Wal-Torten-Schlacht

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„Ich will es schaffen – oben im Hirn toben Affen!“
Über Wale, Leitungswasser und den Ozwicktn. Die erste Ausgabe des WORTVOLL Open Poetry Slam ist Geschichte.
Da es in Salzburg anscheinend keinen offenen Poetry Slam gab, gibt es halt jetzt einen. Wortvoll heißt er, kommt gleich mit eigener Homepage und für Salzburger Verhältnisse ungewöhnlich medienwirksam daher. Zu Beginn wird festgehalten, dass man keine Promis habe, sondern „unbekannte, lokale (sic) AutorInnen“. Der Blick schweift über die an der Bar – aus welcher dann auch gelesen wird – aufgefädelten TeilnehmerInnen:

Da hätten wir Simon und Nano aus Wien, Lukas aus Vorarlberg und zumindest Lisa, koko und Sebastian als „lokalen Beitrag“. Sebastian, 17 Jahre jung, schrieb teilweise in Mundart über den „Optativ zum bestehenden Indikativ“ und beschrieb seinen Zugang zu einer Prüfung. Noch jünger ist Nano (15), welcher – auf einer Bierkiste stehend – über sich referierte: „Oida, was macht der Ozwickte da, des is a Poetry Slam, koa Kindergarten!“, aber: „Er ist so perfekt unperfekt – verdammt ist der geil!“ – als zweiten Text schließlich einen Text „der so inhaltsleer ist, dass es für euch interessanter wäre, die Leerzeichen vorzulesen als die Wörter dazwischen.“

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koko auf der anderen Seite der Skala verlor sich im Vanitas-Motiv und gedenkt eines verstorbenen Freundes – und findet damit zumindest teilweise großen Anklang. Doch so still wie bei Lukas bekommt sie das Publikum nicht. Dieser lässt romantische Wortspiele auf alle einprasseln, zunächst mit Mikro und leichten Rückkoppelungen, allerdings auswendig vorgetragen, dann unplugged in absoluter Stille des Saales: „Freiheit in Ewigkeit ist Opfer der Vergangenheit.“

Lisas Texte könnten zB. in mosaik4 (S. 13) nachgelesen werden – das umgedichtete Volkslied war und bleibt einzigartig. Und dann war da noch Simon, Pullover um die Hüfte, Tuch im Haar, Stift hinterm Ohr, über Wa(h)le(n) referierend. Eine Typologisierung vom O-Wal über den ÖH-Wal („is wurscht“) und die Miss-Wal („Schlampenfieber“ und „Melanome in Geweihform“) bis zur EU-Wal mit Wortspielen á la Willy Astor. Andere Kabarettisten standen Pate, als er eine Parlamentsdebatte über den Austausch von Wahlzuckern zu -torten nachstellte.

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Es soll einen Sieger gegeben haben. Und obwohl es Bier zu gewinnen gab, überwogen die Leitungswasser-, Orangensaft- und Cola-Trinker. Spannend. Gratulation an die gelungene Veranstaltung, die im Herbst ihre Fortsetzung finden soll. Hoffentlich finden auch dann genug „local Heroes“ den Mut gegen erprobtere Slammer anzutreten.

Josef Kirchner

Foto (c) WORTVOLL

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