Literaturblogs are broken

Fehlende Distanz und „Gefallsucht“ – Probleme vieler Literaturblogs?
Auf jeden Fall wichtige Fragen, die sich jeder Blogger stellen muss.

One Comment

  • Yves Engelschmidt Antworten

    Das das allgemeine Niveau der Literatur sinkt — ist die konstante Aussage jeder Gegenwart. Zu fast jedem Zeitpunkt folgt der Analyse des “Jetzt”, als Resultat, die sentimentale Ansicht zu bestätigen:
    dass es “früher besser war”.

    Was, allein in der Formulierungsweise, nicht mehr, als eine rein subjektive Bewertung sein kann — eine weitere Verschubladung.

    Neue literarische Ausdrucksmöglichkeiten und Plattformen bringen Veränderungen mit sich, die nicht nur latent unbequem, und als neue “Unbekannte”, unterbewusst zunächst fast immer ein Gefühl der Fremdheit — und daher meist Ablehnung erzeugen, sondern sich vor allem, nicht zuletzt aufgrund der gesteigerten Geschwindigkeit an Verbreitungs- und Wandelbarkeit, auch jeglicher voraussehbarer Kontrolle entziehen (nach den bisher bekannten und durch viel Aufwand erlernten Parameter).

    Unvorhersehbare Bewegungen, Amputationen und Zuwachs, der sowohl Chancen als auch Gefahren in sich birgt.
    Zu Tode langweilige und abgeschmackte “Wohlfühl- & Kuschle- Literatur” sind keineswegs neue Erscheinungen — und dem generellen Verständnis unserer Kommunikation, Sprache und deren funktionale, als auch wirtschaftliche Umgangsweise damit, zuzuschreiben. Eher deren Aufweichung, Simplifikation und dem zusätzliche immer wichtiger erscheinenden Wunsch und Bedürfniss nach Bestätigung, durch anonyme oder kaum aussagekräftige oder gehaltvolle: “likes”, +, “friend” etc.

    Die erhöhte Frequenz an Bildern, Texten, Lauten — äußere Signale im Allgemeinen und insbesondere die flächendeckend Werbung, die tiefen-psychologisch manipulativ fixiert ist auf ebenfalls zunehmend plurale Interessen — die uns kognitiv, in dieser Umbruchsphase, ganz sicher in Vielerlei Hinsicht überfordern und kraftlos machen — sollten uns jedoch nicht verzweifeln lassen.
    Sondern und zu ungewöhnlichem Denken und mehr Kreativität herausfordern.

    So wie die meisten Individuen ihren persönlichen Erfahrungsradius, ja sogar ihr Leben und Geistigen Konsum, wie auch Output, einem immer größer, komplexer und enger werdendem Netzwerk zu Verfügung stellen und auch dessen Nutzen abschöpfen,
    ist das tatsächliche und vorausreichende Ergebnis — oder besser: dessen Entwicklungen, für die Zukunft und unsere Betrachtungsweise der Vergangenheit,
    variabel, und stehet der Gestaltung zur Verfügung, wie auch offen, für diejenigen, die bereits sind Verantwortung zu tragen und Aufwand zu betreiben; sich einfach trauen unbequem zu sein — weil es so sein soll.

    Das es Blogs gibt, und immer mehr davon — will ich damit sagen, ist vielleicht nicht unbedingt der Ausschlag gebende Punkt, für den “gefühlten” Mangel an hochwertiger und kritischer Literatur. Und unter Umständen gerade dessen einzige Chance und Möglichkeit zur Unabhängigkeit, von Verlegen, Zeitungen etc.
    Eine neue Kultur, mit neuen Regeln, die es, was dieser Artikel ja bewirkt, zu hinterfragen und vor Allem selbstbewusst mit zu formen gilt.

    Ich persönlich bin absolut kein Fan von Social-Media — und deren degenerative Sicht und Ausdrucksweise (meine Ansicht). Zum Beispiel denke ich da an Smilies, die beinahe schon notwendig erscheinen um den emotionalen Gehalt einer Aussage zu bestücken. Was mir, als jemanden, der sich tagtäglich mit Sprache und sprachlichen Konstruktionen auseinander setzt, gruselt und Grund zur Besorgnis aufrüttelt.

    Ermöglichen sie mir jedoch zugleich, einem ungeahnt und auf herkömmlichen Wege wohl unerreicht gebliebenen Publikum, mit meinen Texten zu konfrontieren. Selbst wenn hinter unzähligen Klicks, nur wenige einen in Gänze lesen. Ein paar gibt es immer, die es tun, und hier Gefallen und Freude finden. Die, wie ich selber denke, den Aufwand wert sind — und ich dankbar, auch immer wieder Interessantes von vielen klugen und innovativen Köpfen, im Netzt vorfinde. lebst zwischen den Kurzen Gmail/Youtube/Pornsite Intervallen.

    Die Chance, eindeutig und klar zu sein, liegt sowohl in der Sprache, als auch in uns selber. Und dessen Mangel, nicht ausschließlich in dessen Form.

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