Der Tanz der Zwiebel

Simone Forti_Huddle_Salzburg_2014

Wenn es eine Kunstform gibt, in der sich künstlerische Tendenzen der letzten 50 Jahre ausdrückt, so ist dies die Performance. Untrennbar mit Performances verbunden scheint uns heute der Tanz als körperbetonte Ausdrucksform. Doch das war nicht immer so. Es brauchte erst eine italienischstämmige Tänzerin, die dem Tanz eine neue Ebene bot. Simone Forti ist erstmals eine Retrospektive gewidmet – im Museum der Moderne Salzburg.

Simone Forti betrachtet sich selbst als „Bewegungskünstlerin“ und übersetzt Empfindungen, Gedanken, Gefühle in einen körperbetonten Ablauf – bis heute. „Mit dem Körper denken“ ist der folgerichtige Titel der Ausstellung. Als sie Ende der 50er-Jahre damit begann, Tanz anders zu denken, revolutionierte sie das Kunstverständnis und beeinflusste damit sowohl die Wiener Aktionisten als auch die Fluxus- und Konzeptkunst-Bewegung.

Aus dieser Zeit stammen berühmte Performances wie Huddle oder See-Saw. Sie arbeitet teils noch mit exakten Vorgaben, häufig sind es Paarkonstellationen die eine Beziehung dazwischen ausdrücken, und sie lehrt uns, dass man bei einer Performance die Künstler nicht sehen muss (wie z.B. bei Platforms). Diese werden im MdM neu inszeniert, von Tänzerinen des SEAD, mit denen u. a. auch bei den Attempt-Performances von Marko Dinic und Peter Wetzelsberger zusammengearbeitet wurde.

Simone Forti_Performance Probe_Slant Board

Daneben – unscheinbar, aber doch zentral – spielt sich eine ganz eigene Langzeit-Performance ab: Eine Zwiebel auf einer Glasflasche. Sie wächst und beginnt langsam zu tanzen, bekommt Triebe, bis diese irgendwann so groß sind, dass die Zwiebel von der Flasche fällt. So einfach und doch so ästhetisch.

Dabei kann (und muss) man natürlich immer die Frage stellen, ob es Sinn macht, Performancekunst im Museum auszustellen. Die Flachware, die im dritten Stock gezeigt wird – hauptsächlich Skizzen und Studien – begeistert kaum. Aufzeichnungen alter Performances interessieren nur wenige. Doch die täglichen Performances sind auf jeden Fall einen Besuch wert. So unzugänglich die Ausstellung (insbesondere ohne Führung) ist, so direkt sind die Aussagen der Live-Performances.

Simone Forti. Mit dem Körper denken. Eine Retrospektive in Bewegung. Museum der Moderne Mönchsberg, Salzburg. Noch bis 9.11. – Performancekalender hier.

Josef Kirchner

 

No Comments

  • Martina Anna Auer Antworten

    Für mich sind die Skizzen und Notate sowie die Artefakte aus der Produktionszeit der Performances doch ein wichtiges Instrument um tiefer in die Schaffenskunst von Simone Forti einzutauchen.

  • mosaik Antworten

    und darum ist es schön, dass es beides gibt: Für dich den Hintergrund, für mich die Wiederbelebung. =)

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