen: Wie komisch ist eigentlich die Knickerbockerbande? Wie unrealistisch ist das, dass zwei 13-jährige mit einer 9-jährigen befreundet sind? Dass sie permanent um die Welt reisen und Abenteuer erleben? Dabei oft fast sterben, entführt, manchmal sogar auch richtig arg gefoltert werden? Welcher Erwachsene kann das mit einem guten Gewissen schreiben, bzw. seinen eigenen Kindern schön verpackt unter den Christbaum legen? In „Der tätowierte Elefant“ werden Axel und Lilo kopfüber über ein Becken mit glühenden Kohlen gehängt – das war dann mein letztes Knickerbockerbandenbuch, das ich gelesen habe, weil mich das so verstört hat.

Thomas Brezina hat natürlich nicht aufgehört, sie zu schreiben. Über 70 Bände gibt es mittlerweile, jüngst erschienen: „Alte Geister Ruhen unsanft“, ein Buch, das nicht nur mit einem unnötig sperrigen Titel auf sich aufmerksam macht, sondern generell ganz aus dem klassischen Schema fällt, schließlich sind die Knickerbocker hier alle Mitte bzw. Anfang Dreißig. Brezina bedient sich hier demselben Marketingmechanismus wie J. K. Rowling in der Harry Potter-Reihe, nämlich das Zielpublikum mit den Protagonisten mitwachsen zu lassen um immer maximales Indentifikationspotential zu bieten.

„Gott sei Dank schaltet sich kurz vor dem Ende eine neue Person ein und erspart den Knickerbockern durch seine Offenbarung wahrscheinlich jahrelange Therapie.“

„Alte Geister ruhen unsanft“ ist genau für Leute wie mich gemacht: Erwachsene, die zwecks des Nostalgieeffekts ohne zu zögern 18 € über den Tresen wandern lassen, wieder zu den Büchern mit dem altbekannten roten Logo greifen, zu Hunderten Thalia-Filialen in ganz Österreich stürmen, wenn er dort Lesungen hält, weil man ja trotzdem irgendwie wissen will: Was ist eigentlich geworden aus ihnen, meinen Helden von damals?

Und das ist schnell erzählt: Dominik ist berühmter Schauspieler in Amerika, hat nicht nur die Hauptrolle in einer Netflixserie, sondern auch ein ordentliches Alkohol- und Drogenproblem. Minizoobesitzerin Poppi lebt ein idyllisches Tierarztleben mit ihrem Ehemann in Graz, hat allerdings Angst, dass sie unfruchtbar ist. Axel ist natürlich Sportlehrer geworden, in Linz picken geblieben und lebt dort mit einer Frau, von der er das ganze Buch über sehr schwärmt und die sich erst kurz vorm Ende als seine Tochter, die er alleine großzieht, entpuppt. Superhirn Lilo ist noch immer bergfixiert, hat zwei Masterstudien absolviert und arbeitet in Innsbruck auf der Uni. Hat allerdings Schlafstörungen und Depressionen. Es sind also durchaus realistische Personenentwicklungen, die Brezina da schildert. Nichts ist übertrieben, niemand hat das perfekte Leben, alles glaubwürdig, passend zu dem, wie er sie als Kinder kreiert hat.

„Nein, das war kein Zufall, das war alles von Anfang an Teil eines viel größeren Plans.“

Nach zwanzig Jahren ohne Kontakt zueinander, treffen sich die vier erstmals auf einer Insel vor der südenglischen Küste wieder. Wer sie dorthin eingeladen hat, bleibt lange unklar. Dort finden sie nicht nur wieder zueinander, beseitigen umständlich alte Konflikte, knüpfen neue amouröse Bänder (immerhin ist es ja ein Buch für Erwachsene), klären nebenbei einen Jahrzehnte alten Mordfall (immerhin sind es die Knickerbocker), haben horrorfilmmäßige Halluzinationen, die so plastisch und ekelhaft sind, dass sie auch gut Stephen King schreiben hätte können, und finden gegen Ende des knapp 400 Seiten starken Schmökers auch tatsächlich heraus, warum sie als Kinder bzw. Jugendliche in so viele haarsträubende Abenteuer verwickelt waren. Denn nein, das war kein Zufall, das war alles von Anfang an Teil eines viel größeren Plans.

Damals, in Kitzbühel, als die Knickerbocker ihren ersten Fall „Rätsel um das Schneemonster“ gelöst haben, ist der Produzent einer Substanz, die Menschen dazu bringen soll, in Stresssituationen optimal zu reagieren und den Intelligenzquotienten erhöhen soll, auf sie aufmerksam geworden und hat beschlossen, sie jahrelang ohne ihr Wissen als Probanden zu missbrauchen. Anhand dieser Studien wollte er das Mittel perfektionieren, um es später gewinnbringend an Heere, Warlords oder Geheimdienste verkaufen zu können. Den Knickerbockern wurde nicht nur über den gesamten Verlauf ihrer Juniordetektivkarriere dieses Mittel über Speisen und Getränke verabreicht, sie wurden auch immer über Tonaufnahmen überwacht, ihre Entscheidungen und Ermittlungen minutiös protokolliert, nein – durch getürkte Preisausschreiben und ähnliche Täuschungen, wurden sie von besagtem Waffenproduzenten auch bewusst in Abenteuer verstrickt.

„Meint ihr, es war Zufall, was ihr alles erlebt habt? (…) Meine Mitarbeiter haben ununterbrochen nach mysteriösen, ungelösten Kriminalfällen gesucht und ich habe euch auf sie angesetzt. Für spezielle Tests haben wir sogar Fälle erfunden und für euch inszeniert, aber das kam nur sehr selten vor.“ (S. 369).

 

Als sich die Knickerbocker damals als Teenager trennten (primär deswegen, weil Axel von der Substanz schlimme Halluzinationen hatte, die dazuführten, dass Lilos Vater in eine Lawine geriet, die ihn fast getötet hätte und weil sie sowieso alle mehr Lust hatten, hormonell gesteuerte Jugendliche zu sein, als Detektive), war der böse Strippenzieher natürlich unglaublich frustriert. Deswegen hat er nun, nach zwanzig Jahren, beschlossen, dieses Treffen zu inszenieren, um die Bande erneut der Substanz auszusetzen und zu sehen, wie sie auf Erwachsene wirkt.

„Was bleibt, ist die Unsicherheit, der Schock über die plötzliche Erkenntnis: Wir waren gar nicht so klug und so super, wie wir unsere ganze Kindheit über gedacht haben.“

In einer persönlichen Konfrontation im letzten Buchdrittel gibt er sich zu erkennen, klärt alles auf und fordert einen finalen Test, verspricht, sie dann für immer in Ruhe zu lassen: Sie sollen beschließen, wer das schwächste Mitglied im Team ist und diese Person dann gemeinsam von einer Klippe stoßen. Aber die Knickerbocker sind keine Kinder mehr, sie haben jetzt einen Kumpel, und der hat ein Gewehr, der Bösewicht wird also problemlos überwältigt und verhaftet.

Was bleibt, ist die Unsicherheit, der Schock über die plötzliche Erkenntnis: Wir waren gar nicht so klug und so super, wie wir unsere ganze Kindheit über gedacht haben. Wir sind einer Droge ausgesetzt worden, ohne die wir wahrscheinlich kompletter Durchschnitt gewesen wären. Die vier Protagonisten sind am Boden zerstört.

Gott sei Dank schaltet sich kurz vor dem Ende eine neue Person ein und erspart den Knickerbockern durch seine Offenbarung wahrscheinlich jahrelange Therapie. Ihnen wird nämlich ein Brief von einem gewissen Mister Watanabe zugespielt, der sich als der tatsächliche chemische Entwickler der Substanz zu erkennen gibt (der vorher war nur der Geldgeber) und der ihnen versichert, dass diese aufgrund eines Fehlers der Rezeptur nicht nur immer komplett wirkungslos gewesen ist, sondern dass sie auch keine Angst vor etwaigen Folgeschäden haben müssen. Die Knickerbocker, frisch von der Gesundenuntersuchung, können also erleichtert aufatmen, sie waren also doch Genies als Kind. Warum Watanabe zwanzig Jahre gewartet hat, um ihnen das mitzuteilen, beziehungsweise warum er als seriöser Wissenschaftler sich überhaupt an Experimenten an Kindern beteiligt hat, wird auch erklärt. Er hat eine kranke Tochter, deren medizinische Versorgung nur durch sein Stillschweigen gewährleistet werden konnte. Mhm.

"Jeder kehrt nach diesem abenteuerlichen Wochenende wieder zurück in seinen Alltag, man trifft sich ja bald wieder auf Skype."

Und dann ist alles gut, die Freundschaft ist stärker den je, Axel und Lilo gestehen sich nach zwanzig Jahren ihre Liebe, man verspricht, den Kontakt ja nicht wieder abreißen zu lassen und jeder kehrt nach diesem abenteuerlichen Wochenende wieder zurück in seinen Alltag, man trifft sich ja bald wieder auf Skype.

„Aber wie hoch sind unsere Chancen?“, fragte Lilo nervös. Axel nahm sie an den Schultern, blickte ihr fest in die Augen und sagte schelmisch: „Wir werden das nicht errechnen, Frau Superhirn, das können wir nur durch Versuche herausfinden.“ Vor dem Pub stehend, beobachteten Dominik und Poppi die beiden und grinsten. „Na endlich“, stellte Poppi fest. „Gut Ding braucht Weile.“, steuerte Dominik eine kleine Weisheit bei. (S.390/91)

Was bleibt, ist die Verwunderung beim Leser: Lieber Thomas Brezina, hat das wirklich sein müssen? Nicht das Buch an sich, das hat schon seine skurrile Daseinsberechtigung, seinen Unterhaltungswert, seinen Schmäh in den Dialogen, seinen eindeutig für erwachsene Leser gedachten und trotzdem angenehm flüssigen Stil. Die Rahmenhandlung mit dem uralten Mordfall ist ein netter Krimi. Es hat mir einen sehr schönen, nostalgischen Nachmittag beschert. Aber diese Erklärung mit der Substanz, die man erst an Kindern testen muss, um sie dann später an Soldaten verkaufen zu können?! Es wirkt fast, als hätte Brezina jetzt auf einmal ein schlechtes Gewissen, weil er fiktive Kinder jahrzehntelang einfach nur zu Unterhaltungszwecken in lebensbedrohliche Situationen gebracht hat und jetzt im Nachhinein versuchen muss, das irgendwie zu legitimieren. Ob es jetzt moralisch vertretbarer ist, wenn Kinder von bolivianischen Drogenhändlern gekidnappt werden, wenn es darüber noch eine Instanz gibt die „eh aufpasst“, weil das „eh nur ein Experiment“ ist, ist meiner Ansicht nach nicht nur sehr, sehr fraglich sondern zerstört retrospektiv immens viel der Magie, die die Abenteuer der Knickerbocker auf meinen kindlichen Geist damals ausgeübt hat.

Lisa-Viktoria Niederberger

ZZZ 3/12 | Lisa Viktoria Niederberger

Lisa Viktoria Niederberger, geboren 1988 in Linz, lebt und arbeitet in Salzburg. 2014 gewann sie den Wettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ und veröffentlichte ihren Text „Die Kunst des Eischlofns“ in „X“, der Kurzprosaanthologie des mosaik. Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Anthologien.

Lisa ist Teil von Zweifel zwischen Zwieback, der Kurzprosa-Anthologie zur 20. Ausgabe des mosaik. Ihr Text "Pelzchen" ist einer von 12, die anonym ausgewählt wurden, sich in diesem Band zusammenfinden und im Herbst 2016 erschienen sind.

Die schwachsinnige aber trotzdem irgendwie schöne

Geschichte mit dem Herrn L.

Der Herr L. hat noch nicht einmal wirklich seinen Schwanz wieder in der Hose, als ich schon das Mikrofasertuch in der Hand habe und anfange, die Abdrücke von meinem Busen vom Klavier zu wischen. Und als ich mich dann auch anziehe, meine Unterhose suche, die da irgendwo auf dem Boden herumfliegt, und schnell im dem Spiegel, der mitten im Verkaufsraum hängt, schaue, ob ich eh nicht so durchgefickt aussehe, wie ich mich fühl, da hat er schon den Hut auf, und die Zigarette im Mund, grinst mich so komisch an, wie er jeden Mittwoch um kurz nach halb drei grinst, wenn er seine Mittagspause bei mir im Laden verbracht hat. Und als ich ihm dann die Tür aufsperre, das Schild, das draußen hängt, von „Geschlossen“ wieder auf „Treten Sie ein“ ändere, da will ich ihn schon fast noch einmal küssen, aber er sagt, spinnst, doch nicht auf der Straße, wenn uns wer sieht. Und dann, etwas weicher, war aber schön. Unklug, aber schön.

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Niederberger-

Die Kunst des Eischlofns

I glaub, wenige Fraun beneiden ihrn Freind. I tua des scho. Aber ned auf Gründn, die jetzt so auf der Hand liegn. Weila mehr Bier vertragt ois i, oder straffare Schenkel hot ois i, obwoi a weniga Sport mocht und bessa verdiend ois i.

Schenare Hoa hot a a. Gemein is des, dabei woschs ma i mit Schampoo und Spülung und oim und er netta mit Duschgel. Und er schaut aus, wie so a fucking Schampoo Model und i ned.

Aber um des geht’s ned. Es geht um was, des nu banaler is, ois schene Hoa.

Nämlich is einschlofn. Er legt si hin und schloft ein, innerhoib von kane zehn Minuten hearst des regelmäßige Atmen von seim  - is es jetzt ingessiv oda egressiv, i hobs scho moi gwusst, owa i hobs vergessn – Luftstrom, der da aus seina Lung außa und wieda eina geht. Und i lieg daneben. Putzmunta. Und eifasüchtig. Auf sei Fähigkeit des Instant-Eischlofns quasi.

Und dann geht’s los. Er liegt da und schloft und i lieg daneben und schlof ned und fang an, dasin oschau. Des geht recht guad, weil i seid  zwa Jahr z faul bin, dass i ma Vorhäng kauf. Und wann ma dann die richtige Zeit im Monat ham und da Mond sche hö is, wei ka Nöwe und so und in da Stodt sowieso imma irgendwo a Liacht brennt, donn siag i na a mittn in da Nocht ziemlich guad. Und i hab n scho so oft aus Langeweile beim Schlofn beobachtet, dass i ois was, wos ma von so am schlofadn Mo, eigentlich wissn ko. Wo die Hand liegt, wo de Deckn hingheart, wie ma des Eischlofphasenatmen vom Tiefschlofphasnatmen unterscheidn ko. Ob a an Oibtraum hot, an feichtn, oder grad gar kan.

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Ursprünglich bin ich nicht in mein Lokal gegangen um zu schreiben, sondern bin dort gewesen und hab während des Arbeitens Zitate von Gästen aufgeschrieben – am Anfang noch auf der Rückseite von Bestellblöcken. Irgendwann saß ich dann alleine, spätnachts, schreibend dort an der Bar. Und mittlerweile gehe ich bewusst hin.

Ich schreibe auch gerne im Zug oder in anderen Lokalen – das Schreiben in öffentlichen Räumen mit Unterbrechungen und Inspirationen von außen hat auf meinen Stil und die Themen aber einen positiven Einfluss. Es ist weniger der Raum als die Leute darin, die mich beeinflussen und als Stichwortgeber fungieren.

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Buchpräsentation am 2.Dezember in der ARGEkultur

Kritische Literaturtage 2016 - Zeitschriftenstand

Zum zweiten Mal findet in Salzburg eine Veranstaltung statt, die kleineren Verlagen die Möglichkeit gibt, ihr Verlagsprogramm einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen – die Kritischen Literaturtage. Besucher*innen bekommen hier die Möglichkeit, sich mit neuer, kritischer und politischer Literatur auseinanderzusetzen.

2. bis 4. Dezember 2016, ARGEkultur Salzburg // >> sei dabei! <<

Im großen Saal und im Foyer finden 35 Aussteller*innen mit ihrem Sortiment Platz – ein spezieller Tisch wird den Literaturzeitschriften gewidmet werden. Unter der Koordination von mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur werden ausgewählte Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert. Dieser Kombi-Stand bietet perfekte Möglichkeiten in aktuellen und vergangenen Ausgaben zu schmökern.


 

Wir haben für euch u.a. diese fantastischen Zeitschriften ausgewählt:

 

SMW7Cover_SmW#7Sachen mit Woertern

Sachen mit Wœrtern ist ein Literaturmagazin aus Berlin, das junge Lyrik und Prosa in Dialog bringt mit Grafik und Illustration. Die Stimmenvielfalt der jungen Literaturszene findet hier unter einem Titelwort aus der Alltagssprache zusammen, das in sein Bedeutungsspektrum aufgefächert wird. Bei den Kritischen Literaturtagen können auch die Illustrationen von Petrus Akkordeon von Ausgabe zu Ausgabe inspiziert werden.

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CwFcaVgWgAAvIovmetamorphosen

»Die Zeitschrift schaut auf literarische Randbereiche und ist Seismograph für das, was junge Schriftsteller beschäftigt.« (F.A.Z.)

Seit April 2013 erscheinen die metamorphosen vierteljährlich in einer neuen Folge. Neben ausführlicher Kulturberichterstattung findet sich im Magazin regelmäßig neue Lyrik und Prosa. Die aktuelle Ausgabe und Beispiele vergangener Ausgaben sind zu entdecken.

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narrInnendas Narr

Narr – das narrativistische Literaturmagazin steht für neue, frische, deutschsprachige Literatur, angereichert mit Illustrationen von jungen KünstlerInnen und verpackt in innovative Grafik.

Narr ist junges Kulturschaffen in Buchform. In Salzburg kann die wunderschöne aktuelle Ausgabe der Schweizer Zeitschrift bestaunt werden.

 

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Konzepte_Cover 16_Treppe_4konzepte

Die Konzepte erscheinen einmal jährlich und versammeln auf bis zu 180 Seiten Texte arrivierter sowie erstklassiger junger Autorinnen und Autoren. Bislang unveröffentlichte Beiträge in Lyrik und Prosa kristallisieren sich rund um ein Lyrisches Motiv; auch Übersetzungen (u.a. Michael Hamburger, Pippa Goldschmidt) werden hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Daneben gibt es Platz für Essays, Hörspiele und Rezensionen. In jeder Ausgabe werden Arbeiten von bildenden Künstlern oder Fotografen (u.a. Andreas Weidner, Reinhart Mlineritsch) präsentiert.

Werke von bereits etablierten Autorinnen und Autoren stehen neben bislang unbekannten Stimmen. Damit ermöglichen die Konzepte den Zugang zu unterschiedlichen sprachlichen Ebenen und weisen den Weg für junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller. „Jung“ bezieht sich hier weniger auf das Alter, sondern vielmehr auf das „zu festigende Standbein“ neuer Autorinnen und Autoren.

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&radieschen

Die Wiener Literaturzeitschrift des ALSO (Anno Literatur Sonntag) „&Radieschen“ gibt es seit 2005 und soll vor allem junge, noch unbekannte Talente fördern (wobei die ehemals jungen, unbekannten Talente heute durchaus einen Namen haben und noch öfters Texte einschicken).

& Radieschen erscheint 4x im Jahr – es gibt immer 3 offene Nummern zu einem Thema und eine Poetry-Slam-Sondernummer im Juni.

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Salzburg-Spezial

 

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erostepost: der/die/das; Literaturgruppe, Mitbegründerin des Literaturhauses Salzburg; ins Leben gerufen 1987 von Dirk Ofner und Kurt Wölflingseder, ab 2009 geführt von Kurt Wölflingseder und Peter Baier-Kreiner, seit 2015 unter Mitarbeit von Lisa-Viktoria Niederberger; Veranstalter von Lesungen, Performances, Lesewettbewerben; gleichnamige Zeitschrift, zweimal jährlich, jeweils mit einem gattungs- und themenfreien Heft und einer Ausgabe zum Literaturpreis.

Die neue Ausgabe Nr. 53 kommt druckfrisch zum Zeitschriftenstand der Kritischen Literaturtage.

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Cover November 2016Literatur und Kritik

Literatur und Kritik (erscheint im Otto Müller Verlag) ist heuer fünfzig geworden. Die Zeitschrift wurde 1966 von Gerhard Fritsch gegründet und wird seit 25 Jahren von Karl-Markus Gauß und Arno Kleibel in Salzburg herausgegeben. "Literatur und Kritik" erscheint in Salzburg, aber richtet ihr Augenmerk außer auf die österreichische Autorinnen und Autoren auch auf die unbekannten Literaturlandschaften in Ost- und Südosteuropa. Wendelin Schmidt-Dengler würdigte "Literatur und Kritik" mit den Worten: "Literatur und Kritik, der Karl-Markus Gauß zu neuem Renomee verholfen hat, ist ein Beweis dafür, dass es in Österreich möglich ist, eine Zeitschrift europäischen Zuschnitts zu präsentieren."

Die Zeitschrift "Literatur und Kritik" erscheint fünf Mal im Jahr in einem Umfang von je 112 Seiten. In der November-Ausgabe und den weiteren Heften des Jahres 2016 kann man an unserem Tisch stöbern.

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SALZ

Seit 1975 zählt die Herausgabe der Zeitschrift SALZ zu den Aufgaben der Leselampe. Die Literaturzeitschrift erscheint 4x im Jahr mit Literatur von international renommierten AutorInnen und jungen Talenten in Erstveröffentlichungen. Die Ausgabe mit dem Titel „Nahaufnahmen“ präsentiert jährlich die neueste Literatur von Salzburger AutorInnen und dokumentiert das literarische Leben von Stadt und Land Salzburg mit Beiträgen verschiedener LiteraturpreisträgerInnen und StipendiatInnen. Seit langem besteht die Zusammenarbeit mit den Rauriser Literaturtagen, ein SALZ erscheint mit Texten aller nach Rauris eingeladenen AutorInnen. Weitere Ausgaben sind verschiedenen literarischen Feldern gewidmet: Literaturlandschaften, Salzburger AutorInnen im Porträt und Themen, Fragestellungen, Motiven . Ein Salzburger Künstler, eine Künstlerin gestaltet das Cover und vier Seiten des Innenteils.

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Könnte man kennen. Ja, wir erlauben uns, auch das mosaik einzuschmuggeln. Alle Infos zu uns gibt es hier. Wir präsentieren:

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Nacht der Salzburger Verlage

mosaik20 aka Zweifel zwischen Zwieback präsentieren wir im Rahmen der Nacht der Salzburger Verlage am 2.12. um 19:00 in der ARGEkultur.

Es lesen Veronika Aschenbrenner, Lisa Viktoria Niederberger und Andreas Reichelsdorfer.

 


Literatur ist Wissen! - das mosaik bei den Wissenstagen 2016

Wissenstage in der Wissensstadt Salzburg - und das mosaik ist mittendrin! An zwei Tagen präsentieren wir die Vielfalt literarischen Wissens und Kreativität.

Der Ort: AREAlab, Lasserstraße 10, Salzburg

>> zum vollständigen Programm der Wissenstage

 

unser Programm für euch

Fr, 4.11., 9:00: Local Heroes

Lesung und Gespräch mit Lisa Viktoria Niederberger und Marko Dinic

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Lisa Viktoria Niederberger

Die Salzburger Autorin Lisa Viktoria Niederberger vermag es mit ihrer an die Umgangssprache angelehnten Texte nahe an der Realität zu bleiben und die Erzählungen nacherlebbar zu machen.

Marko Dinic

Geboren 1988 in Wien, von da an unstetes Leben pendelnd zwischen Beograd, Stuttgart, München, Salzburg und Berlin, seit 2008 Studium in Salzburg. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, seit 2009 Veranstalter der unabhängigen Lesereihe KulturKeule und aktives Mitglied des Kunstkollektivs Bureau du Grand Mot.

>> Sei dabei!

 


Fr, 4.11., 10:00-18:00 // Sa, 5.11., 10:00-19:00
Leselounge mit allen Ausgaben des mosaik inkl. mosaik21 und roll



Sa, 5.11., 19:00: mosaik setzt über

Lesung und Gespräch mit Tobias Roth und Marko Dinic

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Tobias Roth (Berlin) und Marko Dinic (Salzburg) lesen und diskutieren übersetzte Texte und das Übersetzen aus und in andere Sprachen zum Abschluss des Festivals.

Das mosaik bemüht sich um die Förderung der Übersetzungstätigkeit fremdsprachiger Texte ins Deutsche und vice versa. Die Praxis des Übersetzens sehen wir als Wissenstransfer - geographisch, chronologisch, politisch, soziokulturell, usw. Startschuss dafür war mosaik19 – BABEL: Mehrere längerfristig angelegte Übersetzungstätigkeiten in unterschiedliche Sprachen (Italienisch, Russisch, Bulgarisch, …) nahmen hier ihren Anfang und werden sich über die nächsten Ausgaben bis 2017 zu ersten Buchpublikationen entwickeln.

Marko Dinic

beschäftigt sich in vielen seiner Texte mit dem Transfer von Sprache und Wissen zwischen seinen beiden (sprachlichen) Heimaten, der Deutschen wie der Serbischen. In seinem Romanmanuskript „Als nach Milosevic das Wasser kam“ (Arbeitstitel) setzt er sich intensiv mit der Frage der Schuld und der Aufarbeitung der Jugoslawienkriege auseinander.

Tobias Roth

widmete sich u.a. Giovanni Gioviano Pontano (1429-1503), einem der wichtigsten Autoren der italienischen Renaissance. Die Gedichtsammlung „Baiae“ (Herbst 2016, Verlagshaus Berlin) ist einen Brückenschlag in eine chronotopische Region, mit einem der paradigmatischen europäischen Schübe von Wissensproduktion und Wissensanhäufung - die italienische Renaissance. In der Beschreibung bestimmer Koventionen der therapeutischen Praxis verbindet sich die Ästhetik der Textoberfläche mit dem in die Texte eingespeicherten Wissen.

>> Sei dabei!

50 000 Wörter stressen mich her, oder: WTF ist NaNoWriMo?!

Auf mosaikzeitschrift.at präsentieren wir in den kommenden Wochen einen Live-Versuch von Lisa Viktoria Niederberger den inneren Schweinehund zu überwinden und bei einem der größten Schreibprojekte der Welt teilzunehmen. Es geht um einen Monat. Es geht um das Schreiben.

"Also, wenn ihr im nächsten Monat im Kaffeehaus eine Irre mit Augenringen seht, die drei Stunden lang nur Soda Zitron und Espresso trinkt, währenddessen regelmäßig den Laptop anschreit oder Selbstgespräche führt, nur um ihn dann wahrscheinlich gefrustet zuzuschmeißen und sich Spritzer und Kuchen bestellt  - das bin dann ich."

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Was?

Im Jahr 1999 hat ein gewisser Chris Bathy in Amerika ein sogenanntes „ kreatives Schreibprojekt“ ins Leben gerufen, dessen Ziel es war – und noch immer ist – in einem Monat einen Roman mit mindestens 50.000 Wörtern zu schreiben. Was damals als Aktion in seinem Freundeskreis gedacht war, nennt sich heute NaNoWriMo – also National Novel Writing Month – und hat von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer. Weltweit dürften es mittlerweile hundertausende Menschen sein, die sich den wahrscheinlich scheußlichen Monat des Jahres aussuchen um ihre gesamte Freizeit der Schriftstellerei zu widmen. Es gibt dazu etliche Facebookgruppen und sonstige Online-Communities, wo man sich mit anderen Autoren vernetzen kann und über Schreibblockaden und ähnliches Austauschen kann. (Und mit seiner und mit seiner unglaublichen Produktivität angeben! Dazu kann man stehen, wie man will.) Außerdem gibt’s dann immer Spendenaktionen mit deren Erlös bisher zum Beispiel Bibliotheken in Laos oder Kambodscha gebaut worden sind.

Mehr über das ganze Konzept kann man hier oder hier nachlesen.

Die Grundidee ist aber seit den Neunzigern dieselbe geblieben: Der NaNoWriMo soll Autoren – egal, ob es sich dabei um professionell publizierte Schriftsteller oder Hausfrauen handelt, die zum puren Vergnügen semi-sadomasochistische Werwolfromane veröffentlichen, handelt – dazu animieren, jegliche Hemmungen zu verlieren und einfach drauf loszuschreiben. Auch vielleicht in dem Bewusstsein, dass es natürlich in so kurzer Zeit bzw. bei dem geplanten Umfang nicht (oder zumindest unglaublich schwer!) möglich ist, qualitativ hochwertige Literatur (was auch immer das heißen mag, überlasse ich den Literaturwissenschaftlern) zu produzieren.

"die wichtigsten Schreibaccessoires: Schokolade, stangenweise Zigaretten und endlich wieder eine Kaffeemaschine."

Die Selbstzweifel über die Qualität der verfassten Texte, die Ängste vor dem leeren Blatt, oder davor, den berühmten Flow zu verlieren, kennt nicht nur jeder Autor, sondern auch jeder, der einmal eine Seminararbeit oder Geburtstagskarte an einen entfernten Verwandten verfassen musste.

Der NaNoWriMo glaubt, die Lösung für dieses Problem gefunden zu haben – und ich stelle mich diesem November dem Selbstversuch.

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Wieso?

Ich gehöre zu diesen unzähligen Menschen, die ihre Kindheit (und ganz ehrlich, auch die halbe Zeit meines sogenannten Erwachsenlebenleben) mit dem Kopf in Büchern verbracht hat. Ich bin eine, die rgendwann mal beschlossen hat, Germanistik zu studieren, weil ich gerne lese und gerne schreibe, und dann auch irgendwann wieder beschlossen hat, das mit der Germanistik wieder zu lassen, weil es mir die Lust am Lesen und am Schreiben ordentlich versaut hat.

"Weil ich glaube, dass mehr schreiben eigentlich immer geht..."

Seit dem wird hemmungsloser gelesen und geschrieben, mal da und dort publiziert und sich mit Jobs, die mit der ganzen Literaturgeschichte ein bisschen was zu tun haben (Stichwort: erostepost, Literaturhaus), oder zumindest immer als herrliche Inspirationsquelle herhalten (Stichwort: Barkeeperin), bei Laune gehalten und mal mehr oder weniger fleißig geschrieben.

Ich nehme mir jetzt vor, mich diesen November vollkommen dem NaNoWriMo hinzugeben und rauszuhauen, was die Tastatur hergibt. Weil ich glaube, dass mehr schreiben eigentlich immer geht, weil es da viele Ideen gibt, aus denen ich schön länger was machen möchte. Und ich trotzdem hin und wieder eine echt faule Sau bin, die den Druck – den ich mir vom NaNoWriMo verspreche, vielleicht brauchen könnte. Wenn ich mir danach eine etwas geregelte Arbeitsmethode beibehalten könnte, wäre das natürlich ideal.

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Was?

Auf meiner Festplatte gammelt seit über einem Jahr ein Romanfragment herum, das ich eigentlich sehr mag. Die Arbeit daran habe ich aus vielen Gründen eingestellt: inhaltliche Ungereimtheiten,  Zeitmangel und ganz einfach auch, die Angst vor so einem großen Projekt. Ich schreibe eigentlich ausschließlich Kurzprosa. Bei allem, was länger als 15 Seiten ist, verlasse ich eindeutig meine Komfortzone. Auch das möchte ich im November ändern und deswegen die Arbeit an dieser stillgelegten Geschichte wieder aufnehmen. Zur Auflockerung sollen dazwischen aber sehr wohl auch kürzere Texte entstehen. Um auf die geplanten 50.000 Wörter zu kommen, sollte man ca. 1600 Wörter am Tag schreiben. Das sind bei mir ca. fünf Wordseiten und je nach Inspiration und Motivation ein Zeitaufwand von zwei bis fünf Stunden. Hilfe!

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Wie?

Ich habe mir fest vorgenommen, bevor der November beginnt, mein Romanfragment noch einmal durchzuarbeiten, damit ich da eine bessere Basis habe. Mir vielleicht noch weitere Gedanken zu Personen, Handlungssträngen, Schauplätzen etc. zu machen und vor allem, die wichtigste Frage zu klären: Wie komme ich von dem, was ich jetzt habe, dahin, wo ich hin will?! (Klingt gerade sehr utopisch, aber man kann es ja probieren).

"Ich mag es, eine leichte Geräuschkulisse um mich herum zu haben, mir keine Gedanken über die Musik machen zu müssen, die ich dazu hören möchte und nicht selber aufstehen zu müssen um sinnlose Schreibzeit mit Kochen oder Getränkeholen verbringen zu müssen"

Stichworte oder notwendige Recherchen für Kurzgeschichten vorher schon zu erledigen wäre auch noch der Plan. Genauso wie Hamsterkäufe was die wichtigsten Schreibaccessoires betrifft: Schokolade, stangenweise Zigaretten und endlich wieder eine Kaffeemaschine.

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Wo?

Ich bin eine Kaffeehaus und Beislschreiberin. Immer schon gewesen. Ich mag es, eine leichte Geräuschkulisse um mich herum zu haben, mir keine Gedanken über die Musik machen zu müssen, die ich dazu hören möchte und nicht selber aufstehen zu müssen um sinnlose Schreibzeit mit Kochen oder Getränkeholen verbringen zu müssen. Außerdem hilft mir das Schreiben in der Öffentlichkeit, nicht alles sofort hinzuschmeißen, wenn ich mal hänge. Zuhause würde ich dann vielleicht einfach Wäsche waschen, mir sinnloses Zeug auf youtube ansehen oder schlafen gehen. Das geht in einem Lokal halt alles schwerer. Außerdem muss ich beim Schreiben immer unglaublich viel Rauchen und ich mag es nicht, wenns in meiner Wohnung so stinkt. Daheim geschrieben, wird nur, wenn zu wenig Zeit ist, um irgendwo rauszugehen oder das Wetter echt scheiße ist. Dafür ist dann die Schokolade.

über das Schreiben sprach Lisa auch im Kreativraum...

und außerdem?

Wie es mir mit meiner NaNoWriMo Erfahrung geht, wird jetzt das nächste Monat lang einmal wöchentlich hier im Tagebuchstil dokumentiert.

Also, wenn ihr im nächsten Monat im Kaffeehaus (Grundvoraussetzung: Raucher, W-Lan und Streckdosen!) eine Irre mit Augenringen seht, die drei Stunden lang nur Soda Zitron und Espresso trinkt, währenddessen regelmäßig den Laptop anschreit oder Selbstgespräche führt, nur um ihn dann wahrscheinlich gefrustet zuzuschmeißen und sich Spritzer und Kuchen bestellt  - das bin dann ich.

Lisa Viktoria Niederberger

Niederberger (2)

Lisa Viktoria Niederberger, geboren 1988 in Linz, lebt und arbeitet in Salzburg. 2014 gewann sie den Wettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ und veröffentlichte ihren Text „Die Kunst des Eischlofns“ in „X“, der Kurzprosaanthologie des mosaik. Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften und Anthologien.


"Niveau, weshalb, warum!?" - die mosaik-Lesereise Deutschland

5 Städte, 7 Lesungen, 21 AutorInnen, 3800 Kilometer

Nach der famosen Reise durch Bayern begaben wir uns erneut auf Roadtrip und packen Autorinnen und Autoren ein, um mit Ihnen den Westen, Osten und Norden Deutschlands zu erobern: vom Wohnzimmer bis zum Technoclub, vom Kulturcafé bis zur Buchdisko - und das druckfrische mosaik18 war mit im Gepäck!

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Mo, Köln, Weltempfänger

"Nein, ich lecke sicher nicht Peters Füße!"

Die erste Strecke war nicht nur die längste, sondern auch die mühsamste. Zwei Stunden Stau und so. Dafür wurden wir in Köln im wunderbaren Weltempfänger von Christoph Danne, Anke Glasmacher und Miriam Berger empfangen.

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Berlin

Wenn du in Berlin aus dem Auto steigst, die schwere Holztür zur Unterkunft öffnest und dich dahinter ein großgewachsener Herr, einzig mit einem Leopardenfellmantel bekleidet, fragt, ob du "rein willst", bevor dreißig Herren in aufreizenden Lederklamotten an ihm und dir vorbeigehen - dann denkst du dir: Berlin, du kannst so Klischee sein!

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Di, ORi

"Pizza, Pasta, Spielzeuglaster."

Bärlin erwartete uns: Im ORi trafen wir Matthias - es lasen Miku Sophie Kühmel, Nora Deetje Leggemann und Philipp Schulz mit uns.

 

Mi, Kater Blau

"Sperrstunde ist ein Austriazismus."

Es gibt den Moment im Leben, an dem man weiß: ok, das ist jetzt wohl der geilste Ort, an dem man je lesen wird... Willkommen im Kater Blau:

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Der Abend begann mit einer Gesprächsrunde mit Vertretern von Sachen mit Woertern, SuKuLTuR, Metamorphosen und uns. Es wurden die Gemeinsamkeiten und Schwierigkeiten debattiert, ein neues Literaturprojekt zu starten und zu betreiben.

https://www.facebook.com/sachenmitwoertern/photos/a.483837824994073.114331.200967913281067/1137883316256184/?type=3

"Dass digital zu produzieren auch koste, betonte Josef Kirchner von der österreichischen Literaturzeitschrift mosaik, die kostenlos vertrieben wird. Auch in Blogs stecke viel Arbeit, deren Produkt hinterher gratis konsumiert werde. Da liege der Zwiespalt: 'Einerseits will man prinzipiell Niedrigschwelliges produzieren, andererseits aber nicht die Gratiskultur fördern.'"

[zum Artikel in der taz]

[zum Beitrag auf Deutschlandradio Kultur]

https://soundcloud.com/user-694573966/podiumsdikussion-der-magazine-metamorphosen-mosaik-sachen-mit-wortern-und-dem-verlag-sukultur

 

Im Anschluss lasen Jannis Poptrandov, Doris Wirth, Karl Clemens Kübler und Lisa Viktoria Niederberger.

 

https://soundcloud.com/user-694573966/lisa-viktoria-niederberger

[zu den Aufzeichnungen der übrigen Lesungen]

 

Do, Buchdisko

Von der Disko in die Disko. Nach dem Acidbogen benötigten wir erstmal etwas Ruhe und zogen uns in die beschauliche Buchdisko in Pankow zurück. Zusammen mit Katrin Theiner konnten wir uns intensiv den Texten widmen und Kräfte für die nächsten Tage sammeln.

 

Fr, Hamburg, Chavis

Hamburg tat dies, was es am besten kann: ein Sauwetter haben. Wir machten das beste draus und vergnügten uns an der Reeperbahn. (Lesend im Chavis, natürlich...). Auf Einladung der Hafenlesung lasen Elisa Helm, Rick Reuther und Claire Walka. Marko Dinic las spontan die deutsche Übersetzung des anwesenden Palästinensischen Dichters Ghayath Almodoun.

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Sa, Erfurt, Kunststücke

Auf halben Weg heim liegt Erfurt. Dort startete vor kurzem die Reihe "Kunststücke" - bei der zweiten Auflage der WG-Lesungen waren wir zu Gast. Mit uns lasen Mario Osterland und Peter Neumann. Musik kam vom unglaublichen littlemanlost.

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So, Salzburg, Atelier du Bureau

"Es gibt so Dörfer, da denkst dir: Zieh aufs Land und verreck!"

Machen wir uns nichts vor: Sieben Tage im selben Auto, im selben Zimmer. Jeden Tag Autofahren, jeden Abend Lesung und Party. Es gibt schlimmeres. Aber wie das all die Rockbands gemacht haben, ohne sich die Schädel einzuschlagen, bleibt uns ein Rätsel. Da tut so ein herzlicher Empfang wie am letzten Abend im Atelier du Bureau gut. Dort kreuzten sich die Lesereisen von uns und von Nico Feiden, der in Salzburg sein neues Buch (findet ihr auch in mosaik18) vorstellt.

 

Alle Fotos findet ihr hier.

Vielen Dank an Lisa Viktoria Niederberger, Marko Dinic und Peter.W. - und an alle unsere Freunde und Partnerinnen überall, die uns bei der Organisation unterstützt haben. Ohne euch gäbe es keine mosaik Lesereise.

Du willst das mosaik auch in deiner Stadt? schreib@mosaikzeitschrift.at

 

 


mosaik-Lesereise Deutschland

5 Städte, 7 Lesungen, 21 AutorInnen, 3000 Kilometer

Nach der famosen Reise durch Bayern begeben wir uns erneut auf Roadtrip und packen Autorinnen und Autoren ein, um mit Ihnen den Westen, Osten und Norden Deutschlands zu erobern: vom Wohnzimmer bis zum Technoclub, vom Kulturcafé bis zur Buchdisko - und das druckfrische mosaik18 ist mit im Gepäck!

Köln

Mo, 11.4., 20:00

Weltempfänger (Venloer Straße 196) - Reihe Hellopoetry!

Wir beginnen gleich mit einem Paukenschlag: Die Reihe HELLOPOETRY! lädt uns nach Kölle - Christoph Danne und Anke Glasmacher, die wir aus mosaik16 und mosaik17 kennen, sind als LokalmatadorInnen mit dabei. Es lesen:

Musik von Miriam Berger

Sei dabei...

weltempfänger

Berlin

Di, 12.4., 20:00

ORi (Friedelstraße 8)

"KünstlerInnen jeglichen Alters finden hier eine Plattform, um ihre eigenen kreativen Ideen und Visionen zu entwickeln, umzusetzen und zu präsentieren." - könnte vom mosaik sein, ist aber vom Mission Statement des ORi. "Raum für Raum" heißt es, wenn das eine auf das andere trifft.

Sei dabei...

ori

 

Mi, 13.4., 20:30

im Kater Blau - Acidbogen (Holzmarktstraße 25)

Wenn, dann stilecht! Oben rattert die S-Bahn, unten kriechen noch die letzten Leichen der gestrigen Party raus. Es treffen sich vier unabhängige Literaturprojekte auf Einladung der Sachen mit Wœrtern und stellen sich vor:

Es liest (je ein/e Verterter*in pro Projekt):

Sei dabei...

Kater_Blau_Berlin

Do, 14.4., 20:00

Buchdisko (Florastraße 37) Es darf wieder ruhiger werden. Sozusagen eine Auslockerungsrunde in der gemütlichsten Buchhandlung in Pankow, wo wir auf Katrin Theiner und Tobias Roth treffen.

Sei dabei...

buchdisko

 

 

Hamburg

Fr, 15.4., 19:30

Chavis Kulturcafé (Detlev-Bremer-Straße 41)

Und ab geht es nach St. Pauli an die Reeperbahn. Wenn schon Hamburg, dann aber wirklich!

Sei dabei...

 

buchdisko 2

Erfurt

Sa, 16.4., 17:00

Wohnzimmerlesung - Reihe "Kunststücke"

Wir kennen es schon: Nach einer Partyeinheit folgt die Gemütlichkeit. In Erfurt - auf halbem Weg zwischen Hamburg und Salzburg - werden wir in einer WG Willkommen geheißen. In Kooperation mit In guter Nachbarschaft und dem Literatufestival Erfurt lesen:

Musik von Little Man Lost

Sei dabei...

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Salzburg

So, 17.4., 18:00

Atelier du Bureau - "Welcome Back"-Party

Und weil wir nicht genug haben, setzen wir noch ein Heimspiel obendrauf. In gemütlicher Runde gibt es Anekdoten, Wiedersehensfreude und einen Spezialgast, der sein neues Buch mitbringt:

Buchpräsentation Nico Feiden

Sei dabei...

Lesereise_Destinationen


Eine lohnenswerte Reise

Ein alter Passagierdampfer. Dahinter zahlreiche Segel von anderen Schiffen vor einem Himmel, der aussieht wie vergilbtes Papier. Die ersten Assoziationen von Abenteuer und Entdeckergeist, historischer Romantik und Realität werden nicht enttäuscht werden: Matthias Engels legt mit Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun einen ansprechenden (literatur-) historischen Roman vor. Gut recherchiert, gut arrangiert.

"Kurz nach Neujahr 1882 erreichte ein junger Mann nach seiner Überfahrt von England den Hafen von New York. Längere Planungen und vielfältige Korrespondenzen waren der Reise vorausgegangen und wenn alles gut liefe, würde sein Aufenthalt ein großer Erfolg werden."

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"Kurz nach Neujahr 1882 schiffte sich ein junger Mann für die Überfahrt von Bremerhaven nach New York beim Norddeutschen Lloyd ein. Wie aus heiterem Himmel hatte sich die Gelegenheit geboten und er hatte nicht gezögert, sie zu ergreifen."-

Fast zur selben Zeit brechen zwei der wichtigsten Figuren der Literaturlandschaft des späten 19. Jahrhunderts zum selben Ziel auf: Amerika. Was für den einen eine Luxusreise zu Lesungen und Konferenzen werden soll, ist für den anderen die letzte Hoffnung der heimatlichen Tristesse des (noch) nicht entdeckten Schriftstellers zu entfliehen. Die Ausgangslage von Oscar Wilde und Knut Hamsun könnte kaum unterschiedlicher sein.

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"Für die Wohlwollenden, Geduldigen & Unentbehrlichen"

 

Auf 450 Seiten entwirft der Buchhändler Matthias Engels ein Parallelportrait zweier Herren, die unabhängig voneinander ihre Erfahrungen in der Gesellschaft und im Literaturbetrieb gemacht haben. Wilde trifft wichtige Personen des Zeitgeschehens, die weniger die Handlung vorantreiben als das intellektuelle Interesse der LeserInnen bedienen - mitunter wähnt man sich in einem Bill Bryson-Roman, wenn man in einem der zahlreichen Exkurse von Edison die Glühbirne erklärt bekommt oder lernt, was Chirologie ist:

"Lassen Sie uns nun die Finger getrennt vom Rest der Hand betrachten:
Der erste Finger wird als Diktator, Gesetzgeber, als Zeiger des Ehrgeizes angesehen. Wenn dieser Finger ungewöhnlich lang und fast gleich dem zweiten ist, sind alle diese Tendenzen sehr ausgeprägt. [...]
Der Charakter wird maßgeblich durch den Daumen abgebildet: [...]
Je kürzer und dicker die Partie um den Nagel ist, desto unregierbarer ist das Temperament dieser Person. Solche Menschen haben keine Kontrolle über sich selbst und werden beim kleinsten Widerspruch in blinde Wut verfallen. Diese Erscheinung wurde auch als Mörderdaumen bekannt, weil viele, die einen Mord in einem verrückten Anfall von Leidenschaft begangen haben, diese Art von Daumen besaßen."

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Hat man diesen ersten Teil überwunden und weiß man nach etlichen Wiederholungen ausführlich, welche Kniebundhosen der groß gewachsene Wilde zu welcher Oberbekleidung und Frisur getragen hat, so konzentriert sich der Rest des Buches auf die interessanten Biographien der Autoren und der ihnen nahestehenden Personen. In den Details, die konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden, bekommt man einen Überblick über das Zeitgeschehen und den Zeitgeist eines ausgehenden Jahrhunderts und erfährt ganz nebenbei, wie sich Häftlinge in britischen Gefängnissen damals die Zeit vertrieben haben.

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Doch während die Biographie von Wilde nach der Rückkehr nach Europa immer mehr nach unten zeigt, kann jene von Hamsun nur nach oben gehen. Während ersterem der offene Umgang mit seiner Homosexualität zum Verhängnis wurde, veröffentlichte letzterer mit Hunger jenes autobiographisch angehauchte Werk, das ihm erstmals die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bescherte. Doch jeder Ruhm ist vergänglich. Dass Hamsun seine Literaturnobelpreismedaille Joseph Göbbels schenkte, wird ihm nach dem Krieg und am Ende des Buches ebenso zu Fall bringen.

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behutsam Erfundenes

 

Engels hält die Freiheit des historischen Erzählens hoch. Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun ist kein populärwissenschaftliche Nacherzählung, wie Engels im Nachwort festhält: "vielmehr nimmt er sich die Freiheit, mit den (oft widersprüchlichen) Quellen zu spielen und diese zu einem So-könnte-es-gewesen-sein zuzuspitzen". Es ist dies eine Herangehensweise, die in den letzten Jahren unter anderem Michael Köhlmeier mit Zwei Herren am Strand populär gemacht hat.

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Insbesondere das geschichte Arrangement von Briefen, Zeitungsartikeln und sonstigen historischen Quellen fällt auf: Gekonnt vermitteln kurze geographische und meterologische Berichte am Anfang der Dokumente einen Überblick über die Ausgangslage. Trotz der Episodenhaftigkeit, die eine inhaltlich motivierte Konzentration auf einzelne Abschnitte bedingt, werden die einzelnen Details durch die verbindende Prosa gefühlvoll und mit exakter Sprache zu einem flüssigen Ganzen verwoben.

10.08.1888 - Kopenhagen, Dänemark

55°40'25.262" Nord | 12°34'05.329" Ost

Ein kräftiges Tief vom Nordatlantik verdrängt warme Luft aus dem Süden und über Russland. 46° Fahrenheit.

Der Feuilleton-Redakteur der Politiken, Edvard Brandes, saß mit einer Hinterbacke auf der Kante seines Schreibtisches und sprach aufgeregt auf einen Gast in seinem Büro ein, der im Lehnstuhl ihm gegenüber Platz genommen hatte. [...]
"Behrens", sagte er, "Können Sie sich denken? Als ich heute Morgen an der neuen Ausgabe arbeitete, kam ein junger Norweger und wollte mit mir sprechen. Und natürlich hatte er ein Manuskript in der Tasche! Aber das interessierte mich anfangs weniger als der Mensch selber."

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Die heiklen Passagen ist Unterhaltung und legere Bildung zugleich, verbirgt sich jeodch hinter einem unnötig sperrigen Titel. Der offensichtliche Rechercheaufwand macht sich bezahlt, die abwechslungsreiche Gestaltung rechtfertigt den Umfang - dem kleinen Ein-Frau-Verlag Stories & Friends ist ein auch äußerlich schönes Buch gelungen, das eine Nische für bibliophile und literaturbegeisterte LeserInnen füllt.

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Lisa Viktoria Niederberger & Josef Kirchner

Beitragsbilder (c) mosaik


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"Wir sind zu alt für diesen Scheiss!" - Lesereise Bayern

Weil man ja auch mal raus muss haben wir kurzerhand Lisa Viktoria Niederberger und Marko Dinic eingepackt und sind auf Schweinsbraten-Tour zu unseren bajuwarischen Nachbarn gefahren. Unzählige Zugstunden, Frühstücke am Nachmittag und das beständigen Suchen nach öffentlichem W-Lan später kamen wir zu dem Schluss: So ein Rockstardasein ist nicht leicht.

Inklusive Texten von Alke Stachler, Lisa Viktoria Niederberger und Franziska Baur.

Alle Fotos hier.

Die Lesereise in Zahlen

  • 637 Kilometer Zugfahrt in 8:32 Stunden
  • 48 mal folgende Frage an wechselnden Orten: "Gibbs do Wee Lan?"
  • 22 neue Wörter gelernt ("Was heißt denn 'pfriemeln'?" - "Kletzln." - "Aha. Und was heißt 'kletzln'?")
  • 14 Beiträge von 7 AutorInnen an 3 Tagen in 3 Städten
  • 1 abgebrochener Zahn
  • 0 konsumierte Schweinsbraten (eine Schande!)

Abend 1: München

Zu Gast im Salon Irkutsk - bei Borschtsch, Wodka und alten Bekannten. Zumindest empfanden wir so die Stimmung. Vielleicht lag das an den Autorkollegen vor Ort, die uns besucht haben. Auf der Barhocker-Bühne wurden wir unterstützt von Ricarda Kiel, Franziska Baur, Katrin Baumer und Fabian Bross.

Alle Fotos hier.

Abend 2: Pfaffenhofen

Den Schwung des ersten Abends konnten wir nicht ganz in den nächsten Tag mitnehmen. Wir wussten nicht genau, woran es lag, aber zumindest teilweise hatten wir noch Nachholbedarf in Sachen Schlaf während andere vergeblich offenes W-Lan in der 25 000 Einwohner-Stadt suchten. Und plötzlich stehst du vor einem riesigen Banner an der Hauswand des Kreativquartiers "Alte Kämmerei".

Nur zwei Lesende bedeutete die stärkere Konzentration auf die vorgetragenen, längeren Texte und eine intensivere Diskussion im Anschluss. Marko führte die PfaffenhofenerInnen auf einen Spaziergang durch Salzburg und Lisa entschied sich spontan, noch einmal eischlofn aus X zu lesen. Krönender Abschluss: das Single-Kassetten-DJ-Set.

Alle Fotos hier.

Abend 3: Nürnberg

Nürnberg soll ja schön sein. Tja, wir nahmen die Stadt im klassischen Tournee-Stil wahr: Ankunft - Hotel - Auftritt - Party. Das Team des Salon Regina empfing uns mit offenen Armen und ermöglichte uns einen überaus angenehmen Abschluss. Neben Franziska, Katrin und Fabian stieß auch Alke Stachler aus dem benachbarten Augsburg dazu und ergänzte den abwechslungsreichen und gemütlichen Abend.

Alle Fotos hier.

Die Texte

Als Nachlese noch eine kleine, lose Sammlung von Texten der Tour von Alke Stachler, Lisa Viktoria Niederberger und Franziska Baur.

 

Alke Stachler

eines tages wachst du auf und spürst, deine seele hat den körper einer qualle, eines fragilen feenwesens ohne augen oder hände, mit freigelegtem bläulichem innern. und deutlicher als dir lieb ist fühlst du                       ihre fadenartigen gliedmaßen sich im nichts abstoßen, sich kräuseln wie um etwas zuzunähen, das wasser, dich, sie ist fast ohne konsistenz, ein pures, von allem abgeschältes pulsieren, ein schlag ohne herz. ihre durchsichtigkeit lässt dich zusammenzucken, die deutlichkeit ihres absolut fehlenden gewichts


 

Lisa Viktoria Niederberger

Da, wo der Kopf anfängt und der Hals aufhört

Ich zünde mir die gefühlte hundertste Zigarette des Abends an und blicke wieder zu Katinka. Schon seit mindestens drei Jahren sehe ich ihr mehrmals die Woche beim Arbeiten zu, habe sie nie wirklich beachtet, sie nicht als schön oder aufregend wahrgenommen, bis vor Kurzem. Plötzlich fällt mir auf, wie sie es schafft, Anmut und Eleganz, mit einem Hauch von Keckheit in die einfachsten Handlungen zu legen. Auch jetzt muss ich sie anschauen, muss bewundern, wie sie mit ihren kleinen Fingern das Bierglas nimmt, es locker von der linken in die rechte Hand wirft, es mit der Gläserdusche kurz mit Wasser ausspült, den Kerl der es bestellt hat leicht anlächelt, und dann unter den Zapfhahn hält. Katinka legt dabei immer den Kopf leicht schief, so als würde sie dann besser sehen können, wie das Bier ins Glas sprudelt. Manchmal beißt sie sich dabei auf die Unterlippe, das Gesicht angespannt in purer Konzentration. Mit den Hüften wackelt sie im Takt zur Musik. Nicht kokett, nicht aufdringlich, mehr so, als würde sie es genießen, als würde sie Spaß haben, so als würde sie gerne tanzen und müsste sich zusammenreißen, es nicht zu tun. Und gerade diese Zurückhaltung in der Bewegung macht sie so erotisch.

Katinkas Haare sind braun und lockig, sie hängen ihr bis über die Schultern. Anhand von Katinkas Locken kann man feststellen, ob sie einen stressigen Arbeitsabend hat, oder nicht. Geht es locker und gemütlich zu, dann sind es eher Wellen. Ist der Laden brechend voll, beginnt sie zu schwitzen und ihre Locken ziehen sich zusammen, werden eine richtige Krause.

Vor drei Wochen habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, wie Katinka wohl nackt aussieht, welche Unterwäsche sie wohl trägt unter dieser langweiligen und unförmigen Bluse mit dem aufgestickten Lokallogo, die sie immer anhat, wenn ich sie sehe. Ich bin im Bett gelegen, und der Gedanke war da. Jana ist auf meinem Oberkörper gelegen, hat geschlafen, mit dem Arm um mich, ich hellwach und mit den Gedanken wo anderes, habe mir gedacht, dass das falsch ist, dass ich das nicht kann, dass ich das nicht darf, man das nicht tut. Und trotzdem bin ich ins Bad, hab mich eingeschlossen und mit der Hand in meiner Boxershort überlegt, welche Farbe wohl Katinkas Brustwarzen haben und ob sie diese wohl lieber sanft geleckt oder fest gebissen bekommt. Hab dann die klebrige Boxershort beschämt die Waschmaschine gestopft, in den Spiegel gesehen und hätte mir gerne eine reingehauen, weil ich das doch nicht tu, weil ich nicht der Typ bin, der sich nachts heimlich im Bad einen runter holt, dabei an eine Fremde denkt, wo er doch eine Frau im Bett liegen hat, die er liebt und begehrt. Und wie ich mich dann zurückgelegt habe, extra nahe an Jana, zu ihr unter die Decke statt unter meine eigene, hab ich beschlossen, ich geh da nie wieder hin, ich such mir ein anderes Lokal, ich kann das nicht.

Ich bin betrunken gewesen, hab mich an der Bar kurz ausgeruht, den Kopf auf den Tresen gelegt und das kühle Holz an der Wange gespürt. Und dann plötzlich, Katinkas Hand. In meinen Haaren, an meiner Kopfhaut, da hinten wo der Kopf anfängt und der Hals aufhört. Eine unschuldige Berührung, ein kurzer Griff, nur mit den Fingerkuppen. Und trotzdem hab ich sie sofort überall gespürt, den Kopf hochgerissen, sie angestarrt. Sie hat nichts gesagt, ich hab nichts gesagt. Aber ihre Mundwinkel haben sich leicht nach oben gezogen, sie hat gegrinst und mich nicht nur angesehen, sondern in mich hinein.

Seit drei Wochen drehen sich meine Gedanken im Kreis. Ich wache auf und denke an Katinka, drehe das Radio an, höre ein Lied und frage mich, ob Katinka dazu wohl auch so sanft mit dem Arsch wackeln würde. Hab mir dutzende Male vorgenommen, sie auszublenden, mich lieber zu fragen, warum das denn auf einmal so ist. Dass mir diese Frau jahrelang doch egal gewesen ist, niemand mehr für mich gewesen ist, als die Barkeeperin mit dem lustigen Namen, die mir Samstagabend mein Bier hingestellt hat und mit der ich hin und wieder ein paar Sätze gewechselt habe, wenn meine Kumpels sich verspätet haben. Ob das nicht eigentlich mehr über mich aussagt, als über sie, oder über Jana, mich und Jana, ob bei uns was anders ist auf einmal, es fällt mir nichts ein. Aber mein Hinterkopf beginnt zu Kribbeln.

Seit drei Wochen nehme ich mir vor, ich geh da nicht mehr hin. Und trotzdem sitze ich wieder hier, da an Katinkas Bar, da wo ich immer sitze.

Katinka trägt einen kleinen Aluminiumkübel voller Eiswürfel an mir vorbei, ich rieche schwach ihr Parfum. Sie singt leise mit.

Und da sind wieder diese Bilder, die nicht sein sollten: Ich sehe Katinka neben mir auf dem Beifahrersitz, das Fenster ist offen, ihre Locken zerzaust vom Fahrtwind, sie hat ihre Beine nach draußen gesteckt. Ihre Zehen sind winzig, die Nägel rot lackiert, die Füßen liegen auf dem Seitenspiegel. Ich fahre über kroatische Landstraßen, vorbei an halbfertigen Häusern, Olivenhainen und Ziegenherden. Aus dem Boxen dröhnt, wie hier im Lokal, Creedence Cleerwater Revival. Und im Gegensatz zur echten Katinka, die eigentlich gar nicht richtig singt, sondern nur den Text mitflüstert, während sie gerade einer Gruppe Jungs in Superheldenkostümen Jägermeister über die Bar reicht, singt die Fantasie-Katinka lautstark, sieht mich dabei von der Seite an, lächelt und legt mir die Hand auf den Oberschenkel. Fantasie-Katinka und ich fahren von der Hauptstraße ab, in einen kleinen Feldweg hinein, wo wir uns unter einem Feigenbaum in die Wiese legen. Wir würden dort bis zur Nacht liegen bleiben, irgendein lauwarmes einheimisches Bier trinken. Ich würde zu ihr sagen, schau mal, Katinka, die Milchstraße, man sieht sie hier besonders gut, weil es viel dunkler ist, als bei uns zuhaue und ihr dann meinen Schwanz in den Mund stecken.

Mir wird der Mund trocken, als ich mein Bierglas hebe, bin ich ganz verwundert, dass es leer ist. Das ist neu, das passiert uns normalerweise nie, mir und Katinka, weil sie das eigentlich weiß, dass sie mir so lange ungefragt ein neues hinstellen kann, bis ich sage, du, danke, es reicht für heute. Sie sieht auch nicht in meine Richtung, trinkt gerade Schnaps mit zwei Mädels mit denen sie sich den ganzen Abend schon immer wieder kurz unterhalten hat. Sie hat mich auch noch nicht gefragt, wie es mir geht, wo meine Jungs bleiben, so wie sie es sonst immer tut, wenn ich alleine bin. Wie sie es letztes Wochenende noch getan hat, wo sie mir so einiges erzählt hat, von einer Vernissage, bei der sie eben gewesen ist. Davon, dass da ein Fotograf jahrelang durch Österreich gefahren ist, nur um Morgens an der Tankstelle Schichtarbeiter beim Biertrinken und Frühstücken zu fotografieren. Wie sie das begeistert hat, was das für eine schöne Milieustudie gewesen ist, und dass man sich das eben einmal vergegenwärtigen muss, dass das auch nur Menschen sind, nur eben mit einem ganz anderen Lebensrhythmus. Dass das nur, weil jemand bei Tagesanbruch in einer Tankstelle Bier sauft, nicht gleicht heißt, der ist Alkoholiker und hat kein Zuhause und keine Zukunft.

Letztes Wochenende haben Katinka und ich so lange Sambuca getrunken, bis sie gesagt hat, sie kann nicht mehr, sonst fängt sie an, sich zu verrechnen. Ich habe sie mit Kaffeebohnen beworfen, sie hat gelacht, gesagt, wenn ich das noch einmal tu, dann holt sie den Türsteher und lässt mich raus werfen und wir haben beide gelacht. Heute glaube ich, dass sie mich bewusst ignoriert.

Ich frage mich, ob Katinka manchmal in ihrem Badezimmer steht, ihre Fingerkuppen betrachtet und überlegt, warum sie einem fremden Mann den Kopf gekrault hat. Ob sie sich dann auch zu jemand anderem ins Bett legt, einem Kerl, oder einer Frau vielleicht, irgendwie würde das ja zu Katinka passen, dass sie Frauen mag.

Ob sie auch ein schlechtes Gewissen haben muss.

Ob sie es vielleicht schon vergessen hat.

Ob sie das bei jedem macht, der an ihrer Bar einschläft.

Und auf einmal steht sie da, sieht mich an, stellt mir ein frisches Bier hin, ich habe sie sogar beobachtet, wie sie es gezapft hat, aber nicht damit gerechnet, dass es für mich ist.

„ Alles in Ordnung bei dir?“, fragt mich Katinka.

Es ist wohl die dümmste, die oberflächlichste Frage der Welt. Wahrscheinlich fragt sie das hundert Gäste pro Abend, hat es auch mich schon hundert Mal gefragt. Aber da ist eine Tiefe, eine Ernsthaftigkeit in dieser Frage, da ist etwas in ihrem Blick, von dem ich weiß, das ist neu. Und als ich wohl das zweit-dümmste sage, was ein Mensch sagen kann, dass es mir noch nie besser gegangen ist, da meine ich das Ernst.

Ich sehe sie an, und mir wird schlecht, mir wird schwindlig und ich weiß nicht mehr, wohin mit dem ganzen Speichel, der da auf einmal ist, in meinem Mund. Katinka sieht mich einfach nur an, sagt nichts, aber ihr Blick ist so arg, ich spüre ihn überall, so dass ich froh bin, dass sie nichts sagt, weil sie mich so überwältigt, wenn sie jetzt noch etwas sagen würde, ich könnte nicht mehr.

Ich müsste aufspringen, sie an den Haaren packen, ihr Gesicht an meines ziehen und sie küssen, sie nehmen, am Besten sofort hier, vor all den Leuten.

Und auf einmal ist da Jana, ich sehe sie vor mir, wie sie im Bett liegt, in ihrer rosarot-karierten Pyjamahose. Sie wird noch munter sein, sie nimmt sich immer vor auf mich zu warten, wenn ich ohne sie unterwegs bin. Sie wird Harry Potter lesen, weil sie immer Harry Potter liest, wenn ich Bier trinke. Ich hab sie nie gefragt, warum sie das tut. Auch nicht, warum sie immer auf mich wartet, warum sie mich zuhause immer so freudig aufnimmt, wenn ich unterwegs gewesen bin. Warum es sie nicht stört, wenn ich mich stinkend und betrunken zu ihr ins Bett lege, sondern mich einfach in den Arm nimmt, mir manchmal auch sogar erlaubt, mit ihr zu schlafen. Ich hab es nie verstanden, aber mich immer darüber gefreut.

Und wieder wird mir schlecht, wieder wird mir schwindlig, wieder weiß ich nicht, wohin, mit dem ganzen Speichel, der da auf einmal in meinem Mund ist. Als ich ihn schlucke, ist da dieser Kloß im Hals, den ich sonst nicht habe, den ich nie habe, den ich nicht einmal gehabt habe, als wir letztes Jahr meinen Großvater eingeäschert haben.

Ich kann Katinka nicht mehr ansehen, bin in meiner Jacke drin, lege fünfzig Euro auf die Bar und flüchte nach draußen, wo es windig ist, wo es herbstelt. Wo die Sonne schon aufgeht und wo ich mich an der Anzeigetafel vom Bus festhalten muss, weil ich auf einmal glaube, dass ich nicht mehr stehen kann. Ich will zurück, will noch drei Bier, will warten, die eine Stunde noch, bis Sperrstunde, will mich wieder an die Bar legen, will so tun, als würde ich schlafen. Auf Katinkas Fingerkuppen hoffen, die mich da angreifen, wo der Kopf anfängt und der Hals aufhört.

Aber ich drehe um, und gehe. In Richtung Jana, Richtung zuhause. Richtung Vernunft.

An der Tankstelle sage ich dem Türken, der die Frühschicht schiebt, dass ich Mayonnaise zu meinem Leberkäse möchte. Er sieht mich angeekelt an und so fühle ich mich auch: ekelig. Neben mir sitzt ein dicker, bärtiger LKW-Fahrer, isst ein Schnitzelsemmerl, trinkt dazu Bier. Die Flasche hat er in ein Papiersackerl gesteckt, weil, in der Tankstelle darf man keinen Alkohol trinken. Er kaut unglaublich laut, hat Brösel im Bart und starrt auf das Nacktfoto, das immer auf Seite 7 der Tageszeitung abgebildet ist. Er grunzt, und sagt, an niemand bestimmten gerichtet, dass er die schon auch nehmen würde, dass die es sicher hart und dreckig braucht. Dann rülpst er und fragt nach dem Kloschlüssel.

Der Fotograf, von dem Katinka erzählt hat, hat sicher Leute wie diesen Kerl fotografiert. Und Katinka wird in der kleinen Galerie gestanden sein, wahrscheinlich mit den beiden Mädels, die heute bei ihr an der Bar gesessen sind, sie werden billigen Rotwein getrunken haben, von Foto zu Foto gewandert sein, und sie betrachtet haben, diese Leute, die morgens an Tankstellen rumhängen. Die Nachtarbeiter, die Taxifahrer, die Straßenzeitungsverkäufer, die, die laut Katinka eh nur ganz normale Menschen sind.   Aber eines hat sie vergessen, dass das eben doch nicht alles ist. Dass es schon noch eine andere Art von Menschen hier gibt. Die Leute, die nicht wissen, was passiert mit ihnen, wo sie da auf einmal sind. Wo sie hin sollen. So wie ich. Die nirgends wo hin können und deswegen festkleben, hier bei den Bier in Papiersackerln und den rumänischen Aufbackbrötchen. Als ich meinen Kopf an die weiße Plastikbar legen will, weil ich mir einrede, dass ich da vielleicht besser nachdenken kann, bewirft mich der Tankwart mit irgendetwas, es ist ein ekliger, nasser und nach Essig stinkender Fetzen und er landet genau in meinem Nacken. Dann kommt er zu mir, stützt sich mit den Ellenbogen an der Bar ab, nennt mich Bursche, wofür ich ihm aus Prinzip gerne gleich eine panieren würde und sagt mir, dass ich nach Hause gehen soll. Dass ich nicht nach Hause kann, dass ich da nicht hin will, sage ich und er macht so eine wegwerfende Geste mit der Hand und murmelt trocken, dass ich dann eben wo anders hingehen soll. Ich schüttele nur den Kopf, sage, dass wo anders hin zwar schön wäre, aber unklug.

„Es ist irgendwas mit Frauen, oder? Es ist immer wegen den Frauen.“

„Ja. Ich glaube, es gibt zwei davon.“

„Hast du Kinder?“

„Nein.“

„So lang du keine Kinder hast, ist alles noch ok. Da kannst du dich noch umentscheiden. Wenn die mal da sind, dann ist alles im Arsch!“

„Ja, aber das ist doch scheiße so!“

„Bursche, egal, wie man es macht – scheiße ist es immer!“

Ich schließe Janas Wohnung auf, bemühe mich, leise zu sein. Überall brennt Licht, aber sie kommt mir nicht, wie sonst oft, entgegen, um mich zu küssen, um mich zu fragen, ob ich einen schönen Abend hatte. Im Schlafzimmer finde ich sie, genauso, wie ich es erwartet habe. In dieser scheußlichen, aber trotzdem irgendwie niedlichen Kinderpyjamahose, den vierten Band von Harry Potter auf der Brust liegend, schlafend. Ich nehme ihr das Buch aus der Hand, streiche ihr die Haare aus dem Gesicht, drehe die Nachttischlampe ab, ziehe mich aus und kuschle mich dazu. Jana schmiegt sich schlaftrunken an mich, streichelt meinen Rücken. Ihre Hand wandert nach oben, berührt mich da, wo es seit Wochen schon prickelt. Sanft schiebe ich sie von mir, ich will nicht dass sie mich so sieht. Will nicht, dass sie aufwacht, dass sie merkt, dass etwas anders ist, bei mir.

Im Bad höre ich plötzlich irgendwo ganz hinten in meinem Schädel Katinkas Stimme. Katinka die leise wieder Creedence Cleerwater Revival singt, sie singt vom Weltuntergang, vom aufgehenden Mond, sie singt davon, dass es besser gewesen wäre, heute nicht nach draußen zu gehen. Kluge Katinka.

Und erst als es an der Tür klopft, realisiere ich, dass ich meinen Schwanz in der Hand habe, an Katinka denke, die nackt auf mir liegt, an einer Zigarette zieht, sie mir dann in den Mund steckt, um besser singen zu können.

Ich höre draußen irgendein Geräusch, halte inne in der Bewegung.

„ Alles in Ordnung bei dir?“, fragt mich Jana.

Und als ich leise durch die Tür durch flüstere, dass es mir noch nie schlechter gegangen ist, da meine ich das Ernst.


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Franziska Baur

Wasser, Fluss, Leben

Ist das Leben wie ein Fluss? Der einen mit seinen Strömungen nach oben und Mal nach unten reißt? Der einen in schnellen Wellen trägt oder gemächlich, langsam mäandernd mitnimmt auf seinem Weg? Und ein anderes Mal fast zum Erliegen zu kommen scheint? Einmal reißen einen seine Wellen und Stromschnellen mit, lassen einen auf der sich kräuselnden Gischt tanzen. Oder sie wirbeln einen so durch und durcheinander, dass oben und unten nicht mehr zu unterscheiden ist. Weil das Wasser, das Leben, einen mit sich reißt wie es ihm gefällt. Der eigene Wille, oft machtlos.

Aber egal wie schnell oder langsam, wie turbulent oder gemächlich, der Fluss, das Wasser bahnt sich seinen Weg, fließt, zieht weiter – lässt sich nicht beengen, kommt nie ins vollständige Ruhen. Und auch wenn es manchmal so scheint, hört die Bewegung nie auf.

Und wie heilsam und bedrohlich zugleich doch diese Vorstellung ist. Heilsam, weil es Gewissheit bringt, dass kein Schmerz und kein Leid, kein Scheitern, keine Enttäuschung für ewig verweilt oder andauert. Einen von innen austrocknet oder verdorren lässt. Nein. Wie das Wasser fließt, sich fortbewegt und sich entfernt – verflüchtigt sich auch das Auszehrende, verändert sich, verliert seine Vehemenz.

Vorausgesetzt man lässt es ziehen, friert es nicht ein. Nur in der Erstarrung liegt das Unveränderliche, der Stillstand. Nur dann ist der Fluss unterbrochen. Gefangen, gefroren verliert er seine Kraft und Energie, die seine Stärke ausmacht.

Diese unveränderbare Gewissheit, bringt jedoch auch etwas bedrohlich-trauriges mit sich. Denn es zeigt, dass keine Freude und kein Glück zu halten ist. Auch sie fließen und entrinnen – sind nicht einzufangen, nicht festzuhalten – brauchen die stete Erneuerung. Sind nie gewiss – nur für den Moment.

Auf einer Brücke darüber stehend fließt das Wasser unter einem hindurch, die Zeit, Erlebnisse und Geschehnisse nimmt es mit. Oder man kann sie ihm mitgeben – sie mit dem Wasser auf eine Reise schicken, oder gar gänzlich verabschieden, loslassen, freigeben, von sich lösen. So entsteht Freiraum für Neues. Etwas, das sich bewegt, agil verändert, neue Formen zulässt und etwas erschafft. Ein Tanzen, Springen, Aufbäumen und sich Einfügen in das Wasser, das den Fluss des Lebens bestimmt.