„Thinking is the enemy of creativity!“

Was hat Roald Dahl mit Ray Bradbury gemeinsam? Auf dem ersten Blick nicht viel. Doch wenn Arturas Valudskis und sein Ensemble sich von beiden inspirieren lassen entsteht ein verstörender Abend. Verstörend und verführerisch.

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Weiße Leinwand im schwarzen Würfel. Drei MusikerInnen – schwarze Kleidung, weißes Gesicht – betreten die Bühne, nehmen an ihren Instrumenten Platz. Der Star des Abends tritt auf, positioniert sich an der Bühnenkante. Alles wartet auf seinem Einsatz. Und wartet. Nervöses Räuspern unter den MusikerInnen. „Was“ hört man leise aus seinem Mund, „was ist“ folgt, die Bandmitglieder werden immer nervöser, als der Herr mit den zerzausten schwarzen Haaren zu seinem Plädoyer gegen die Psychologie unter dem Titel „Was ist Anti-Psychologie?“ ansetzt.

Von jetzt an gibt es kein Zurück mehr: „Thinking is the enemy of creativity!“ ist die musikalische Antwort der Geigerin mit den aus der Reihe tanzenden roten Haaren. Skurrile Bilder wechseln sich mit ebenso unnachahmbaren Musikstücken ab. Is this Punk? C’est une chanson? Was auch immer es war, es blieb als Ohrwurm – ebenso, wie sich die Bilder in den Kopf eingebrannt haben.

Etwa das Bild von der sich mühsam zum Arzt schleppenden Kranken, oder jenes von der exhibitionistischen „Leinwand“ ihres Tatoo-Künsterfreundes. Susanne Lipinski, Gudrun Raber-Plaichinger, Mathias Lenz und Arturas Valudski, das Quartett auf der Bühne, agiert als gemeinsamer Spiel-Körper, es gibt keine fixe Hierarchie, jedes Bild wird neu gebaut. Jedesmal agieren Typen, die gleichzeitig skurril – was wohl auf die Textvorlagen zrückzuführen ist – und doch zutiefst menschlich erscheinen.

Einziges Manko an der krummen Welt des Toihaus: Sie endet viel zu früh. Gerade als man sich an den Rhythmus und den feinen Humor (very british!) gewöhnt hat, muss man in die greadlinige Welt da draußen zurückkehren, die doch viel mehr Schwarz und Weiß ist als in dieser Produktion. Es bleibt die Hoffnung, dass im kulturellen Leben der Stadt doch noch nicht alles verloren ist: „you can try to do things – you simply must do things.“

Josef Kirchner

Achtung: Heute, 8.3.14, um 20:02 ist die letzte Vorstellung. Trailer.

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