Schwermütige Wanderungen

Früher wussten wir
wenn weiße Kühe auf den Weiden stehen
dann haben wir Burgund erreicht

Wir fraßen löffelweise Senf
der in der Nase kitzelte
und uns Tränen in die Augen trieb

Den Wein stahlen wir aus hölzernen Fässern
lauschten bei Nacht unter bergenden Bäumen
dem Gesang aus Vogelträumen

Die Furten schmaler Flüsse erlaubten unser Bad
nackt wälzten wir uns im fetten Klee
und plünderten die Apfelwiesen

Heute sind wir Verirrte an Peripherien
wohin wir uns auch wenden weiße Kühe
Fremde wie wir in Tälern ohne Horizont

Trunken machen uns die faulen Beeren
zerkaut mit Brot ohne Salz und Käse ohne Milch
unsere Haut raschelt in der Nacht

Früher verstanden wir es heimzukommen
wohin wir auch einander führten
ein kleiner Mond hat da gereicht

 

Helmut Blepp

 

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