Kein stilles Leben

„Morgengrauen. Der Frühling bleibt aus, Krieg zieht auf. Der Nieselregen und das Donnern der Gewitterwolken singen einen Abgesang auf die Illusion des Friedens.“

 

„Morgen. Grauen. Kanonen schlagen tiefe Schneisen in die Reihe der Soldaten. Anton und sein Vater kämpfen Seite an Seite.“

Was macht Thomas Mulitzer, wenn er nicht gerade Manifeste für Anthologien schreibt? Er erzählt uns das Leben von Anton, und damit die Geschichte des Barock. 

Barock der Niederlanden, Barock Frankreichs, Barock Österreichs… Die geographisch sortierten Räume der Residenzgalerie reihen sich aneinander wie die Gemälde an ihren Wänden. Dunkle Farben, hohe Kontraste, viel Schatten. Nach dem Rundgang durch die Prunkräume der Residenz mit ihren zahllosen Barockfresken an Wänden und Decken fühlt man sich gesättigt wie Bacchus bei Rubens.

Zwei Räume weiter flackert das Licht. Wie die Motten zieht es einen durch die hellen Sammlungsräume in den düsteren Beginn der Geschichte von Anton: Es ist Krieg. Und alle gehen hin. Auch Anton, wie uns durch eine großartige Motion Graphic von Zoltan Erdei, vermittelt wird, muss mit seinem Vater einrücken. Die Leuchtstoffröhren an der Decke flackern; wenn man sich einem der beiden Gemälde nähert, ertönt Kanonendonner.

„Ein Hoch auf die Trümmer und den Schutt. Denn sie sind unser Zuhause, sie sind alles, was von unserer Hoffnung übrig ist. Ein Hoch auf die Scherben und die Schmierereien. Denn sie sind die Deko unserer Hölle. Ein Hoch auf die Würmer, auf die Schaben und die Maden. Denn sie zieren unsere Häupter.“

Die Hauptmotive des Barock – Krieg, Vanitas, memento mori – hätte er eigentlich schon in seinem X Manifesto umgesetzt, mit der Lebensgeschichte von Anton führt Thomas Mulitzer diese nun weiter aus und positioniert damit einen neuen Text in musealer Barock-Umgebung.

Anton ist der Versuch, Barockkunst neu erlebbar zu machen. In Zusammenarbeit mit Studierenden des Master-Programmes MultiMediaArt der Fachhochschule Salzburg entstand diese Ausstellung in der Residenzgalerie, eines Teiles des neu eröffneten Domquartiers. Während man der Lebensgeschichte Antons folgt, werden einzelne Motive an meist nur einem(!) Gemälde exemplifiziert. Die angekündigte Multimedialität glaubt man erst, wenn man dort steht.

Dann lenkt man Lichtquellen um in den Schattenspielen die Story voranzutreiben und greift in Bilderrahmen um ein berühmtes, dreidimensial animiertes, Stillleben zu drehen und zu wenden, auf der Suche nach dem Grund für den plötzlichen Tod des Fürsten.

Anton zeigt, wie trocken geglaubte Kunstmuseen neue Zugänge schaffen können. Ganz im Gegenteil zur lieblos wirkenden Barock-Ausstellung Prima Idea des Salzburg Museums einige Türen weiter, stimmt das Gesamtkonzept von der räumlichen Inszenierung über die Illustrationen (s.o.) bis zum angesprochenen Text, der in voller Länge zum Mitnehmen bereitliegt. Barock war noch nie so nah. Oder wie Thomas Mulitzer sagen würde:

„Ein Gespenst geht um. Alles bricht zusammen. X ist das Dynamit.“

ANTON. Eine Multimediale Inszenierung. Residenzgalerie/Domquartier, €10 (für Studierende), bis 09.11.14.

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