ZZZ 1/12 | Veronika Aschenbrenner

Geboren 1986 in Salzburg, Studium der Pädagogik und Soziologie. Bisherige Veröffentlichungen: Krähenfreiheit (Arovell, 2013). Wind im Sand (Albatrust, 2008).

Veronika ist Teil von Zweifel zwischen Zwieback, der Kurzprosa-Anthologie zur 20. Ausgabe des mosaik. Ihr Text „Wir nennen sie Marbella“ ist einer von 12, die anonym ausgewählt wurden, sich in diesem Band zusammenfinden und am 2. Dezember 2016 erschienen sind.

Wir nennen sie Marbella

„Seid doch endlich still!“

„Für unseren Gast, also bitte!“, springt ihm der Georg unterstützend bei und es wird sofort ruhig in der Stammtischecke. Ein paar Dorffremde, hauptsächlich alte Leute, wenden sich den Fünf am Stammtisch zu, weil es mit einem Mal still geworden ist, wo es zuvor doch sehr laut zugegangen war. Vor allem seitdem der eine dabei sitzt, der zuvor alleine sein Schnitzel gegessen hat. Und was für ein Schnitzel – ein Prachtschnitzel, von der besten Sau weit und breit. Damit rühmen sich die Wirtsleute hier, dass sie die besten Säue haben. Nichts gemästet, alles gut angefressen. Sogar in der Natur. Da würde ein jeder Bio-Fleisch-Jäger seinen Sanctus dazu geben, aber das ist den Wirtsleuten wurscht, weil sie machen nur, was einem der Verstand ja ohnehin sagt, wenn man ein bisschen einen Bezug zu Tier und Natur hat. Alle im Dorf wissen, dass es hier Prachtschnitzel gibt und die Fremden, die müssen selber draufkommen. So sind sie auch ins Gespräch gekommen mit dem Fremden, weil der die stark geschminkte Kellnerin gar sehr gelobt hat für das Stück Fleisch und da hat der Luki, in seiner Art, wie er halt so ist, sich hinübergeneigt und gerufen: „Wenigstens einer, der was versteht!“

Der Fremde hat dann nicht, wie sonst üblich, bloß nett zu ihnen hinübergelächelt, sondern hat halb gefragt, halb gesagt: „Kann ich mich zu euch setzen?“ Dass ein Tourist derart offen ist, das kommt selten vor – vor allem, wenn er noch keine drei Radler getrunken hat. Aber so ganz wie die üblichen Touristen sieht er auch nicht aus. Luki findet ihn sympathisch. Ist er ja sonst nur mit Leuten zusammen, die viel älter sind als er. Und dann hat er auch die Förmlichkeiten gleich beiseite gelassen. – Dem Georg hat das nicht recht gepasst: „Naja, sind wir schon beim Du?“, hat er leise gemeint. – Noch sympathischer hat er sich gemacht, für den Luki, weil er sie gefragt hat, wie es ihnen denn so ginge mit den Fremden, mit den Touristen vor allem, aber auch so … mit ‚Zugereisten‘. Na, und da hat nicht mehr viel gefehlt und Krawetz, Georg und Luki sind auf ihre neue Mitbewohnerin gekommen.

„Als sie eingezogen ist, waren wir alle in der Arbeit. Außer der Georg, der hat sie kurz gesehen, aber sie hat sich sofort in ihr Zimmer verzogen! Recht viel wissen wir deshalb immer noch nicht über sie. Nur ihren Namen und den können wir nicht aussprechen … deshalb hat der Georg sie Marbella genannt, weil er sie so außerordentlich schön findet“, fängt der Krawetz an zu erzählen.

[…]

Auszug aus Zweifel zwischen Zwieback – ab 2. Dezember erhältlich

Buchpräsentation am 2.Dezember in der ARGEkultur

Foto: (c) Arne Müseler

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