freiVERS | Torsten Siche
nach Hause kommen
ein Sommer wie Chlor und Pommes
einst und ewig im Treppenhaus
warten die Schuhe auf den Herbst
oder wer auch immer sich hierher verirrt
früher roch es treppauf nach Rhythmus
treppab die Scheibe Wurst
noch nudelwarm die Aussicht
auf süße Tüten oder Pizza für drei
jetzt duckt sich das Dach
im Niesel wächst etwas
zwischen den Dönerresten
abgerissene Zettel aufgeweichte Bitten
eine Katze beinahe unleserlich
vermutlich vermisst ein Klavier
zu verkaufen ein Auto oder ein Käfig
für alles was sich wegsperren lässt
abgeschüttelt die Zwiebelringe
unter den Schuhen weder Takt
noch Feingefühl in den Krümeln
der Dagebliebenen
ein Winter wie Mäusekot
hinter den Zierleisten jetzt und immer
wartet ein Kuss auf sein Echo
im Treppenhaus
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freiVERS | Torsten Siche
andächtig
Vermoosung unter der Zunge
mehr als ein aufgestoßenes Gebet
zwischen den Seiten zittern
die Finger ein Lied herbei
ein Krächzen gespuckt statt Lobpreis
die Erinnerung splittert unter den Nägeln
schnell überwachsen die Spuren im Gras
noch knistert das Laub des letzten Jahres
unter den Schuhen erhebt sich der Gesang
wie fallen gelassen kurz nach der Geburt
Bruchstein unter Efeu vergessen
beim Näherknien bricht das Dickicht
unter der Stirn keine Melodie
kein Klageton
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freiVERS | Torsten Siche
letztlich nutzlos die Kraft
in den Fingern die Melodie
klebt an den Lippen kostbar
wie Brausepulver einst
und immer übrig geblieben
als jede jeden zum Essen rief
keine Vögel kommen vorbei
trotz Herbst keine Not auf dem Spielplatz
hocken die Krähen im Sand zwischen den Fingern
zerrinnen die Krümel eine Spur hinter der Scheibe
verschwimmen die Lippen zum Sumpf
da wo einst Wärme war und Wimpernschlag
kein Igel im Laub kein Scharren
im Dickicht lauert kein Trost
von der Schaukel tropft es
Tränen zäh oder zögerlich
nichts drängt sich auf
oder will willkommen sein
kein getretener Hund streunt
vor deiner Tür klafft keine Wunde
kein Wimmern hinter der Wand
nur das Kinderlachen scheppert
im Fahrstuhl hinab
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