freiTEXT | Jacqueline Krenka

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Der Punkt

Das ist er also. Dieser eine Punkt, dessen Existenz du weder jemals bedacht noch für möglich gehalten hast. Ob erreicht oder überschritten spielt hier keine Rolle. Dieser eine Punkt, an dem dein Herz so sehr gebrochen ist, dass es keine Gefühle mehr fassen kann, nicht einmal die Schlechtesten. Liebe und Hass, Freude und Trauer, Hoffnung und Schmerz. Sie alle rinnen durch die Risse, schneller noch als Wasser durch ein Sieb. Zurück bleibt ein pochender Muskel, dessen einzige Aufgabe bloß noch darin besteht, einen freudlosen Körper am Leben zu erhalten. Ob er will oder nicht, woher soll er es denn wissen? Er fühlt es ohnehin nicht.

An diesem Punkt läuft eine Träne über dein Gesicht und du fragst dich, ob sie ein Zeichen deiner zurückkehrenden Gefühle sein könnte. Doch dann bemerkst du, dass du bloß vergessen hast, zu blinzeln, als du in Gedanken versunken an die Wand starrtest. Du erinnertest dich an frühere Zeiten, daran, was für ein glücklicher Mensch du damals warst, wie herzhaft du gelacht, genossen, gelebt und geliebt hast. Du wischt die Träne weg, fokussierst deinen Blick und fragst dich kurz, wann du dich selbst verloren hast. An welchem Punkt.

Jacqueline Krenka

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freiTEXT | Renate Katzer

freiTEXT_Illus18

Großvater

Seine Worte verhallten
auf dem Amboss
unter
den Hammerschlägen

er legte
die Hand ins Feuer
für mich

sein Herz war weich und
glühend
wie das Eisen
das er trieb

sein Geist sprühend
wie die Funken
die
um meine Kindheit
tanzten

Renate Katzer

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freiTEXT | Simone Scharbert

freiTEXT_Illus15

brasch lesen

atmen lernen oder erzählen
eintauchen in lungen
ins kapillare netz
brustschwimmen
durch blutbahnen
durch deine und meine
in luftblasen denken
die gegenwart tauschen
mit jemandem
der sagt
erzähl’ mir vom atmen
das wünschen wir uns

 Simone Scharbert

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freiTEXT | Fabian Bönte

freiTEXT_Illus22

52.5590437, 11.9350376

ich spüre flügelschläge
ich bin blind
ich schreie
und verliere mich im dunkel

wir treiben im nichts
wir schlagen auf trommeln
wir durchkämmen den himmel
auf der suche nach licht

Fabian Bönte

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freiTEXT | Ingeborg Kraschl

freiTEXT_Illus12

Treibjagd

Fensterbaum
er bricht dir
das goldene Licht
zum Schatten

seine Äste
dich umfangen
schließen aus
das Urteil

bis der Frost
sich nicht mehr
geduldet

die Tür
nicht mehr
im Schloss bleibt

deine unruhigen Augen
nicht mehr
vom Warten
sprechen

Ingeborg Kraschl

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