Wolkenwelten
Wahres nirgendwo, überall nur Trugbilder,
von denen man nichts erwarten sollte.
– E. M. Cioran, Der zersplitterte Fluch
Wir schauten ihnen lange nach.
Den Schattenscherben, die über
Landschaften flogen. Den Wolken-
herden im Galopp.
Da wuchs ein Spinnennetz
am Himmel, da verquollen Wolkenflocken
am Horizont. Da zerstob etwas Zeit.
Ich träumte entschlossen
vom Sommer, saugte Licht und Wärme
in mich auf. Das Gefühl, im eigenen Kopf
zu baumeln, leichter zu sein
als Luft. Ich deutete auf etwas Helles,
du verrietest mir die Sicht der Dinge:
Wahres nirgendwo, überall Trugbilder.
Ich sagte: Schaukel, du sagtest: Cumulus,
ich: singender Schwan.
Jahre später, im Anflug auf das neblige Land,
sah ich Wolkenbüschel, rosablauen Abendschaum,
glaubte zwischen dem Nebelmeer
Bergspitzen zu erkennen, schon winkte mir
jemand vom Gipfel aus zu.
Doch die Erkenntnis ging weiter:
als du eines Morgens nicht mehr erwachtest,
hielt ich mich für das letzte Gespenst.
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